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Energiewende Gemeinsame Aufgaben gemeinsam finanzieren

Die Kosten für die Energiewende müssen neu und gerechter verteilt werden. Nur dann wird sie von allen akzeptiert - ein Gastbeitrag von der Chefin des Energieversorgers Entega.

Solaranlage
Der Umbau unserer Erzeugungs- und Netzlandschaft kann nicht länger allein den Verbrauchern über die Kilowattstundenpreise angelastet werden. Foto: Monika Müller

Wenn die Sonne scheint, freut sich der Hauseigentümer: Die Photovoltaik-Anlage auf seinem Dach produziert viele Kilowattstunden Ökostrom. Alles, was er nicht selbst nutzt, wird vergütet und unter dem Strich sinken somit seine Energiekosten. Mieter haben diese Möglichkeit nicht – im Gegenteil: Sie müssen sich über die EEG-Umlage voll an der Finanzierung der Energiewende beteiligen. Ausnahmen vom EEG gibt es auch für große Industriebetriebe, während viele Gewerbebetriebe und der Handel zahlen müssen.

Klimaschutz ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Von der nächsten Regierungskoalition ist deshalb neu zu klären, wer dabei welche Lasten trägt. Der Umbau unserer gesamten Erzeugungs- und Netzlandschaft – nichts anderes ist Energiewende – kann nicht länger allein den Verbrauchern über die Kilowattstundenpreise angelastet werden, denn diese seit Jahren gängige Praxis führt mehr und mehr zu bedenklichen Verzerrungen.

Es mag eine für manche Hausbesitzer und die deutsche Industrie glückliche Vereinbarung sein, dass sie sich durch verschiedene Ausnahmeregelungen weitgehend aus der gemeinsamen Finanzierung dieser Wende verabschieden können.

Nicht länger hinzunehmen ist, dass die dadurch fehlenden Beiträge einfach auf den Rest der Bürger umverteilt werden. Es geht nicht an, dass eine kinderreiche Familie mehr an dieser Last trägt als der Single-Haushalt in der City, ein kleines Unternehmen mehr als ein großer Konzern, der an der Börse gelistet ist.

Im Jahr 2000 bezahlte ein Haushalt mit einem durchschnittlichen Verbrauch von 3500 Kilowattstunden für Strom rund 40 Euro im Monat. Aktuell ist der Preis auf rund 85 Euro gestiegen. Obwohl die privaten Haushalte nur rund 25 Prozent des in Deutschland produzierten Stroms verbrauchen, bezahlen sie über die Stromrechnung 36 Prozent der EEG-Umlage. Ein ähnliches Ungleichgewicht gibt es bei Handel und Gewerbe.

Die EEG-Umlage beläuft sich jährlich etwa auf 25 Milliarden Euro. Industrie- und Verkehrssektor profitieren von Privilegien und Ausnahmeregelungen – laut einer Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung in einem Umfang von 17 Milliarden Euro. Die Zahlen belegen nicht nur, dass die Finanzierung der Energiewende bislang sozial ungerecht organisiert ist. Infolgedessen hat auch die Akzeptanz der Bevölkerung für den Umstieg in die CO2-freie Energieerzeugung gelitten. Wenn wir die Begeisterung der Deutschen für die Energiewende wiedererlangen möchten, müssen wir sie gerechter finanzieren.

Der Anteil der Steuern, Abgaben und Umlagen am Strompreis ist 2017 erstmals auf 55 Prozent gestiegen. Seit 1998 hat sich zudem dieser Kostenblock verdoppelt. Hinzukommen rund 25 Prozent für Netzentgelte, auch hier ist die Tendenz stark steigend. Um die Dimension deutlich zu machen: Wegen Steuern, Abgaben und Umlagen können Energieversorger die Höhe des Strompreises nur noch zu einem Fünftel selbst beeinflussen – nämlich bei Beschaffung und Vertrieb. Heizöl und Diesel sind dagegen steuerlich subventioniert. Das ist ein Fehlanreiz, der die verstärkte Nutzung von Ökostrom im Wärme- und Verkehrssektor und damit den Klimaschutz massiv behindert.

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