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Analyse USA fürchten Chinas neue Super-Waffen

China rüstet auf und tritt mit modernster Militärtechnik an, die militärische Dominanz der USA im pazifischen Raum zu brechen. Die US-Navy fürchtet jetzt um ihre Flugzeugträger.

09.02.2012 17:54
Bettina Vestring
Auch Flugzeugträger sollen die neuen Waffen zerstören können. Foto: AFP/US-Navy

Amerikas Alptraum heißt Dongfeng-21D. Die neue chinesische Mittelstreckenrakete fliegt mit so erstaunlicher Zielgenauigkeit, dass sie auf 1500 Kilometer Entfernung einen Flugzeugträger auf hoher See treffen kann. Womöglich kann schon ein einziger Treffer ein solches Riesenschiff versenken; zumindest aber würde es so beschädigt, dass es den Einsatz nicht mehr fortsetzen kann.

Dongfeng-21D ist die erste Land-Schiff-Rakete der Welt – und sie ist das, was die entsetzten Amerikaner einen „Game-Changer“ nennen: eine Waffe, die so wirkungsvoll ist, dass sie nicht einfach nur einen neuen Stein auf dem Spielbrett der Militärstrategen darstellt, sondern die Spielregeln selbst revolutioniert. Denn mit dieser Rakete könnte es China gelingen, die Dominanz der US-Navy im östlichen Pazifik zu brechen. Die amerikanischen Flugzeugträger, jene schwimmenden Riesen, mit denen die USA seit dem Zweiten Weltkrieg die Meere beherrschen, sind auf einmal verwundbar geworden.

Chinas rasch wachsendes Arsenal an modernster Kriegstechnik hat noch mehr aufzubieten: Die Volksbefreiungsarmee verfügt über eine Vielzahl ballistischer Raketen und Marschflugkörper, sie hat Tarnkappen-Flugzeuge und Flüster-U-Boote entwickelt und arbeitet an einem eigenen Flugzeugträger. Sie verfügt sogar über Waffen, die im Kriegsfall die amerikanischen Beobachtungs-, Steuerungs- und Kommunikationssatelliten stören sollen. Denn die chinesischen Experten haben in Bosnien, Irak, Afghanistan beobachtet, wie wichtig die Satellitentechnik für die amerikanischen Soldaten ist.

"Access Denial"-Strategie

Nach Einschätzung der USA dient Pekings gewaltiges Investitionsprogramm vor allem einem Ziel: dem amerikanischen Militär im Konfliktfall den Zugang zu den Meeren vor Chinas Küsten zu verwehren. „Access Denial“ heißt diese Strategie, bei der es darum geht, eine US-Intervention schwierig, teuer und vor allem riskant zu machen. „In den letzten anderthalb Jahrzehnten hat die Volksbefreiungsarmee systematisch viele der Fähigkeiten erworben, um das Konzept der Zugangsverweigerung umzusetzen“, sagte Roger Cliff vom US-Think Tank Rand Corporation bei einer Anhörung vor Experten des US-Kongresses im vergangenen Jahr. „Wir haben es offenkundig mit einer Militärmacht zu tun, die ernsthaft und zielgerichtet nach Wegen sucht, uns im Konfliktfall zu besiegen.“

Vermutlich war es ein Zwischenfall 1995/1996 im Südchinesischen Meer, der den entscheidenden Anstoß für das chinesische Rüstungsprogramm gab. Es ging, wie so oft, um den Status von Taiwan, das unter dem Schutz Washingtons steht, von China aber als abtrünnige Provinz betrachtet wird. Aus Ärger über eine US-Reise des taiwanesischen Präsidenten ordnete Pekings Führung damals Raketentests vor der taiwanesischen Küste an. Auf diesen Einschüchterungsversuch reagierte Präsident Bill Clinton mit Macht: Er entsandte zwei Flugzeugträger, die USS Nimitz, und die USS Independence, mitsamt ihrer Begleitflotten, an die Straße von Taiwan.

Chinesisches Geschichtsverständnis

Obwohl es nicht zur weiteren Eskalation kam, wirkt der Zwischenfall bis heute nach. Das hängt mit dem chinesischen Geschichtsverständnis zusammen: Von den Opiumkriegen im 19. Jahrhundert bis zum japanischen Einmarsch im Zweiten Weltkrieg sah sich China immer wieder von ausländischen Mächten gedemütigt und besiegt. Mit dem Aufstieg zur Großmacht kam die Entschlossenheit, dies für alle Zukunft zu verhindern. Inzwischen ist die Volksrepublik militärisch so weit, dass sie nicht nur die US-Kriegsschiffe, sondern auch die amerikanischen Basen in Japan und Südkorea angreifen könnte.

Wie ernst Washington die neue Militärkonkurrenz im Osten nimmt, machte Präsident Barack Obama im Januar deutlich, als er die Sparpläne für die amerikanischen Streitkräfte vorstellte. Fast überall muss gekürzt werden, aber im Pazifik wollen die USA ihre Präsenz sogar noch verstärken. Darwin, ein Hafen im Norden Australiens – er liegt außerhalb der 1500-Kilometer-Reichweite der meisten chinesischen Waffen – soll zum neuen Anlaufpunkt für die amerikanische Navy ausgebaut werden. „Wir werden weiterhin in die Fähigkeit investieren, in Umgebungen tätig zu werden, wo uns der Gegner den Zugang verwehren will“, erklärte Obama.

Konfliktpotenzial gibt es reichlich. Die Statusfragen um Taiwan bleiben gefährlich. Hinzu kommt, dass China das gesamte Südchinesische Meer, das reich an Fischen, Rohstoffen und Ölvorkommen ist, für sich beansprucht, ohne Rücksicht auf die konkurrierenden Ansprüche von Ländern wie Taiwan, Vietnam oder Brunei. China besteht außerdem darauf, ausländisches Militär innerhalb einer 200-Meilen-Zone vor seiner Küste zu kontrollieren. Ob das zulässig ist, ist völkerrechtlich umstritten.

Völkerrecht ist das eine, militärische Macht das andere. Sicher ist, dass die Zeiten, in denen US-Kriegsschiffe den Pazifik unangefochten unter ihrer Kontrolle hatten, vorbei sind. Im Fernen Osten hat ein neuer, gefährlicher Rüstungswettlauf begonnen.

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