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Auslese Broder mal ohne Tourette-Syndrom

Henryk M. Broder bearbeitet das deutsche Nazi-Menetekel. In seinem neuen Buch kommt er dabei erstaunlicherweise ohne Beleidigungen aus - wenn auch nicht ohne Lügen und den üblichen Befehlston.

Blöder Schwätzer, Psychopath, Flachmann, Kretin, Spatzenhirn, Parasit, Astloch des Monats, Jung-Stürmer, Schweinsfuß, Kinder-Stürmer, Anal-Phabet, Irrer, Heuchler, Antisemit, autistischer Schmierant, Lump, Depp vom Dienst, Lump vom Dienst, parasitäres Pack, Gutmenschenpack, präpotenter Schmock... – wer den Sinn der Deutschen für gusseisernen Humor und für Fäkalsprache kennt, den überrascht nicht, dass der Urheber dieser im Blog „Die Achse des Guten“ veröffentlichten Beleidigungen vor ein paar Jahren mit dem Ludwig-Börne-Preis für seine Verdienste um Polemik ausgezeichnet worden ist (in anderen Ländern würde ihm jeder Arzt ein schweres Tourette-Syndrom attestieren). Schon eher verwundert, dass der Autor, Henryk M. Broder, in seinem neuen Buch den Deutschen „Vergesst Auschwitz!“ befiehlt, ohne ihnen nur eine einzige Beleidigung entgegenzuschleudern. Das ist erstaunlich. Er begnügt sich mit Lügen. Auch das entspricht seiner Begabung.

Was will er? Er sagt es auf Seite 163: „ Die Deutschen leiden an Hitler wie andere an Schuppenflechte. Aus dem Versuch, sich gegen die eigene Geschichte zu immunisieren, ist eine Autoimmunerkrankung geworden. Ob es um den Einsatz in Jugoslawien oder in Afghanistan geht, um Atom, Gentechnik, Stammzellen, Sterbehilfe – immer steht das Nazi-Menetekel an der Wand und fordert seinen Tribut.“ Und wenn es einmal nicht dort steht und die Deutschen – wie von Broder befohlen – für einen Augenblick Auschwitz vergessen, dann steht da Henryk M. Broder und beschimpft die Deutschen als Antisemiten. Alle Deutschen? „Es ist Zeit für eine Klarstellung: Nicht jede Deutsche ist ein Antisemit.

Wahrscheinlich nicht einmal jeder zweite. Schlimmstenfalls jeder dritte, was immerhin bedeuten würde, dass zwei von drei Deutschen keine Antisemiten sind. So wie bei den letzten einigermaßen freien Wahlen zum Reichstag 1932 jeder dritte Wähler seine Stimme der NSDAP gab.“ Wie kommt Broder darauf, dass im Deutschland des Jahres 2012 jeder Dritte ein Antisemit sei? In seinem Blog berichtete er am 26. Januar 2012 von einer Studie, wonach 20 Prozent der Deutschen mehr oder weniger antisemitisch eingestellt seien, „eine Zahl, die man in allen Studien zum Antisemitismus der letzten Jahren findet“ (Broder). Warum erhöht er die Zahl in seinem Buch auf ein Drittel? Weil er den Lesern nur dann das Nazi-Menetekel an die Wand pinseln kann: „Die Nazis waren eine Minderheit, die nur deswegen die Macht ergreifen konnte, weil ihr die Mehrheit das Feld überließ.“ So ist es. Deshalb sollten die Deutschen auch nicht Auschwitz vergessen, sondern Henryk M. Broder.

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