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Auslese Rudi Assauer Alzheimer ist nicht normal

Die öffentliche Krankheit des Rudi Assauer. Medien-Reaktionen zu dem Umgang des ehemaligen Managers von Schalke 04 mit der Diagnose Alzheimer.

Rudi Assauer. Foto: dapd

Selten zuvor ist die Erkrankung eines Menschen mit solch medialer Aufmerksamkeit gekoppelt gewesen wie die Alzheimer-Diagnose für den ehemaligen Fußballprofi und -Manager Rudi Assauer. Das private Schicksal wird zum öffentlichen Fall, und trotz des nicht zu übersehenden Inszenierungscharakters wurde dem Outing durchweg Respekt gezollt.

„Die Reaktion auf Assauers Outing sind ausnahmslos positiv“, schreibt der Wissenschaftsjournalist Oliver Tolmein in seinem Blog Biopolitik auf FAZ.Net, wo er sich regelmäßig zu Fragen über Leben und Sterben äußert. Tolmein wirft aber auch einen kritischen Blick auf die mediale Anteilnahme am Schicksal des einstigen Macho-Darstellers. „Von Tagesschau über Bild bis Focus, von Fußballkollegen, über Aktive in Selbsthilfegruppen bis zu den Männern und Frauen auf der Straße, sogar der Bundesgesundheitsminister, immer auf der Suche nach einem Auftrieb, hat sich geäußert: ‚Dass Rudi Assauer in die Öffentlichkeit geht, macht vielen Menschen Mut’ Das klingt so selbstverständlich – und wirft doch Fragen auf. Mut – wozu eigentlich? Mut sich zu bekennen? Und warum müssen sich Menschen, die unter bestimmten Krankheiten leiden bekennen?“ Alzheimer sei eben nicht normal, schreibt Tolmein, und das ergibt sich für ihn nicht nur aus dem Krankheitsbild, sondern aus den gesellschaftlichen Reaktionen darauf. Zur medizinischen Diagnose kommt eine allgemeine Schutzlosigkeit. „Es gibt bei uns für Kinder einen gewissen, auch eher schmalen Schonraum, für Menschen mit Demenzen oder auch psychischen Erkrankungen gibt es ihn nicht. Es hat auch viel damit zu tun, dass die Gesellschaft den Erkrankten auch sonst wenig anzubieten hat.“

Ausgehend von Assauers Outing stellt Marie Amrhein auf Cicero-Online Überlegungen zum Gesundheitssystem und einer prekären Pflege an. „Darum darf das Thema Demenz nicht aus den Köpfen verschwinden. Auch wenn es uns Angst macht. Darum sollten wir froh sein, dass sich Rudi Aussauer getraut hat, über sein geistiges Gebrechen zu schreiben. Auch wenn sich bei seinen Auftritten immer wieder der Gedanke einschleicht, dass bei der Vermarktung der Geschichte des ehemaligen Fußballmanagers der Kommerz an erster Stelle steht – lange vor dem Wunsch, eine Krankheit zu dokumentieren.“

Über die Motive Assauers, die Öffentlichkeit über seinen Zustand zu informieren, hat Stephanie Schmidt, (deren Film „Rudi Assauer – Ich will mich nicht vergessen“ heute um 23.15 Uhr im ZDF gezeigt wird) im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung gesprochen. „Er will kommunizieren, dass er krank ist, weil er hofft, sich danach wieder frei in der Öffentlichkeit bewegen zu können. Natürlich könnte er auch eine Pressekonferenz geben, aber das will er nicht. Er hat Angst vor Fragen, auf die er nicht mehr antworten kann, und davor, dass Antworten aus dem Zusammenhang gerissen sind.“

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