Lade Inhalte...

Afrika Simbabwe braucht den Wiederaufbau

Das afrikanische Land ist eine Nation, die geheilt werden muss - und zwar in jeder Hinsicht: ökonomisch, sozial, politisch. Der Gastbeitrag.

Diplomatie
Bundeskanzlerin Merkel empfängt Ruth Masodzi Chikwira, Botschafterin aus Simbabwe. Foto: dpa

Die Menschen in Simbabwe jubelten auf den Straßen, als das Militär Robert Mugabe im November absetzte. Niemand hatte damit gerechnet. Aber fast alle hatten seine Tyrannei satt. Wir wollen faire Wahlen, damit endlich der Wiederaufbau beginnen kann. 

Unsere Wirtschaft ist ein Scherbenhaufen. Acht von zehn Menschen sind arbeitslos und Simbabwe hat nicht einmal eine eigene Währung. Die Infrastruktur ist in einem schlimmen Zustand, die Straßen sind voller Schlaglöcher. Viele Simbabwer sind traumatisiert von den Menschenrechtsverletzungen, die sie in der Vergangenheit erleben mussten. Simbabwe ist eine Nation, die geheilt werden muss und zwar in jeder Hinsicht: ökonomisch, sozial, politisch.

Wir sind vorsichtig optimistisch, denn bereits jetzt hat sich einiges verändert: Die Menschen fangen an, ihre Meinung zu sagen, es gibt Raum für politische Diskussionen. Die Polizei, die immer ein Repressionsapparat war, toleriert nun andere Ansichten. Die meisten Anhänger Mugabes sind nicht mehr an der Macht. Der neue Präsident Emmerson Mnangagwa hat andere Leute mit neuen Ideen eingesetzt.

Internationale Wahlbeobachter sind zugelassen

Sicher ist er mit Vorsicht zu genießen: Lange Zeit hat Mnangagwa mit Mugabe zusammengearbeitet, und er war in politische Gewalt involviert. Aber er versucht offenbar, sich zu ändern und setzt sich in seinen Aussagen von seinem Vorgänger ab. Seine Regierung unterstützt nun Meinungsfreiheit und den demokratischen Wandel.

Bei den Wahlen am 30. Juli wollen mehr als 120 Parteien antreten. Die größte Oppositionspartei MDC (Movement for Democratic Change) hat sich in mehrere kleine Splittergruppen gespalten. Auch die Regierungspartei Zanu-PF hat Spaltungen erlebt. Die Folge: Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit wird keine Partei die absolute Mehrheit erreichen. Ich gehe davon aus, dass die nächste Regierung eine Regierung der nationalen Einheit wird. Es werden Kompromisse gemacht werden müssen.

Großen Einfluss auf den Ausgang der Wahlen haben die jungen Wähler. Während jedoch die städtische Jugend weiß, was sie will, und die Opposition unterstützt, macht sich die Jugend auf dem Land nicht bemerkbar. Viele haben keine Arbeit, sind leichtgläubig und lassen sich mit Bier oder T-Shirts schnell überzeugen.

Die Zivilgesellschaft ist derzeit zu still. Sie hat den gemeinsamen Feind Mugabe verloren, muss sich nun neu aufstellen und ihre Anliegen definieren. Dabei gibt es viel zu tun. Sie müsste sich beispielsweise mit den Oppositionsparteien für Wahlrechtsreformen einsetzen oder Registrierungs- und Informationskampagnen durchführen, damit möglichst viele Leute wählen gehen und ihre Rechte kennen. Aber das passiert kaum.

Industrie wieder in Gang bringen

Wir alle haben jedoch die Hoffnung, dass endlich unsere immensen Probleme angegangen werden. Vor allem die Arbeitslosigkeit: Wir müssen die Industrie wieder in Gang bringen, um Arbeitsplätze zu schaffen. Wir müssen die extremen Einkommensunterschiede zwischen Arm und Reich verringern. Es muss Chancengleichheit geben – für Arm und Reich, für Mann und Frau. In Simbabwe leben viele Menschen von weniger als einem US-Dollar am Tag, eines von fünf Kindern arbeitet, anstatt zur Schule zu gehen.

Damit wir unsere Wirtschaft aufbauen und Arbeitsplätze schaffen können, brauchen wir ausländische Direktinvestitionen. Wir brauchen Anleihen vom Internationalen Währungsfonds (IWF) und von der Weltbank. Simbabwe muss endlich aufhören, ein Paria-Staat zu sein.

Die internationale Gemeinschaft hat eine wichtige Rolle, auch jetzt bei den Wahlen. Internationale Wahlbeobachter sind zugelassen und die EU wird kommen, auch Vertreter der afrikanischen Staatenbündnisse AU und SADC und anderer Institutionen, die freie und faire Wahlen sehen wollen.

Wir sind auf einem guten Weg, aber vieles muss noch besser werden: Die Oppositionsparteien fordern Reformen des Wahlrechts, beispielsweise gleichen Zugang zu den Medien, besonders zum Fernsehen. Hier ist die Regierungspartei immer noch klar im Vorteil.

Derzeit kümmern sich Gerichte um diese Anliegen, die Wahlkommission verspricht ebenfalls ein verantwortungsvolles Vorgehen. Wir müssen abwarten, wie sie Veränderungen umsetzen. Aber wir sind optimistisch, dass es am 30. Juli einigermaßen fair zugehen wird. Eigentlich waren wir noch nie optimistischer: Nach den Wahlen können wir auf eine stabile Regierung hoffen, die endlich die sozialen und ökonomischen Probleme unseres Landes angeht.

Pascal Masocha ist Direktor der Coalition against Child Labour, einer simbabwischen Organisation, die sich für arbeitende Kinder einsetzt und eng mit dem deutschen Kinderhilfswerk Terre des Hommes zusammenarbeitet.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen