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E-Autos Sauber-Auto oder Klimaschädling?

Elektroautos sind die Zukunft. Doch solange der Ausbau der Erneuerbaren nicht vorangeht, wird der CO2-Ausstoß dennoch steigen.

Beim Klimaschutz im Verkehr setzt die Bundesregierung vor allem auf Elektromobilität und lässt Maßnahmen wie Tempolimit, Fahrverbote oder eine CO2-Steuer außer Acht. Zwar ist E-Mobilität die Mobilität der Zukunft, sie wird aber im nächsten Jahrzehnt noch keine Klimaentlastung bringen.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) räumte kürzlich im Namen der Bundesregierung ein, dass Deutschland nicht mehr Vorreiter beim Klimaschutz ist. Deutschland werde auch die im europäischen Rahmen vereinbarten Klimaziele für 2020 nicht erreichen und sich deshalb freikaufen müssen, indem CO2-Zertifikate bei anderen EU-Ländern erworben werden. 

Aber es kommt noch dicker: Bis 2030 sollen die deutschen CO2-Emissionen gegenüber 1990 um 55 Prozent sinken. Die Ministerin weist den Weg: „Die Zukunft liegt in der Elektromobilität“, meinte die Ministerin gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“. Also soll Deutschland keine CO2-Schleudern mehr bauen, sondern E-Fahrzeuge und Hybridautos. Andere Ideen wie Tempolimit, Fahrverbote, eine CO2-Steuer oder sonstige Maßnahmen, die eine wirkliche Verkehrswende herbeiführen würden, werden nicht in Betracht gezogen – auch weil der Verkehrsminister hierfür nicht zu gewinnen ist.

Dumm nur, dass die E-Mobilitätsstrategie der Ministerin zwar auf dem Papier die Fahrzeugemissionen sinken lässt, der CO2-Ausstoß in Wirklichkeit aber tendenziell steigt. Das Saubermann-Image des elektrisch angetriebenen Autoverkehrs hat sich inzwischen sehr stark in den Köpfen festgesetzt: Elektrofahrzeuge gelten rechtlich als Null-Emissions-Fahrzeuge.

Kaum noch jemand stellt dabei die Frage, wo der Strom für das Elektroauto herkommt. Dabei liegt es auf der Hand: Jede zusätzliche Kilowattstunde, die in Deutschland gebraucht wird, wird von einem Kohle- oder Gaskraftwerk erzeugt. Das bedeutet zusätzliche Emissionen zwischen 800 und 1000 Gramm CO2 pro Kilowattstunde. Warum darf man bei diesen Emissionsberechnungen nicht den bundesdeutschen Strommix zugrunde legen, der das Klima mit rund 500 Gramm CO2 pro Kilowattstunde belastet? Die Antwort: Photovoltaik- und Windkraftanlagen sowie Atomkraftwerke produzieren, wenn sie können, immer Strom und sind betriebsbereit, da ihre variablen Kosten sehr gering oder nahezu null sind. Wegen eines zusätzlichen E-Fahrzeugs werden sie nicht mehr Strom produzieren (können). Also muss der zusätzliche Strom aus einem Kraftwerk kommen, das bislang nicht ausgelastet war. Dafür kommen nur fossile Kraftwerke infrage.

Denkbar wäre auch, dass weniger Strom exportiert wird – doch dann würde im Ausland ein fossiles Kraftwerk hochgefahren. Dort gilt das gleiche betriebswirtschaftliche Prinzip für die Stromerzeugung, das in der Energiewirtschaft als Merit Order bekannt ist. Zum Einsatz kommt zuerst der Strom, der eigentlich im Zuge der Energiewende ersetzt werden soll: Kohlestrom.

So führt am Ende die zusätzliche Stromnachfrage für das Laden der E-Fahrzeuge zu einer zusätzlichen Stromerzeugung in fossilen Kraftwerken. Unterstellt man für Braun- und Steinkohle jeweils einen Anteil von 40 Prozent und für Erdgaskraftwerke einen Anteil von 20 Prozent an der zusätzlichen Erzeugung, so ergeben sich laut Umweltbundesamt Mehremissionen von rund 880 Gramm CO2 pro Kilowattstunde. Diese Situation wird auch dann noch vorherrschen, wenn in zehn oder 20 Jahren über die Hälfte der Stromerzeugung regenerativ stattfindet. Ganz zu schweigen von der Herstellung der E-Fahrzeuge. Vor allem wegen der Herstellung der Batterien fallen insgesamt wesentlich mehr CO2-Emissionen an als bei der Produktion konventioneller Fahrzeuge.

Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Elektromobilität ist die Mobilität der Zukunft – und sie muss heute angepackt werden, da die Entwicklung der Fahrzeuge und der Aufbau der Produktion Zeit benötigen. Es ist auch unbestritten, dass die E-Fahrzeuge am Ort ihres Einsatzes kaum Schadstoffe verursachen und vor allem für Entlastung bei den Stickoxidemissionen in den Städten sorgen.

Wer aber meint, dass durch die heutigen E-Pkw in den nächsten 15 Jahren CO2-Minderungen erzielt werden können, ist auf dem Holzweg. Denn E-Fahrzeuge sind nur dann klimawirksam, wenn der Strom ganz überwiegend erneuerbar ist. Solange aber der Ausbau der erneuerbaren Energien weiterhin so schleppend vor sich geht und die Bundesregierung ihn per Gesetz bremst, bedeutet jedes zusätzliche E-Mobil eine zusätzliche CO2-Belastung. Eine Verkehrswende und Klimaschutz müssen weit über Elektromobilität hinausgehen.

Dieter Seifried ist Geschäftsführer von Ö-quadrat, einem Beratungsbüro für ökologische und ökonomische Konzepte.

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