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Auslese Titanic sichtet Wulffs Hamster

Selbstkritik ist im Journalismus fast so selten wie in der Politik. Doch beim Deutschen Medienkongress äußerten einige Journalisten nun doch ihre Zweifel an der Berichterstattung über Bundespräsident Christian Wulff.

Einige Journalisten äußern nun doch ihre Zweifel an der Berichterstattung über Bundespräsident Christian Wulff. Foto: REUTERS

So sagte Hans-Ulrich Jörges, Mitglied der Stern-Chefredaktion, die Öffentlichkeit habe kein Verständnis dafür, dass die Nachricht, die Wulff auf der Handy-Mailbox von Bild-Chefredakteur Kai Diekmann hinterlassen habe, nur stückchenweise bekannt geworden sei: „Die Menschen haben die Medien hier als falsch empfunden.“

Dazu haben sie auch guten Grund, wenn man bedenkt, wie Teile des Telefongesprächs zwischen Wulff und dem Bild-Chef Kai Diekmann von dem Boulevard-Blatt Zitat für Zitat via Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung und Süddeutsche Zeitung lanciert wurden. Selbst der ehemalige Chefredakteur der Bild am Sonntag, Michael Spreng, moniert in seinem Blog Sprengsatz: „BILD lagerte das Risiko eines Bruchs der Vertraulichkeit einfach aus. Um die genaue und erste Quelle, nämlich Kai Diekmann, zu verschleiern, teilte BILD ,in eigener Sache’ mit, das Telefonat sei in der Redaktionskonferenz breit diskutiert worden.

Will heißen: so breit, dass auch wir leider nicht wissen, welcher illoyale Redakteur das herausgegeben hat.“ Die seriösen Blätter aus Frankfurt und München spielten das Spiel mit wie fast alles andere.

Nach Ansicht des Medienwissenschaftlers Stephan Weichert findet hier eine „bigotte Schlammschlacht“ statt, wie sie „in einem Schwarzbuch des Journalismus nicht besser hätte erfunden werden können“, zitiert die Neuer Zürcher Zeitung. Heribert Seifert notiert daselbst verärgert: „Seriöse Zeitungen machen sich aber nicht nur zu Echoräumen des Boulevards, sondern sind in der Wulff-Affäre auch in einen Überbietungswettbewerb des Enthüllens eingetreten, bei dem längst unklar ist, ob das Enthüllte von politischer Bedeutung ist oder eher Stilfragen betrifft.

Das geht so weit, dass selbst schmierige Internet-Gerüchte über die Ehefrau des Präsidenten raunend in die Presseberichterstattung Eingang finden.“

Wie im Fall Guttenberg ist auch in dieser Causa die Schwarmintelligenz tätig geworden, allerdings ein wenig anders als gewohnt. Wulffplag trägt nämlich nicht nur zusammen, welche Verfehlungen vom Baukredit bis zum Wiesnbesuch zu rügen sind, sondern sammelt ebenso akribisch, welche Vorwürfe sich die Medien machen lassen müssen. Das mag manche Medien vorsichtiger machen, doch Titanic meldet investigativ: „Christian Wulff soll den Hamster seiner Kinder mit Gras aus dem Bellevue-Garten gefüttert haben, obwohl das Anwesen nur für Dienstzwecke zur Verfügung steht.“ Fortsetzung folgt nicht.

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