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Auslese Lebensgefahr für die Buchwelt

Immer mehr Ärger mit dem Internethändler Amazon.

Foto: Getty Images

Keiner muss bei Amazon kaufen. Doch wer erst mal Kunde ist, kommt nicht ohne Verluste davon. Das hat die Bloggerin Pia Ziefle (denkding.de) erfahren, als sie aus Protest über die schlechten Arbeitsbedingungen bei dem Internethändler ihr Kundenkonto kündigen wollte. Täte sie das, löschte Amazon alle von ihr gekauften E-Books von ihrem E-Reader. Der Grund: „Aufgrund lizenzrechtlicher Bestimmungen können diese Inhalte nur auf dem Kindle oder auf Geräten mit einer Kindle Lese-App gelesen werden, die mit Ihrem Amazon.de-Konto verknüpft sind.“ Das ist eine Unverschämtheit. Denn „nichts davon steht in der Kindle-Nutzungsvereinbarung“, moniert Ziefle. Man erfährt es erst bei der Kündigung. „Kein Softwarehaus macht sowas, obwohl auch die nur Lizenzen handeln.“

Amazon behandelt also nicht nur seine Mitarbeiter schlecht, wie eine ARD-Dokumentation enthüllte, das Unternehmen bedient sich zudem noch dubioser Geschäftspraktiken. Und das nicht nur bei seinen E-Book-Kunden, sondern auch gegenüber den Verlagen. Denn die müssen Amazon Rabatte gewähren und Gebühren zahlen, damit ihre Bücher dort lieferbar sind. Jan Wiele zitiert in der FAZ ein Kündigungsschreiben des Kleinverlegers André Thiele an Amazon: „50 % Rabatt, zzgl. 5 % Lagermiete, zzgl. Alleintragung aller Portokosten, zzgl. Jahresmitgliedsgebühr, zzgl. nahezu jedesmal für mich nicht nachvollziehbare zusätzliche Abzüge bei den verbleibenden Summen. De facto dürfte sich allein hieraus ein ,Rabatt‘ zu Ihren Gunsten von über 65 % ergeben. Von den verbleibenden 35 % – wenn es denn bei denen bliebe! – soll ich den Druck und die Autoren bezahlen? Träumen Sie?“

Thieles Kritik teilen viele andere Kleinverleger. Verleger Christopher Schroer wirft dem Amazon-Chef Jeff Bazos außerdem vor, dass er mit luftigen Buchungstricks bei der Umsatzsteuer seinen Gewinn maximiert (statt 19 nur 3 Prozent). Hinzu käme: „ dass Sie sich vertraglich einen unglaublichen Skontorahmen einräumen lassen. Dass neue, frisch angelieferte Titel in Ihrem eigenen ,Marketplace‘-Anbieterkonto als Mängelexemplare auftauchen.

Und dass Sie Kommissionswaren remittieren, die Sie nicht pfleglich behandelt haben und die somit vom weiteren Verkauf ausgeschlossen sind.“ Kurzum: „Für den Buchhandel und die Verlagswelt ist Amazon eine wirtschaftliche Lebensgefahr“, stellt Andrian Kreye in der Süddeutschen Zeitung fest. Dabei sei Jeff Bazos kein schlechter Mensch. Nur stamme er nicht aus der Kultur der Verlage, auch wenn er seinen Erfolg anfangs dem Handel mit Büchern verdankte, er komme aus der Welt der Hedgefonds. „Die beobachten den Fluss des Geldes und suchen dort die geringsten Widerstände. Kultur ist dafür wie geschaffen.“ Vielleicht ändert sich das gerade, und bald bestellen die Leser öfter bei buchhandel.de, osiander.de oder booklooker.de ... Oder gehen sogar zum Buchhändler um die Ecke. Besser wär’s.

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