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Aktivposten Aufruf zur 1-Dollar-Revolution

Der Publizist Peter Spiegel hat den Kampf gegen die Armut zu seinem Lebensthema gemacht. Nun wirbt er für einen globalen Mindestlohn – und setzt dabei auf die EU.

Sie hat keinen Mindestlohn: Eine indische Mutter in Mumbai mit ihren Kindern. Foto: dpa

Wie kann es sein, dass in einer Welt, die immer reicher wird, immer noch Armut existiert? Diese Frage treibt Peter Spiegel seit seiner „wilden Jugend“ um, wie er sagt. Jetzt, im Alter von 63 Jahren, glaubt der Soziologe und Zukunftsforscher die Antwort gefunden zu haben. Per Online-Petition sucht er Mitstreiter für seine „1-Dollar-Revolution“, die rund eine Milliarde Menschen weltweit vor extremer Armut bewahren soll.

Spiegels Vorschlag, den er gemeinsam mit dem Handelsexperten Georgios Zervas entwickelt hat, ist so simpel wie bestechend: Er fordert die Einführung eines globalen Mindestlohns von einem Dollar die Stunde. Damit der tatsächlich kommt, setzt er nicht auf den guten Willen der vielen einzelnen Regierungen, sondern im ersten Schritt auf die zuletzt viel gescholtene Europäische Union. Brüssel soll eine Richtlinie verabschieden, die den globalen Mindestlohn als sozialen Standard festschreibt. Dann dürften von einem bestimmten Stichtag an Produkte, die mit niedrigeren Löhnen produziert würden, nicht mehr in den EU-Markt importiert werden.

Der Vorteil dieses Ansatzes sei, dass der aktuelle Lohndumping-Wettbewerb der armen Länder mit einem Schlag durchbrochen wäre, erläutert Spiegel. Schließlich gelte die Vorschrift ja für alle gleichermaßen. „Warum soll etwas, das bei ökologischen oder gesundheitlichen Standards bereits funktioniert hat, nicht auch in diesem Punkt funktionieren?“, fragt er. „Die weltweit tätigen Unternehmen werden sich diesen Standards unterwerfen, weil sie es sich nicht leisten können, einen so wichtigen Markt wie den europäischen links liegen zu lassen.“ Vielmehr könne sich von Europa aus eine Sogwirkung entfalten, da die Konzerne langfristig nicht nach zwei oder mehr Standards produzieren würden. In ersten Gesprächen habe er aus der Wirtschaft durchaus positive Signale empfangen.

Die Vision einer humanen, nachhaltigen globalen Wirtschaft ist Spiegels Lebensthema, er hat sie als Autor, Unternehmer, Verleger und als Aktivist verfolgt – etwa mit Büchern wie „Gute Geschäfte“ oder „Banker der Armen“, der Biografie des Nobelpreisträgers Mohammad Yunus, mit der Organisation der internationalen Zukunftskonferenz „Vision Summit“ und mit der Arbeit in der „Kommission für eine demokratischere UNO“. Viele gute Ideen und Projekte habe er kennengelernt, so sagt er heute, doch der Vorstoß für einen globalen Mindestlohn sei für ihn der überzeugendste.

Mit der Petition, die derzeit auf Englisch und Deutsch und bald noch in vier weiteren Sprachen weltweit um Unterstützung wirbt, will er nachhaltig öffentlichen Druck auf die Entscheider in Brüssel erzeugen.

Und der Moment sei günstig, trotz oder gerade wegen der Uneinigkeit innerhalb der EU. „Das Bündnis ist unter Druck, es muss jetzt Gemeinsamkeit demonstrieren“, sagt Spiegel. „Das ist unsere Chance.“ Um sie zu nutzen, verknüpft Spiegel in seinem Aufruf zur Petition den Kampf gegen die Armut mit der Bekämpfung von Fluchtursachen – und liefert so den Europapolitikern Argumente, seine Forderung wohlwollend zu prüfen.

EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker habe ihm bereits versprochen, sich persönlich damit zu befassen, erzählt Spiegel. „Er hat gesagt: Das kommt auf meinen Schreibtisch.“

Aktivposten: Ob für Datenschutz oder gegen Abschiebung, für Kulturzentren oder gegen Megabahnhöfe – immer mehr Menschen engagieren sich direkt und werben um Unterstützung. In Zusammenarbeit mit der Petitionsplattform change.org stellt die FR regelmäßig einen von ihnen vor.

Der aktuelle Aufruf ist hier zu finden.

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