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Auslese Forscher außer Kontrolle

In den späten 40er Jahren haben US-Wissenschaftler Menschenversuche Guatemala durchgeführt. In ganz Lateinamerika sorgen diese neuen Erkenntnisse für Entsetzen - Kommentatoren beklagen, dass ihr Land missbraucht worden sei.

Klaus Ehringfeld

Die Menschenversuche an guatemaltekischen Waisenkindern, Soldaten, Ureinwohnern und Prostituierten in den 40er-Jahren, verübt von US-Ärzten und guatemaltekischen Kollegen, um die Wirkung von Penicillin zu testen, wühlt die Gesellschaft des zentralamerikanischen Landes auf. Nach der Veröffentlichung eines Kommissionsreports berichteten die guatemaltekischen Medien ausgiebig über den Skandal und verurteilten die Tests als Gräuel. So schreibt die größte Zeitung des Landes Prensa Libre: „Jeder US-Bürger mit Gewissen wird Scham empfinden angesichts der Scheußlichkeiten. Jeder Guatemalteke wird Schmerz und Wut fühlen.“ Die Menschenversuche seien unmoralisch und illegal gewesen. „Das ganze Ausmaß wird erst klar, wenn man sich vor Augen führt, dass die Nazi-Gräuel zu dem Zeitpunkt erst drei Jahre zurücklagen – die grausamen Verbrechen an Juden, Homosexuellen, Sinti, Roma und Psychiatrie-Patienten.“

Die Tageszeitung El Periódico fragt, ob der Arzt „Cutler und sein Team eine Gruppe Abtrünniger waren, die vor der Welt ihre perversen Experimente geheimhalten wollten. Oder hatten sie den Segen der wissenschaftlichen Gemeinde?“ Cutler, sei ein Forscher gewesen, der außer Kontrolle geraten war, der selbst für die Standards der damaligen Zeit skrupellos gewesen sei. Und in Guatemala, weit entfernt von jeglicher Überwachung, habe er die Gelegenheit beim Schopfe gegriffen, ohne Hindernisse zu experimentieren.

In der Internetzeitung Plaza Pública schreibt der Arzt Juan José Guerrero, es gebe Hinweise, dass die USA nicht nur in Guatemala, sondern auch in weiteren zentralamerikanischen Staaten derart experimentiert hätten. Zudem seien in Guatemala Menschen vermutlich nicht nur mit Syphilis- und Tripper-Viren infiziert worden. US-Ärzte und guatemaltekische Mediziner seien auch für Massen-Sterilisierungen von Maya-Frauen verantwortlich. In der Internet-Gazette äußern sich auch Leser: „Das ist alles sehr traurig. Es gibt eben Menschen, die haben Spaß daran, über Leben und Tod zu entscheiden“, schreibt Gonzalo. „Sie haben unser Land, unsere Leute missbraucht. All das wissend, tut unsere Regierung nichts“. Ein anderer Blogger sieht in den Versuchen vor allem die Geringschätzung seines Landes: „Die Erste Welt hat uns immer missbraucht.“ Damals hätten die USA vor allem an einen „Chemie-Krieg“ gedacht. „Die möglichen Nebeneffekte haben sie an unserem Volk ausprobiert.“

Die spanisch-sprachige US-Internetzeitung La Raza kommentiert die Menschenrechtsversuche und schlägt einen Bogen zur Aktualität: „Es ist traurig und bedauerlich, dass gut ausgebildete Forscher so unmenschlich und unethisch im Namen der Wissenschaft sein können.“ Heute sei so etwas zwar nicht mehr vorstellbar, „aber noch immer bringen Pharma-Konzerne Medikamente auf den Markt, die auf lange Sicht schädliche Nebenwirkungen haben.“

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