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Einspruch zur Beschneidung Rituale, Grundrechte und Selbstbestimmung

Dass unser Autor Christian Bommarius in der Beschneidungsdebatte eine andere Position vertritt wie das Landgericht Köln, befremdet unsere Leserin Stefanie Krebs-Pahlke. Sie sei betroffen, „mit Nazis in einen Topf geworfen" zu werden.

04.10.2012 15:11
Beschneidung eines zweijährigen Jungen in einer Berliner Privatklinik. Foto: dpa

Meinung: „Aus der Sickergrube“ von Christian Bommarius (1. Oktober):

Sehr geehrter Herr Bommarius, ich schätze Ihre juristischen Einlassungen, Ihr Eintreten für das Grundgesetz und die Verfassung sehr. Deshalb bin ich befremdet, dass Sie seit einiger Zeit Personen und Gruppen, die in der Beschneidung von sehr jungen Knaben so wie das Landgericht Köln eine Körperverletzung sehen, zu Antisemiten erklären und sie damit den alten und neuen Nazis gleichstellen. Ich fühle mich betroffen, wenn ich mit Nazis in einen Topf geworfen werde und möchte Ihnen deshalb in aller gebotenen Kürze darstellen, weshalb ich die Ansicht des Landgerichts Köln teile:

Am Grundgesetz schätze ich besonders, dass es keine Ausnahmen macht, für wen die Grundrechte gelten. Das unterscheidet es gerade von Gesetzen in der Nazi-Diktatur. Insofern müssen Abwägungen von Rechtsgütern für alle gelten, aber es darf auch keine Sonderrechte für bestimmte Personengruppen Religionsgemeinschaften geben. Das Recht auf körperliche Unversehrtheit ist ein hohes Gut und darf nicht von der Religionsfreiheit eingeschränkt werden. Dies gilt für alle Religionen und damit verbundene Riten gleichermaßen. M. E. ist dies genau der Grund für die Festlegung einer Altersgrenze für die Religionsmündigkeit. Ein jüdischer oder moslemischer Junge, der religionsmündig ist und sich dann für die Beschneidung entscheidet, bewegt sich genau in diesem rechtlichen Rahmen. Ein Säugling oder Kleinkind kann das nicht und ich halte es für zu weitgehend, diese Entscheidung den Eltern zu überlassen.

Ich stimme mit Ihnen überein, dass es zu verurteilen ist, wenn die Beschneidungsdebatte genutzt wird, um Vorurteile zu schüren oder Angehörige der jüdischen Religion als blutrünstig und unverantwortlich ihren Kindern gegenüber darzustellen. Aber gerade aus diesem Grund enttäuscht es mich, dass Sie einer sachlichen Debatte ausweichen und nur diesen Aspekt darstellen. Ich würde mir wünschen, dass es eine Debatte dazu gibt, wie religiöse Rituale mit den Grundrechten und der Selbstbestimmung von Menschen in Einklang gebracht werden können.

Es ist mir klar, das dies unter juristischen Gesichtspunkten anders zu betrachten ist als innerhalb einer Religionsgemeinschaft, aber diese Auseinandersetzung muss geführt werden. Wenn sie über die Durchführung und die medizinischen Folgen eines Rituals wie der Beschneidung aber einseitig als eine schwere Beeinträchtigung jüdischen Lebens dargestellt und damit der Beleidigung von jüdischen Menschen oder dem Angriff auf sie gleichgestellt wird, so wird diese sachliche Debatte damit erschwert, wenn nicht verhindert.

Stefanie Krebs-Pahlke, per E-Mail

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