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Die Ursachen liegen im Konsumkapitalismus

Zu: "Sie können keinen Kapitalismus", FR-Meinung, und "Alle gegen Ackermann", FR-Titel vom 21. Oktober

23.10.2008 00:10

Asymmetrische Rechtslage

Der Kritik Herrn Heusingers ist unbedingt zuzustimmen. Ein wichtiger Aspekt bleibt hinzuzufügen: die Übernahme von Verantwortung der Bank-Manager für ihre Entscheidungen und damit ihren Umgang mit wichtigen Vermögenswerten der Gesellschaft. Ähnelt ihr Verhalten nicht fatal dem Suchtverhalten von Spielern? Mit den jetzigen politischen Maßnahmen werden diese Männer an der Spitze der Finanzwelt jedoch in genau dieser Casino-Mentalität noch gefördert - wenn sie nur demütig das Haupt senken.

Was passiert ihnen denn eigentlich, da sie legal über Risikoversicherungen vor allen eigenverantwortlichen Wiedergutmachungen gefeit sind? Süchtige aber brauchen subjektiv und aus der Notwendigkeit, das Gemeinwohl zu schützen, klare Grenzen. Deshalb die Frage: Warum ist es nicht möglich (wie in den USA), sie bei Nachweis fahrlässiger bzw. unverantwortlicher Zockerei gesetzlich in Haftung zu nehmen durch Eigenbeteiligung am Schaden, z.B. in Höhe von zwei Jahresgehältern? Haben diese Finanz-Gurus denn keinen Ein- und Überblick in und über alle relevanten Bedingungen für ihre Entscheidungen?

In Deutschland werden Frauen, die für ihren Ehemann als Bürgin oder als Mitdarlehensnehmerin Kredite unterschrieben haben (aus Vertrauen und/oder Angst um die Ehe), per Gesetz zur vollen finanziellen Mitverantwortung gezwungen. Ohne dass sie über die Risiken der Kreditverpflichtung informiert sein müssen - weder die Gläubigerbank noch der Ehemann sind gesetzlich dazu verpflichtet! Auch später in Krisensituationen steht ihnen - ohne Zustimmung des Firmeninhabers (Ehemanns) - kein Recht zu, Einsicht in die Bilanzen/Kontostände bei der Bank zu nehmen, falls sie nicht als Geschäftsführerin unterschriftsberechtigt sind.

Liegt da nicht vielleicht eine "etwas" asymmetrische Rechtslage in unserer Gesellschaft vor?

Eva König-Werner, Bremen

Kreditfinanziertes Wirtschaften

Wie hätten 's die Damen und Herren im Kabinett denn gern? Ackermann nimmt seinen Bonus, und man würde auf ihm rumhacken. Ackermann nimmt seinen Bonus nicht, und man hat ebenfalls einen Grund, auf ihm rumzuhacken. Ackermanns Bank braucht derzeit keine Hilfe, und man findet das ebenfalls unverschämt.

Das ist doch bloße Sündenbocksuche. Letztlich trägt die Politik und die gesamte Gesellschaft ein System mit, das immer alles sofort will, um dafür erst später zu zahlen. Das ist bei der Staatsverschuldung genauso wie beim kreditfinanzierten Hochzeitsurlaub auf den Malediven. Die übermäßige Ausdehnung eines kreditfinanzierten Wirtschaftens und eines auf Kredit aufgebauten Alltags im Staat wie in der Familie führt unweigerlich in eine Krise, wie wir sie jetzt haben.

Das Herumgehacke auf den bösen Bankern mag teils berechtigt sein, die Ursache dieser Krise liegt aber tiefer - zu tief, als dass da ein Volksvertreter in Vertretung des Volkes hinsehen mag: Sie heißt Konsumkapitalismus. Mit Betonung auf "Konsum". Letztlich frisst sich der Konsumkapitalismus seine eigenen Grundlagen weg. Physisch greifbar wird das bei den Rohstoffen. Aber solche Problemstellungen sind für eine Legislaturperiode zu groß. Und so schicken wir ein paar Sündenböcke in die Wüste und wursteln weiter. Matthias Steingass, Zürich (CH)

Eine risikoreiche Beteiligung

Vor fünf Jahren musste die Charterfluggesellschaft Aero Lloyd Antrag auf Insolvenz stellen. Grund: Der Mehrheitsgesellschafter, die Bayerische Landesbank, sperrte einen Kredit von 20 Millionen Euro. Zuvor hatte sich eine Münchner Unternehmensberatung die Bilanzen der Aero Lloyd zur Brust genommen. Ergebnis: Der Ferienflieger kann die Herausforderungen meistern. Die BayernLB wollte sich aber von dieser "risikoreichen Beteiligung" trennen und verschob gleichzeitig Milliardenbeträge in den absolut sicheren amerikanischen Immobilienmarkt.

Die, die vor fünf Jahren einer deutschen Fluggesellschaft mit europäischen Flugzeugen - überteuert geleast auf Empfehlung weitsichtiger Manager der BayernLB - und über 1000 Beschäftigten 20 Millionen Euro verweigerten, sind jetzt die ersten, die den deutschen Steuerzahler um Milliardenbeträge anbetteln. Dass sich CSU-Finanzminister Erwin Huber noch vor ein paar Tagen gegen das Rettungspaket der Bundesregierung ausgesprochen hat, wirft kein gutes Licht auf die Kompetenz der CSU-Politiker im Verwaltungsrat der BayernLB. Michael Schropp, Kempten

Kurzes Gedächtnis der Parlamentarier

Mir ist vollkommen unverständlich, warum Personen wie der Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen in eine Expertenkommission berufen werden, die die Bundesregierung bei der Bewältigung der Finanzkrise beraten soll. Vor der Krise ist er massiv für die unbeschwerte Finanzierung der Banken durch diese Verbriefungsgeschichten (Asset Backed Securities) eingetreten, die die IKB und die Landesbanken an den Rand des Ruins getrieben haben. Was soll das? Da wird heftigst gegen Herrn Tietmeyer protestiert, aber Herr Asmussen wird einfach durchgewinkt. Ist das Parlamentariergedächtnis tatsächlich so kurz, oder ist ihnen das verborgen geblieben?

Der Bundestag sollte sich rasch an eine Aufarbeitung der Ursachen der Finanzkrise machen, damit die notwendigen Reformen sinnvoll und effektiv umgesetzt werden können. Dafür bedarf es aber auch seitens der Bundesregierung Personen, die tatsächlich verstehen, was sie da tun. Bei Herrn Asmussen bin ich mir da nicht so sicher. Kirsten Look, Hamburg

Diskussion: www.frblog.de/krise

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