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Finanzmärkte Der Crash kommt – in diesem Jahr?

Die Finanzmärkte entwickeln sich gut. Allerdings verdeckt dies viele Risiken, die die fragile globale Ökonomie erheblich bedrohen. Der Gastbeitrag.

Banken
In Europa müssen die Bankenunion und Kapitalmarktunion vollbracht werden, um langfristig mehr Wohlstand und Chancen zu ermöglichen. Foto: Imago

Politisch liefen die letzten Jahre nicht gerade rund – man denke an die Wahl von Trump, die Brexit-Entscheidung, rechtspopulistische Tendenzen in vielen Ländern und Unruhen sowie Instabilität in anderen. Die Wirtschaft dagegen entwickelte sich fast überall überraschend gut. Aber könnte es sein, dass sich das dieses Jahr umkehrt?

Einiges spricht dafür, dass die Finanzmärkte im Jahr 2018 eine Korrektur erfahren, die ernste wirtschaftliche Verwerfungen mit sich bringen können. Die wirtschaftliche Euphorie hat viele Akteure der Politik und auf den Finanzmärkten träge und blind vor den wachsenden Risiken gemacht.

Die vergangenen Jahre haben einen beeindruckenden und besorgniserregenden Boom in den Finanzmärkten hervorgebracht. Der globale Aktienindex ist 2017 bisher um 20 Prozent gestiegen, der US-amerikanische um 17 Prozent und der deutsche DAX um satte 13 Prozent. Die Risikoprämien auf fast alle Vermögenspreise, von riskanten Staatsanleihen bis hin zu Unternehmensanleihen, sind gesunken, und die Investoren, von der Suche nach Rendite getrieben („search for yield“), sind zunehmend bereit, Risiken einzugehen.

Die Aussichten sind nicht rosig

Zwar sind Finanzmärkte vor allem von Zukunftserwartungen getrieben. Aber sind die Aussichten wirklich so rosig, wie es die Märkte suggerieren? Die Antwort ist ein klares Nein. Viele wirtschaftliche Probleme, vor allem in Europa, sind ungelöst und stellen die Politik vor drei zentrale Herausforderungen.

Das erste Risiko fußt im Widerspruch zwischen der euphorischen Entwicklung der Finanzmärkte und der nach wie vor großen wirtschaftlichen Probleme in Teilen der Welt, nicht zuletzt im Euroraum. Die Arbeitslosenquote in den Euroländern, ohne Deutschland, liegt noch bei zehn Prozent, die Wirtschaftsleistung in Italien ist immer noch um drei Prozent geringer als vor zehn Jahren und die Finanzpolitik vieler Regierungen ist nicht ausreichend nachhaltig.

Eine große Schwäche sind die geringen privaten Investitionen, auch in Deutschland, die mit einem enttäuschenden Produktivitätswachstum einhergehen. Langfristig nachhaltiges Wirtschaftswachstum ist unter diesen Bedingungen kaum möglich.

Das zweite Risiko ist die hohe Verwundbarkeit vieler Volkswirtschaften durch eine unvorhergesehene Korrektur an den Finanzmärkten. Vor allem haben die Welt und Europa ein gigantisches Schuldenproblem. Dabei sind nicht nur die hohen Staatsschulden von über 100 Prozent der Wirtschaftsleistung, sondern zunehmend die Schulden der Firmen gefährlich.

Diese sind deutlich gestiegen und die Firmenverschuldung liegt heute durchschnittlich bei über 120 Prozent in den Industrieländern. Hinzu kommen viele faule Kredite und Risiken in den Bilanzen der Banken, die in den vergangenen Jahren immer wieder zu Insolvenzen einzelner Finanzinstitute in Europa geführt haben.

Das dritte Risiko ist, dass europäische Regierungen zwar Reformen auf den Weg gebracht haben, diese aber noch nicht vollendet sind. Dienstleistungen, Arbeitsmärkte und Sozialversicherungssysteme müssen zukunftsfähig gemacht werden – das gilt auch für Deutschland. Auch müssen in Europa die Bankenunion und Kapitalmarktunion vollbracht werden, um langfristig mehr Wohlstand und Chancen zu ermöglichen.

Crash könnte die Realwirtschaft hart treffen

Der wichtigste Faktor für die Euphorie der Finanzmärkte ist die expansive Geldpolitik weltweit. Die Zentralbanken haben dadurch der Politik zwar wertvolle Zeit gekauft, aber dies hat auch viele Investoren dazu verführt, mit den bereitgestellten Liquiditäten die Vermögenspreise in die Höhe zu treiben. Zwar gehören Vermögenspreise nicht zum primären Mandat der Zentralbanken, aber ein Crash an den Finanzmärkten könnte auch die Realwirtschaft hart treffen, vor allem dann, wenn er die Kreditvergabe der Banken an die Unternehmen, und somit ihre Investitionen, spürbar hemmt.

Sämtliche Indikatoren deuten auf eine Blase in vielen Segmenten der Finanzmärkte hin. Die Frage ist weniger, ob eine Korrektur stattfinden wird, sondern vielmehr, wann, wo und wie diese vonstatten gehen wird. Eine Korrektur der Märkte, im schlimmsten Fall ein harter Crash, ist für dieses Jahr nicht unwahrscheinlich.

Als Auslöser kommen mögliche Entwicklungen infrage: ein geopolitischer Konflikt, der Zusammenbruch wichtiger Banken in Europa, eine deutliche Abkehr von der expansiven Geldpolitik oder eine Finanzkrise in einer wichtigen Volkswirtschaft – China scheint hierfür prädestiniert. Die Politik, Banken und Investoren sollten sich vorbereiten, um die Kosten für die noch immer fragile globale Wirtschaft zu minimieren.

Marcel Fratzscher ist Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin).

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