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Auslese zu Landgrabbing Gier nach Boden

Viele Länder wollen sich abkoppeln von einer unsicheren Lebensmittelversorgung, im eigenen Land. Deshalb findet die Jagd nach den Äckern der Welt überall statt.

Die Spekulation mit Getreide ist hochprofitabel. Foto: dpa

Das Phänomen tauchte in der letzten Hunger- und Preiskrise 2007/2008 auf. Seither ist die Jagd nach Land, oft als Landgrabbing bezeichnet, ungebrochen. Staaten wie China, Indien oder Saudi-Arabien begannen, ihre Nahrungsmittel im Ausland anzubauen, meist in Afrika. Sie wollen sich abkoppeln von einer unsicheren Versorgung, die im eigenen Land nicht mehr ausreichend möglich ist und global vom Preisdiktat der globalen Märkte abhängt. Doch die am Landrush beteiligte Armada von Investment-, Pensions- und Hedgefonds treibt noch ein anders Motiv: Agrartreibstoffe. Angefeuert durch die Subventionspolitik der Industriestaaten schürt der Anbau von Soja, Rohrzucker oder Palmöl den Run auf den Boden.
Im Boden, zitiert Agrarwissenschaftler Bommert die Ansicht der Finanzmärkte, „liegt zu Beginn des 21.Jahrhunderts mehr Profit als auf den Goldfeldern“. Es herrscht eine Gier nach Boden. In Afrika, Südostasien und Osteuropa lägen die „Bodenbanken der Welt und die Ölfelder der Zukunft“. Mehr als 200 Millionen Hektar Land rafften die Investoren bisher zusammen, das entspricht schon jetzt einer Fläche, die fünfeinhalb Mal so groß ist wie Deutschland.

Vertreibung der Kleinbauern

Bommert beschreibt nicht nur die Vertreibung der Kleinbauern Afrikas, damit Investoren aus fremden Ländern Weizen oder Agrospritpflanzen für die Autos in den reichen Ländern anbauen. Er richtet den Blick auch nach Europa und beleuchtet den Bodenrausch auch in Deutschland. Es handelt sich nämlich um ein oft verschwiegenes Element einer globalen Entwicklung. Die Jagd nach den Äckern der Welt hat längst Ostfriesland, Brandenburg und die Kölner Bucht erreicht. Überschuldete Höfe, die von Banken oder Investoren übernommen werden, dazu eine Pacht- und Boden-Preisschlacht auf den Feldern, die vom Biogas- und Solarboom angeheizt wird. Bommert führt glasklar vor Augen, dass diese Entwicklung nicht nur den Untergang des Bauerntums bedeutet und zu von „anonymen Kräften“ gesteuerten Eigentumsverhältnissen führt. Das könnte Städtern noch egal sein. Doch auch sie werden es, so Bommert, zu spüren bekommen. Denn wenn etwa die neuen „Gasbarone“ das Geschehen auf dem Land beherrschen, wenn sie Mais für subventionierte Biogasanlagen kultivieren, statt Lebensmittel zu erzeugen, dann treiben sie nicht nur die Pacht- und Bodenpreise in die Höhe. Sondern bestimmen auch den Preis für Brot, Fleisch, Käse und Eier. Und das geht uns dann alle an. Bommerts Prognose ist düster: Wenn den Kapitalinteressen „keine Zügel angelegt werden“, drohe, ganz wie an den Kapitalmärkten, der „Kollaps der Welternährung“.

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