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Extrem unwahrscheinlich

Zu: "RWE fährt Biblis nicht hoch", FR-Politik vom 16. Juli

22.07.2009 00:07

Dass die Stromerzeugung auf Basis Kernenergie aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet werden kann, ist unstrittig. Umso wichtiger ist es, sachlich und faktentreu zu bleiben. Sie schreiben über "neu aufgetauchte gravierende Sicherheitsprobleme" und dass sich "ablösendes und herum vagabundierendes Isoliermaterial am Reaktorboden ablagern und die Kühlwasserpumpen verstopfen" könnte. Weiter heißt es: "Im - nicht seltenen - Fall eines Kühlmittelverlustes könnten dann Sumpfsiebe für die Pumpen für die Notkühlung dicht sein. Der Kühlprozess könnte außer Kontrolle geraten." Ein Kühlmittelverlust in einem Kernkraftwerk ist ein höchst unwahrscheinliches Szenario. Gerade darum geht es aber bei den in Rede stehenden Nachrüstmaßnahmen und nicht um den Normalbetrieb, bei dem Sumpfsiebe gar nicht benötigt werden.

Ein "Kühlmittelverlust-Störfall" hat es in den heute in Deutschland betriebenen Anlagen noch nie gegeben. Ein "nicht seltener Fall"? Werkstoffwissenschaftler einschließlich der Gutachter der Aufsichtsbehörden und des Bundesumweltministeriums bestätigen, dass die Bildung großer Lecks in unseren Kühlmittelleitungen extrem unwahrscheinlich ist. Das liegt an den hohen Anforderungen, die wir an die eingesetzten Werkstoffe stellen und an den umfangreichen Prüfungen, mit denen wir uns vom Zustand unserer Rohrleitungen überzeugen. Unternehmen wie RWE Power treiben Forschung und Entwicklung im Bereich der Kerntechnik ständig voran und setzen umfangreiche technische Verbesserungen um. Dies geschieht auch, um die ohnehin geringe Eintrittswahrscheinlichkeit für einen Kühlmittelverlust-Störfall weiter zu senken. Sicherheit hat für uns oberste Priorität. Lothar Lambertz, RWE, Essen

Sehr geehrter Herr Lambertz,

auch die oberste Reaktoraufsichtsbehörde, das Bundesumweltministerium, sieht im möglichen Verstopfen der Sumpfsiebe für die Notkühlung ein gravierendes Problem und hatte genau deshalb die Atomaufsichten der Länder eigens zum Gespräch geladen.

Sie schreiben, ein Kühlmittelverlust sei ein "höchst unwahrscheinliches Szenario". Nur: Darf die Risikotechnologie Atomkraft mit Wahrscheinlichkeitsrechnungen operieren? Wenn schon ein einziges Szenario das berühmte eine Mal zu viel sein könnte? 1979 führte ein Kühlmittelverlust im US-Meiler Harrisburg zur Teilkernschmelze.1987 schossen in Biblis A über hundert Liter Kühlwasser durch ein Leck aus dem Primärkreislauf. 1992 führte ein defektes Ventil im schwedischen Barsebäck zum Kühlwasserschwund. Die Notkühlpumpen zur Abwendung einer Kernschmelze begannen zu stottern. 2003 gab es ein Dampfleck in Neckarwestheim. 2008 sorgte im slowenischen Krsko ein Leck im Primärkreislauf für plötzlichen Kühlwasserverlust. Immer konnte der Verlust noch rechtzeitig gestoppt werden. Zum Glück! Vera Gaserow, FR-Redaktion

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