Lade Inhalte...

Gastbeitrag Impulse statt Bremsen

Die Bundesregierung sollte erneuerbare Energie weiter intensiv fördern.

21.04.2016 14:16
Hermann Albers und Hubert Weiger

Weltweit sind die energiebedingten CO2-Emissionen 2015 zum zweiten Mal in Folge nahezu gleich geblieben, und dies trotz wirtschaftlichen Wachstums. Zurückzuführen ist das Ende des bisherigen Trends stetig steigender Emissionen auf das globale Wachstum erneuerbarer Energien. Bei der Stromversorgung basierten im letzten Jahr 90 Prozent des Zubaus auf regenerativen Energiequellen. Das ist Rekord und davon haben auch wir profitiert.

Seitdem das Erneuerbare-Energien-Gesetz gilt, haben Maschinenbau-Unternehmen in Deutschland zielstrebig eine neue Industrie zur Nutzung regenerativer Energiequellen aufgebaut und sich weltweit eine Spitzenposition in den dynamisch wachsenden Märkten erarbeitet. 350 000 Beschäftigte zählt die Branche inzwischen. Bei Windkraftanlagen an Land halten deutsche Hersteller und Zulieferer 20 Prozent des Weltmarktes, auch bei der Errichtung von Windparks vor den Küsten ist man führend.

Im Sektor der Photovoltaik überzeugen deutsche Hersteller mit hocheffizienter Technologie und kombinierten Lösungen für Solaranlagen und Speicher. Der Erfolg im Weltmarkt basiert auf einem starken Heimatmarkt und einem stabilen Zubau von erneuerbaren Energien. Durch die EEG-induzierte Nachfrage nach Photovoltaik-Anlagen kam es zu einer massiven Kostendegression, die Photovoltaik heute gerade in den Bereichen mit hoher Sonneneinstrahlung absolut konkurrenzfähig zu fossilen Energien oder gar atomarer Stromversorgung gemacht hat.

Ein besonderes Merkmal der Energiewende ist die starke Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern an der Finanzierung und Installation von Wind- und Solaranlagen: So sind die Hälfte der in den letzten Jahren zugebauten Projekte Bürgerenergieanlagen. Dadurch wurde sichergestellt, dass die Energiewende in Deutschland eine breite gesellschaftliche Akzeptanz erfährt. Während alle Akteure im Markt sich auf den Ausbau erneuerbarer Energien konzentrieren, will die Bundesregierung nun über eine Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes nicht nur einen Systemwechsel hin zu Ausschreibungen durchsetzen, sondern gleichzeitig auch die Ausbaugeschwindigkeit verringern. Diese Vorschläge würden die Beteiligung kleinerer Investoren am Ausbau erneuerbarer Energien unnötig behindern. Die breite gesellschaftliche Unterstützung für eines der größten Reformprojekte unserer Zeit wird so aufs Spiel gesetzt.

Drei Gründe sollten ausreichen, um die erfolgreiche Energiewende fortzusetzen. Zum einen geht es um Wertschöpfung und den daraus resultierenden volkswirtschaftlichen Wohlstand, den die dezentrale Energieerzeugung aus erneuerbaren Energien mit sich bringt. Städte und Kommunen verbuchen über Pachten und Steuern zusätzliche Einnahmen in Millionenhöhe. Mit gut einem Drittel erneuerbarer Energien im Strommarkt werden schon jetzt Energieimporte in Milliardenhöhe vermieden. Dies senkt u.a. die Abhängigkeit von Lieferanten aus Krisenregionen. Hinzu kommt, dass mit dem begonnenen Ausstieg aus der Atomkraft und der Kohleverstromung die Risiken geringer werden und Naturzerstörungen deutlich begrenzt werden.

Zum Zweiten geht es auch um Industriepolitik. Der Maschinenbau hat mit der Energiewende neue Sektoren erschlossen, zusätzlich entstehen Arbeitsplätze im innovationsgetriebenen Mittelstand und immer mehr werden Systemlösungen für die gesamte Energiewirtschaft in wachsenden Weltmärkten positioniert. Im Falle der Windkraft an Land werden zwei von drei in Deutschland hergestellte Anlagen ins Ausland exportiert.

Drittens geht es um den Klimaschutz. Mit der Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes sollen regenerative Energien bis 2025 auf maximal 45 Prozent gedeckelt werden. Das Erreichen der Klimaschutzziele wäre so nicht mehr möglich. Schon jetzt kann es kaum noch gelingen, in diesem Jahrhundert das Klimaziel einer maximalen Erderwärmung von zwei Grad Celsius zu erreichen, geschweige denn das viel ehrgeizigere Ziel von maximal 1,5 Grad, wie es sich die Weltgemeinschaft Ende 2015 bei der Klimakonferenz in Paris vornahm. Wer angesichts dessen den Ausbau der erneuerbaren Energien ausbremst statt ihn zu beschleunigen, schadet den in Paris vereinbarten Zielen.

Die Zukunft der Energiewende und damit des Klimaschutzes steht und fällt nicht nur in Deutschland mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien. In diesem Bereich wird Wertschöpfung vor Ort verwirklicht, werden neue Technologien entwickelt und wird der Klimaschutz praktisch umgesetzt. Der geplante Wechsel hin zu Ausschreibungen bedeutet, dass ein erfolgreiches Fördermodell durch ein risikoreiches Verfahren ersetzt wird. Wenn zugleich noch die Ausbauziele gesenkt werden, gefährdet dies eines der größten Reformprojekte unserer Zeit. Wir wünschen uns, dass die Bundesregierung mutig und entschlossen der Energiewende neuen Schub gibt. Anstatt die erneuerbaren Energien auszubremsen brauchen wir jetzt aktives Handeln, um den erfolgreichen Weg fortzusetzen. Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen, deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Kommunen und Länder sind dazu bereit. Die Bundesregierung muss entsprechend handeln.

Hermann Albers als Präsident des Bundesverbandes WindEnergie (BWE) und der Vorsitzende des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Hubert Weiger plädieren für einen weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien zugunsten von Klimaschutz und volkswirtschaftlichem Wohlstand.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen