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Bildungsnotstand Die drängendste Krise unserer Zeit

Mehr als die Hälfte aller Kinder und Jugendlichen auf der Welt werden im Jahr 2030 nicht mal über die grundlegenden Fähigkeiten verfügen , um in der modernen Arbeitswelt zu bestehen. Was Deutschland tun kann, um das zu verhindern - ein Gastbeitrag.

Schule
In die Schule gehen: Was für Kinder in Deutschland eine Selbstverständlichkeit ist, bleibt 260 Millionen Mädchen und Jungs überall auf der Welt verwehrt. Daraus könnten 825 Millionen werden, wenn nichts passiert. Foto: dpa

Seit Jahrzehnten steht Deutschland bei der Verbesserung der Gesundheit und der Armutsbekämpfung in Afrika, Asien und anderen Ländern an der Spitze. Dank der Finanzierungsexpertise hat Deutschland den Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria sowie die Impfallianz Gavi mitgestaltet. Beide haben Milliarden von Dollar in die Gesundheitsversorgung fließen lassen und Millionen von Menschenleben gerettet.

Gesunde Körper brauchen gesunde Köpfe, damit ergänzende Bildungsinvestitionen in vollem Umfang von Gesundheitsinvestitionen profitieren und die Gesundheit unserer Kinder geschützt werden kann. Es gibt viele Vorteile. Bildung wirkt sich positiv aus auf öffentliche Gesundheit, das Wirtschaftswachstum. Außerdem hilft Bildung, Ungleichheit zu reduzieren, stärkt innere Sicherheit und erleichtert den Kampf gegen Klimawandel. Vorteilhaft ist Bildung noch für Migration.

Ein Bericht der Weltbank legt nahe, dass die universelle Bildung von Mädchen und das dadurch geschaffene Sozialkapital der Welt bis zu 30 Billionen US-Dollar (etwa 26 Billionen Euro) an verlorenem Vermögen einsparen könnten. Eine Investition in die Bildung – vor allem für Mädchen – ist eine Investition in eine bessere und stabilere Zukunft.

Jetzt ist es an der Zeit für Deutschland, sein Finanzwissen und seine Erfahrung in den Bereichen wie Berufsausbildung anzuwenden, um die drängendste Krise unserer Zeit zu bewältigen: die globale Lernkrise. Mehr als 260 Millionen Kinder und Jugendliche gehen nicht zur Schule. Millionen mehr werden wegen der schlechten Qualität ihrer Ausbildung die Schule vorzeitig verlassen.

Das Problem ist so gravierend, dass bei anhaltenden gegenwärtigen Trends bis 2030 mehr als die Hälfte der Kinder und Jugendlichen auf der Welt (825 Millionen) nicht über die grundlegenden Fähigkeiten verfügen werden, die bei modernen Arbeitskräften erforderlich sind.

Die Länder müssen die Hauptverantwortung für die Finanzierung und Reform ihrer Bildungssysteme übernehmen. Doch viele Orte, an denen starke Anstrengungen unternommen werden, insbesondere in Ländern mit niedrigem bis mittlerem Einkommen, verfügen nicht über ausreichende Ressourcen und benötigen Hilfe, um ihren Bildungsfortschritt zu finanzieren. Die internationale Gemeinschaft, einschließlich Deutschland, sollte stärker als bislang dabei helfen, Probleme nachhaltig zu lösen.

Doch selbst die optimistischsten Prognosen einer Ausweitung der Zuschusshilfe schließen nicht die dramatische Finanzierungslücke zwischen den Bedürfnissen der Entwicklungsländer und ihren inländischen Ressourcen. Wir benötigen eine bahnbrechende Lösung, um Ländern, die sich für Reformen und Investitionen in ihre Zukunft einsetzen, neue Mittelströme zu einem vertretbaren Finanzierungsniveau zur Verfügung zu stellen.

Seit Jahren arbeite ich mit Menschen aus den Regierungen, der Zivilgesellschaft und der Privatwirtschaft zusammen, um eine Lösung zu finden. Wir beabsichtigen, die Internationale Finanzierungsfazilität für Bildung zu gründen. Die Fazilität könnte 200 Millionen zusätzliche Kinder in die Schule schicken und dazu beitragen, Kindermigration, -handel, -ehe und -arbeit zu beenden, da kostenlose universelle Bildung in den Entwicklungsländern unterstützt wird.

Die Fazilität wird die größte Bildungsinvestition der Geschichte sein. Der Generalsekretär der Vereinten Nationen hat die Fazilität im letzten Jahr Deutschland und anderen Geberländern beim G20-Treffen in Hamburg vorgestellt. Dort wurde sie im Kommuniqué zur Kenntnis genommen.

Die Fazilität multipliziert die Geldmittel der Geber. Durch die Kombination von Bürgschaften und Zuschüssen könnte sie ab 2020 zusätzliche 8,5 Milliarden Euro jährlich generieren, um weltweit eine hochwertige Bildung zu ermöglichen. Länder, die sich für inländische Investitionen und Reformen engagieren, würden davon profitieren, insbesondere Länder mit niedrigem bis mittlerem Einkommen. Diese Länder, in denen die Hälfte der Schulkinder der Welt lebt, benötigen Unterstützung, um ihre Bildungsbemühungen fortzusetzen, bevor sie die volle finanzielle Verantwortung für ihre Bildungssysteme übernehmen können.

Um anzufangen, benötigt die Einrichtung ausreichende Gebergarantien (rund 1,7 Milliarden Euro). 2017 stellte Deutschland für die Entwicklungshilfe 21 Milliarden Euro bereit, mehr als jeder andere Geber nach den USA. Jetzt können Deutschland und andere Geber den Weg weisen und die internationale Finanzierungsfazilität für die Bildung verwirklichen.

Ngozi Okonjo-Iweala arbeitet für die Organisation International Commission on Financing Global Education Opportunity. Zuvor war sie nigerianische Finanzministerin und Hauptgeschäftsführerin der Weltbank.

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