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Cameron bei G 20 Mr. Rambo erzürnt die Franzosen

Englands Premier Cameron zeigt mal wieder so viel Fingerspitzengefühl wie ein Elefant: Weil die französische Regierung den Spitzensteuersatz hebt, lädt Cameron die Betroffenen nach England ein.

21.06.2012 18:16
Es ist nicht das erste Mal, dass Englands Premier Cameron für Kopfschütteln sorgt. Foto: REUTERS

Der britische Premier David Cameron hat ins Wespennest gestoßen. „Wenn Frankreich den Spitzensteuersatz von 75 Prozent einführt, werden wir den roten Teppich ausrollen und mehr französische Unternehmen willkommen heißen, die in Großbritannien Steuern zahlen.“ Halb im Scherz habe er das gesagt, hat Cameron beim G-20-Gipfel im mexikanischen Los Cabos dann zwar noch besänftigend nachgeschoben. Der Erregung auf der anderen Seite des Atlantiks hat das aber keinen Abbruch getan.

Mit „einem kleinen mörderischen Satz“ habe der Brite „einen Frontalangriff auf die symbolträchtige Maßnahme“ lanciert, die Staatschef François Hollande im Wahlkampf angekündigt habe, meint tadelnd das Boulevardblatt Le Parisien. Ja, der Londoner Regierungschef scheine sogar ernstlich zu bezweifeln, dass die in Frankreich geplanten Steuererhöhungen, die in den nächsten 18 Monaten 29 Milliarden Euro in die Staatskassen spülen sollen, tatsächlich greifen würden.

Konservative Franzosen geben Cameron Recht

Deutlicher noch wird La Croix. Für die katholische Zeitung sind Camerons Worte über Hollandes Steuerpläne ein Sündenfall. Die Lage der europäischen Volkswirtschaften – die britische mit eingeschlossen – sei so ernst, dass man gut daran tue, an Entscheidungen eines EU-Partners nicht herumzunörgeln, schreibt das Blatt und fragt: „Hat das britische Fair Play die Seiten gewechselt? Hat das britische Thronjubiläum dem Premier Lust gemacht, groß auf die Pauke zu hauen?“

Nicht lustig findet auch die linke Libération, was Cameron von sich gegeben hat. Das Blatt nimmt die Ankündigung des Londoner Regierungschefs ernst und titelt: „Cameron sahnt bei reichen Franzosen ab.“

Der einen Leid, des anderen Freud: Der konservative Figaro applaudiert dem Briten. Er habe bestens auf den Punkt gebracht, was das Ausland über Hollandes Frankreich denke, lobt das Blatt. Mit bissigem Humor habe Cameron vor den wichtigsten Wirtschaftsmächten der Welt resümiert, was Frankreich von der Umsetzung der Steuerpläne der Sozialisten zu erwarten habe.

Wenn die Emotionen derart hohe Wogen schlagen, dann vielleicht auch deshalb, weil der Brite mit seiner Kritik an Hollandes Steuerplänen ja nicht alleine steht. „Auch wenn sie es nicht so direkt sagen wie Cameron, andere europäische Spitzenpolitiker, darunter Angela Merkel, teilen seine Einschätzung“, schreibt Le Parisien. „Sie ermuntern Frankreich als zweitgrößte Volkswirtschaft des Kontinents, lieber mehr zu sparen, als mehr Steuern zu erheben.“

Auch im Inland mehren sich die Stimmen, die vor dem heftigen Anziehen der Steuerschraube warnen. Das Wochenmagazin L’Express redet Klartext: „Laschheit bei den Ausgaben und Brutalität beim Besteuern werden die französische Wirtschaft nicht auf Vordermann bringen können.“

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