Lade Inhalte...

Massaker von Nanjing China und Japan finden keinen Frieden

Am Jahrestag des Massakers von Nanjing wird einmal mehr deutlich, dass Ostasiens Großmächte China und Japan keinen Frieden finden.

Nanjing
In Nanjing gedenken die Chinesen der Opfern des Massakers durch die japanische Armee. Foto: afp

In Ostasien entbrennt eine neue Debatte über die Deutung der Verbrechen des Zweiten Weltkriegs. Am Mittwoch hat China in einer Gedenkveranstaltung der Opfer des Massakers von Nanjing gedacht. Vor 80 Jahren haben japanische Truppen in der ostchinesischen Großstadt Zehntausende von Zivilisten vergewaltigt und ermordet. Japans Regierung wollte mit der Veranstaltung jedoch nichts zu tun haben und sieht sie als außenpolitischen Angriff.

In Nanjing stand in Erinnerung an die Ereignisse im Dezember 1937 der Verkehr für eine Minute still, während über der Stadt die Fliegeralarmsirenen ertönten. Präsident Xi Jinping nahm an einer Kranzniederlegung am Mahnmal für das Massaker teil.

„China und Japan müssen auf Basis der Interessen der Bevölkerung beider Länder handeln“, sagte Yu Zhengsheng, der Präsident der Konsultativkammer des chinesischen Parlaments. Im Lichte der Ereignisse der Vergangenheit sei friedliche Kooperation der einzige Weg in die Zukunft.

In Japan spielte der Jahrestag dagegen keine Rolle. „Die Führer Chinas und Japans sind in der Vergangenheit übereingekommen, die gegenseitigen Beziehungen zu verbessern“, sagte Chefkabinettssekretär Yoshihide Suga in Tokio. Die japanische Regierung gibt mit ihrer Zurückhaltung der Kritik Nahrung, sich den Verbrechen des Zweiten Weltkriegs nicht zu stellen. Tokio will jedoch dem Rivalen China keine außenpolitischen Punkte schenken. Denn China nutzt die Erinnerung an jene Zeit exzessiv zu Propagandazwecken. Eine tatsächliche Aussöhnung erscheint damit sieben Jahrzehnte nach Kriegsende unwahrscheinlicher denn je. „Japan hat sich nie für das Massaker entschuldigt“, schreibt in China der Verein für zivile Forderungen gegen Japan in einem offenen Brief an die japanische Regierung. Vertreter der japanischen Regierung verweisen dagegen zu Recht auf eine lange Reihe von Entschuldigungen.

Chinas Haltung irritiert

Die jüngste hat Premier Shinzo Abe vor zwei Jahren vorgetragen. Dennoch tut sich Japan schwer damit, Schuld symbolisch anzuerkennen und relativiert alle Eingeständnisse schnell wieder. Abe selbst sagte bei anderer Gelegenheit, man müsse ja nicht ewig auf der Schuld herumreiten. Japanische Medien nennen die Ereignisse oft verharmlosend die „Zwischenfälle von Nanjing“.

Am 13. Dezember 1937 hatten die japanischen Truppen die Großstadt Nanjing am Yangzi-Fluss eingenommen. In den Wochen danach wüteten die Soldaten mit unfassbarer Grausamkeit unter der Zivilbevölkerung der Stadt, wie Augenzeugen später berichteten. Sie vergewaltigten und ermordeten Frauen und Mädchen. Andere Opfer trieben sie zusammen, um sie bei lebendigem Leibe mit Benzin zu übergießen und zu verbrennen. Der deutsche Augenzeuge John Rabe, damals für Siemens in Nanjing eingesetzt, bestätigte die Berichte von den Grausamkeiten. Das Tokioter Kriegsverbrechertribunal schätzte 1947 nach Anhörung von Zeugen, dass es rund 200 000 zivile Opfer gab.

Die Verbrechen sind real, doch aus deutscher Sicht irritiert die chinesische Haltung heute. Staatsmedien und Politiker nennen immer wieder den Kniefall Willy Brandts am Ehrenmal für die Toten des Warschauer Ghettos als Vorbild für Japan. So eine Geste fordern sie auch von Tokio. Tatsächlich lässt China den Japanern durch solche Maximalansprüche nur wenig Raum für eine tatsächliche Annäherung.

Die Botschafter Deutschlands und Frankreichs in China versuchten am Mittwoch in einem gemeinsamen Zeitungsbeitrag, den europäischen Geist der Versöhnung zu erklären. Grundlage für die Aussöhnung in Europa sei auch die Bereitschaft der Sieger gewesen, großzügig die Hand auszustrecken – Deutschland habe das Angebot dankbar angenommen. „Es muss nicht nur Bereitschaft der Täter da sein, zu seiner Schuld zu stehen, sondern auch Bereitschaft der Opfer zur Vergebung“, schrieben die Diplomaten in der chinesischsprachigen Online-Ausgabe der Zeitung „Financial Times“. Die Bundesregierung will sich jedenfalls nicht für einen Konflikt zwischen zwei asiatischen Ländern instrumentalisieren lassen. An der Veranstaltung in Nanjing hat daher kein deutscher Vertreter teilgenommen.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier China

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen