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Auslese Syrische Propaganda

Die staatlichen Medien leugnen den Aufstand. Sie geben einer Verschwörung des Westens die Schuld.

28.09.2011 17:28

Wer in diesen Tagen syrisches Staatsfernsehen anschaut oder staatliche Zeitungen liest, der taucht ein in eine Welt, die ganz anders aussieht, als jene der internationalen Medien. Der syrische Außenminister Walied al-Muallim sprach, als er vor die UN-Vollversammlung trat, für das Publikum daheim. Er redete von einer internationalen Verschwörung gegen Syrien: „Was wir in Syrien erleben, ist unsere Reaktion auf die Einmischung ausländischer Kräfte in unsere Angelegenheiten. Es ist unsere Pflicht, die Bürger zu schützen.“ Ziel der Einmischung sei die amerikanische und europäische Vorherrschaft über das Mittelmeer, um die Interessen Israel zu schützen, sagte er.

Die syrische Zeitung al Watan führte ihre Leser in das Dickicht der Verschwörung und berichtete: „Gestern gab es in Homs eine Attacke durch die bewaffneten Gruppierungen, welche das Ziel haben Unruhe zu stiften. Dabei wurden Bürger zu Märtyrern. Zudem wurde ein Fahrzeug gestoppt, das mit Waffen beladen war. Zum Teil stammten sie aus Israel.“ Vom Aufstand der Jugend gegen Assad und der Demokratie-Bewegung fehlt im Blatt jede Spur. Stattdessen werden Reformbemühungen Assads gelobt, so jene, einen Religionskonflikt zu vermeiden.

Um einen Kurs der Mitte bemüht sich die syrische Journalistin Nadia Muhanna, die für das englischsprachige Magazin Syria Today. Da nicht viele Syrer Englisch lesen und das Magazin teuer ist, genießt es mehr Freiheit als andere Publikationen. Journalismus beschreibt Muhanna in ihrem Blog als Drahtseilakt: „Es war nie einfach, hier Journalist zu sein. Weiß Gott nicht! Am Ende bekam man zwar, was man wollte. Das ist nicht mehr so. Der Aufstand macht die Menschen noch misstrauischer gegen die Medien. Sie haben mit Verachtung beobachtet, dass eigene Erlebnisse auf dem Bildschirm ganz anders aussahen. Viele haben die Medien insgesamt abgeschrieben.“

Rami K. Khouri von der American University in Beirut sieht in der New York Times Syriens Niedergang voraus. Als Zeichen für die großen Probleme wertet er die Tatsache, dass Iran und die Hisbollah, engste Verbündete Assads, anerkennen, dass die Strategie des harten Vorgehens keine Lösung darstellen. Assad und sein System hätten viel Unterstützung und Legitimität verspielt, und nun gebe sich das Regime „stark“, allerdings in einer Art, die seine Verletzbarkeit umso klarer vor Augen führe. „Das System ist derzeit stark wie eine Kompanie Soldaten, die sich in einer Festung verschanzen, während sie vollständig von Feinden umzingelt sind. Das Regime hat entschlossene Führer, viele Sicherheitskräfte, einen Unterstützer-Kern, Panzer, Munition und Truppen. Aber all das befindet sich in einem Kessel, dessen Kreis die Demonstrationen immer enger ziehen.“ Khoury resümiert: „ Kampfpanzer zum Töten der eigenen Zivilbevölkerung einzusetzen ist kein Zeichen von Stärke, sondern von aus Verzweiflung geborener Grausamkeit.“ Julia Gerlach, Maritta Tkalec

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