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Petition Das perfide Spiel mit der Schönheit

Apps vermitteln Kindern die Botschaft, dass ihr Körper nicht okay ist. Eine Petition fordert Regulierung

Gudrun Wiborg hat immer ein Auge darauf, wo ihre fast elfjährige Tochter im Internet unterwegs ist. „Ich checke jede App“, sagt sie. Als sie Apps zu Schönheits-Operationen entdeckte, war sie schockiert: „Die bewusst einfach gemachten Apps richten sich schon an ganz kleine Kinder. Bei Schminktipps wird plötzlich das Gesicht selbst verändert, das läuft ganz perfide ab“, empört sich die Mutter. Sie weiß aus dem beruflichen Alltag, wie Menschen leiden, die ihren Körper als Problem wahrnehmen. Als Psychotherapeutin behandelt sie auch Menschen mit Essstörungen und Problemen mit der Körperwahrnehmung. Körperbildstörungen hätten stark zugenommen, ist ihre Beobachtung. „Da verkümmern die Kreativität und die Lust auf das Leben.“

Im Freundeskreis ihrer Tochter erlebe sie, wie viel Wert schon Grundschüler auf ihr Aussehen legen. „Die eine fühlt sich zu dick, die andere findet, ihre Augenbrauen stehen zu dicht zusammen“, erzählt Wiborg. Nach der HBSC-Studie der Weltgesundheitsorganisation zur Kinder- und Jugendgesundheit fühlt sich ein Drittel der elfjährigen Mädchen in Deutschland zu dick.
Die an Kinder gerichteten Schönheits-OP-Apps transportierten die Botschaft, den eigenen Körper als formbar und als Produkt zu begreifen, das für ein vorgegebenes Ideal verändert werden müsse. „Dahinter steckt eine große Industrie“, sagt Wiborg. Sie vermittle Kindern, dass ihr Körper nicht richtig sei.

Die Apps kämen harmlos als Spiel daher, so dass Eltern oft die dahinter stehende Botschaft nicht erkennen würden, so Wiborg. Aber sie appelliert auch an die Vorbildfunktion der Eltern. „Väter und Mütter sollten ihre eigene Haltung hinterfragen“, findet sie. „Stehen sie selbst viel vor dem Spiegel, besteht ihre Welt nur aus Äußerlichkeiten, werten sie sich selbst und ihren Körper ab, so hat das natürlich Einfluss auf die Kinder.“

Gudrun Wiborg hat Ende Januar eine Online-Petition gestartet, die inzwischen 16 500 Menschen unterstützen. Die Petition wird vom Netzwerk Endangered bodies (in Deutschland AnyBody) unterstützt und richtet sich an die Chefs von Apple, Amazon und Google. Sie sollen alle Schönheits-OP-Apps überprüfen, gegebenenfalls Altersbeschränkungen verschärfen und klare Richtlinien festlegen, die derartige, an Kinder gerichtete Apps untersagen.

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