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Schreibschrift Schreibkultur mit Schwung

Eine Mutter protestiert gegen Druckbuchstaben in der Grundschule.

Schreibübungen
Ja, Schreibschrift kann man auch heute noch lernen. Foto: imago

Beim ersten Kind fiel es ihr noch gar nicht richtig auf. Der Sohn lernte in der Grundschule die sogenannte vereinfachte Ausgangsschrift. Beim zweiten wurde Marie Antoinette Baronin von Geyr stutzig, weil die Tochter nur noch Druckbuchstaben schrieb. Als das dritte Kind in die Grundschule kam und die sogenannte Grundschrift lernen sollte, „da reichte es mir“, so von Geyr. Die fünffache Mutter aus der Nähe von Bonn veröffentlichte auf change.org eine Petition für den Erhalt des Schreibschriftunterrichts an allen Grundschulen. Sie hat bereits mehr als 26 700 Unterstützer.

„Es gibt Grundschulen in NRW und einigen anderen Bundesländern, die den Kindern keine Schreibschrift mehr beibringen“, heißt es in der Petition. Von Geyr weist darauf hin, dass die Erfolgschance der „Grundschrift“ – eine Druckschrift mit kleinen Häkchen, die die Schüler selbst zu einer teilweise verbundenen Schrift entwickeln sollen – „bis jetzt mit keiner wissenschaftlichen Studie belegt wurde“.

Die Kinder seien quasi Versuchskaninchen, ohne dass die Eltern gefragt worden seien, ob sie dem Experiment zustimmen. „Sie sollen sich selbst schreiben beibringen; das funktioniert nicht“, sagt von Geyr. Viele Eltern seien sich gar nicht im Klaren darüber, dass ihr Kind keine Schreibschrift mehr lerne. „Die sagen mir, mein Kind hat halt eine Krakelschrift.“ Andere protestierten nicht, weil sie Nachteile für ihr Kind fürchteten.

Befürworter einer Abschaffung der verbundenen Handschrift argumentieren unter anderem damit, dass die Handschrift im Computerzeitalter an Bedeutung verliere, da ohnehin nur noch getippt werde. Von Geyr hält eine solche Argumentation für ein „Armutszeugnis“. Mit der Hand schreiben sei eine Kulturtechnik, die Rechtschreibung, Merkfähigkeit und motorische Fähigkeiten schule.

Die Nachteile der Grundschrift liegen für von Geyr auf der Hand: Schreibt sich langsamer als verbundene Schreibschrift, Groß- und Kleinbuchstaben sind nicht mehr unterscheidbar, Worttrennungen auch nicht, wodurch Lehrer Fehler nur noch per Zufall denn per Regel finden könnten. Ihre Erfahrung ist: „Kinder, die Schreibschrift lernen, machen weniger Fehler.“ In der verbundenen Schreibschrift bilde ein Wort eine Einheit, deshalb sei es besser zu merken. Wenn Kinder in Druckbuchstaben schreiben lernten, könnten sie ihre eigene Schrift oft nach kurzer Zeit nicht mehr lesen „und die Lehrer erst recht nicht“, so die Mutter.

Ihren eigenen Kindern brachte sie zu Hause Schreibschrift bei, trotzdem „drucken“ die beiden Ältesten nur noch. Das jüngste der fünf Kinder kommt demnächst in die Grundschule.
Die bisherige Schulministerin von Nordrhein-Westfalen, Sylvia Löhrmann, habe „keine klare Ansage“ gemacht, welche Schrift in den Grundschulen gelehrt werden soll, kritisiert von Geyr. Sie selbst hat in der Grundschule ihrer Kinder einen Antrag in die Schulkonferenz eingebracht, die lateinische Schreibschrift als Handschrift festzulegen. Wenn der nächste Kultusminister einer neuen NRW-Regierung im Amt ist, will von Geyr ihm ihre Petition persönlich in Düsseldorf überreichen.

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