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Elektromobilität Sauber und mobil in die Zukunft

Die Elektromobilität bietet die Chance, die Energiewende mit der Verkehrswende zu verbinden - und so einen doppelten Umwelt- und Wirtschaftsnutzen zu erzielen. Ein Gastbeitrag von Simone Peter.

Ladestation Stromtanke Ladestation für Elektroautos in Münster 10 8 2017
Die Vernetzung von elektromobilen Sharing-Angeboten mit den öffentlichen Verkehrssystemen beschleunige die Einführung von E-Autos, -Bikes und -Rollern, so Simone Peter. Foto: imago

Klimakrise, Ressourcenknappheit, Umwelt- und Gesundheitsschäden stellen die Menschheit vor große Herausforderungen. Die Sicherung der Lebensgrundlagen für heutige und zukünftige Generationen erfordert eine Transformation aller Lebens- und Wirtschaftsbereiche, um den Natur- und Materialverbrauch zu senken. Technische Innovationen in Verbindung mit sozialer Teilhabe sind die Voraussetzung, damit Wirtschaft und Gesellschaft eine breit akzeptierte, nachhaltige Entwicklung nehmen. Im Fokus des umfassenden sozial-ökologischen Wandels stehen die Ablösung fossiler Fortbewegungsmittel und Energiesysteme.

Nur wenn es gelingt, das zentrale Energieversorgungssystem durch ein überwiegend dezentrales Strom- und Wärmesystem auf Basis erneuerbarer Energien zu ersetzen und dieses als Kernelement eines modernen, gerechten Lebensstils auszuweisen, können Wohlstand und gesellschaftlicher Zusammenhalt dauerhaft gesichert werden.

Dies erfordert verstärkte Effizienzmaßnahmen, eine wachsende Strom- und Wärmeproduktion aus erneuerbaren Energien und neue Netze und Speicher. Außerdem müssen neue Anreize geschaffen werden, damit sich die Stromnachfrage dem schwankenden Angebot anpasst. Diese Herausforderungen bieten zugleich riesige Chancen: neue Geschäftsfelder, mehr Teilhabe, dauerhafte Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit und vor allem auch Zukunftsfähigkeit aufgrund verbesserten Klima- und Umweltschutzes.

Auch die erdölbasierten Verkehrssysteme benötigen zukunftsfähige Strukturen. Sie tragen am stärksten zum Treibhausgasausstoß bei und verursachen zudem massive Umwelt- und Gesundheitsschäden. Gerade vor dem Hintergrund des Dieselskandals sind neue Lösungsansätze gefordert.

Im Mittelpunkt des Erneuerungsprozesses stehen neben der Effizienzsteigerung der Verkehrsträger vor allem neue Mobilitätskonzepte, um Mobilitätsbedarfe mit den vielfältigen Formen der umwelt- und ressourcenschonenden Mobilität in Einklang zu bringen. Vernetzte Verkehrslandschaften sollen den privaten Verkehr öffentlicher und den öffentlichen Verkehr privater machen. Zudem werden verschiedene Verkehrsangebote, die vom öffentlichen Verkehr bis zum Bike- und Carsharing in einer Mobilitätsdienstleistung integriert sind, mit dem dezentralen und erneuerbaren Energie- und Speichersystem verbunden.

Gerade die E-Mobilität bietet die riesige Chance, die Energiewende mit der Verkehrswende zu verbinden und einen doppelten Umwelt- und Wirtschaftsnutzen zu erzielen. Die Vernetzung von elektromobilen Sharing-Angeboten mit den öffentlichen Verkehrssystemen beschleunigt die Einführung von E-Autos, -Bikes und -Rollern. Sie sind schneller als im reinen Privatbesitz einer breiten Nutzerschaft zugänglich und können zudem bezahlbar im Dauerbetrieb getestet werden.

Kernelement des Konzeptes ist, dass ein zentrales Fuhrparkmanagement eine wachsende Zahl von Elektrofahrzeugen im Rahmen eines mietbaren Fahrzeugpools allen interessierten Personen, Firmen und Behörden zur Verfügung stellt. Die Fahrzeuge sind mit einer „Sharing-technik“ ausgestattet, werden also mittels eines einheitlichen und datensicheren Zugangsmediums per Karte oder App geöffnet, gebucht und abgerechnet. Dieses berechtigt auch zur Nutzung des gesamten öffentlichen Verkehrs sowie regionaler Elektrofahrrad- und -Roller-Flotten.

Das Konzept ist eingebettet in den grünen Mobil-Pass, der alle öffentlichen Verkehrsverbünde optimal und kostengünstiger als bisher miteinander verknüpft. Der Fuhrpark kann auch grenzüberschreitend, etwa in Frankreich, genutzt werden, denn das System funktioniert beiderseits der nationalen Grenzen.

Alle Fahrzeuge sind mit einer technischen Zugangskomponente ausgestattet, die die Fahrzeuge „gridfähig“ macht. Das heißt, sobald sich die Fahrzeuge am Stromnetz anmelden, wird ihre Speicherverfügbarkeit registriert. Diese doppelte Integration bildet die Grundlage für neue Geschäftsmodelle. Denn auch wenn Fahrzeuge stehen und damit verlässliche Speicherkapazitäten für den Verteilnetzbetreiber bieten, erzielen sie eine „Gridrendite“.

Die Chancen der intelligenten Verknüpfung elektromobiler Flotten als Teil des öffentlichen Verkehrs und regenerativer Energie zur Steigerung der Effizienz wurden bereits erprobt, etwa im Rahmen der Förderprojekte „e-Mobil Saar“ oder in Ballungsgebieten. Es besteht nun die Herausforderung, diese „Labore der Zukunft“ in flächendeckende Anwendung zu bringen. Ein Bundesverkehrsminister muss das als Chance für den Mobilitäts-, Energie- und IT-Standort begreifen und neue Wege gehen, statt alte zu schützen.

Simone Peter ist Grünen-Bundesvorsitzende.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Mobilität

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