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Deutsche Islam Konferenz (DIK) Die Islam-Konferenz benötigt ein Ziel

Die Bundesregierung sollte mit Muslima und Muslimen eine Vision für unsere multireligiöse Einwanderungsgesellschaft entwickeln. Ein Gastbeitrag.

Jahresrückblick 2018
Innenminister Horst Seehofer: Ist ein Dialog überhaupt erwünscht? Foto: dpa

Nach zwölf Jahren Deutscher Islam Konferenz (DIK) wird es endlich Zeit für einen selbstkritischen Neustart. Denn nach wie vor fehlen ein klarer Kompass und ein ehrlicher Umgang mit den muslimischen Dachverbänden.

Die Aussichten für einen Neuanfang der Islam-Konfernez waren allerdings schon von Beginn an durch das Auftreten des Gastgebers und Bundesinnenminister Horst Seehofer von der CSU getrübt. Berechtigterweise fragten sich so manche Teilnehmende, ob ein echter Dialog überhaupt erwünscht ist, wenn Gastgeber Horst Seehofer gleich zu Beginn seiner Amtszeit mit plumper Wortwahl ihrer Religion die Daseinsberechtigung in Deutschland entzieht.

Mittlerweile ist der Bundesinnenminister Seehofer zurückgerudert und sieht sich als versöhnlicher „Brückenbauer“ – allerdings nur für einen „deutschen Islam“. Ein solches Verständnis wird dem Anspruch der Islam-Konferenz aber nicht gerecht, ein Dialogforum ist nicht der Ort darüber zu entscheiden, welcher Islam auf die Gunst des Staates hoffen darf.

Trotz der vorab angekündigten organisatorischen Umstrukturierungen hat die Islam-Konferenz erneut die Chance verpasst, die Frage nach der Anerkennung der islamischen Religionsgemeinschaften im Sinne des Grundgesetzes nach oben auf die Tagesordnung zu setzen.

Alles, was heute als große Erkenntnisse vorgetragen wird, hat die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Grünen bereits 2012 – als erste Partei überhaupt – in einem Positionspapier vorgedacht und ein umfassendes Konzept zur rechtlichen Gleichstellung des Islams in der Bundesrepublik vorgelegt.

Wir haben damals wie heute erklärt, dass die Gleichbehandlung aller Religionen für uns kein Geschenk, sondern Auftrag unseres Grundgesetzes ist. Hier besteht aber weiterhin umfassender Gesprächs- und Handlungsbedarf – sowohl auf Seiten der Bundesregierung, der muslimischen Verbände, als auch von Seiten der Verbände der unabhängigen Muslima und Muslime. Nur wenn alle im Boot sind kann auch eine nachhaltige Lösung gefunden werden.

Wird die zentrale Frage nach der Anerkennung der islamischen Religionsgemeinschaft(en) nicht beantwortet, kommt man auch bei nachgelagerten Fragen nur zu kurzfristigen Übergangslösungen und Kompromissen. Das gilt insbesondere für die Ausbildung von Imamen und islamischen Religionsbediensteten.

Es war überfällig, dass über die Möglichkeiten einer qualitativ hochwertigen theologisch-akademischen Ausbildung von Imamen und islamischen Religionsbediensteten diskutiert wird. Jetzt braucht es aber auch zügig Konzepte – ohne das Neutralitätsgebot des Staates zu verletzen. Dazu haben wir einen Antrag im Deutschen Bundestag eingereicht.

Denn wer möchte, dass Imame nicht nur die Sprache, sondern auch die Probleme und kulturellen Codes der Menschen muslimischen Glaubens in Deutschland kennen, muss endlich ernsthaft verbindliche Konzepte für Ausbildungs- und Qualifizierungsstandards von Imamen im Anschluss an ein theologisches Universitätsstudium entwickeln. Imame erfüllen elementare Funktionen für die religiöse Sozialisation der Muslima und Muslime. Sie übernehmen religiöse, aber auch seelsorgerische und pädagogische Aufgaben.

Die Forderungen des Innenministers, die Verbände mögen sich doch endlich der Einflussnahme aus dem Ausland entziehen und ihre Imame sowohl selbst ausbilden als auch finanzieren, greift an dieser Stelle zu kurz. Denn Fakt ist, dass die muslimischen Gemeinden Absolventen der Studiengänge für islamische Theologie oft nicht angemessen bezahlen können.

Wie und ob die Bundesregierung die muslimischen Gemeinden beim Aufbau einheitlicher Ausbildungs- und Qualifizierungsstandards für Imame oder bei der Finanzierung ihres religiösen Personals unterstützen kann, bleibt aber auch nach der Auftaktkonferenz der DIK offen. Noch strahlt der Stern der Unverbindlichkeit über der Islam-Konferenz.

Wenn man sich traut, die richtigen Themen anzugehen und kohärente Lösungsmodelle zu entwickeln. Wenn man sich traut, eine gesellschaftspolitische Vision für das Zusammenleben in unserer pluralistische und multireligiöse Gesellschaft zu entwickeln. Und wenn man sich endlich traut, verbindliche Zusagen für die Unterstützung der muslimischen Gemeinden in Deutschland zu treffen. Dann lässt sich auch gemeinsam eine Vision für unsere pluralistische und multireligiöse Einwanderungsgesellschaft im Sinne unseres Grundgesetzes gestalten.

Filiz Polat ist Grünen-Bundestagsabgeornete und Sprecherin für Migrationspolitik sowie Ansprechpartnerin für die Belange des Islams der Fraktion.

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