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Martin Korol SPD-Mann verglich Genossen mit Nazis

Ein Bremer SPD-Politiker fällt mit fremden- und frauenfeindlichen Äußerungen auf. Recherchen zeigen: Er hat auch einige Sozialdemokraten und Grüne in die Nähe von Nazis gerückt. Der SPD-Landesvorstand berät über Konsequenzen.

Erst seit wenigen Tagen ist Martin Korol (SPD) Mitglied der Bremischen Bürgerschaft. (Im Bild) Dennoch steht er bereits im Zentrum eines politischen Skandals. Foto: Imago/Michael Bahlo

Der heutige Bremer SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Martin Korol, der kürzlich durch Roma- und frauenfeindliche Texte für Aufsehen sorgte, hat bereits 2012 einige Sozialdemokraten und Grüne in die Nähe der Nazis gerückt. Sie würden sich zu sehr um Minderheiten kümmern.

„So wie die Nazis nicht müde wurden, ihrem Feindbild ständig neue Gruppen und Personen hinzuzufügen, so entdeckt Ihr ständig neue Gruppen, derer Ihr Euch annehmt, weil sie Hilfe brauchen und weil mit ihnen gut anzuklagen ist“, schrieb der heutige Abgeordnete 2012 in einem Aufsatz „Hilfe für Intersexuelle“ auf seiner inzwischen weitgehend abgeschalteten Homepage.

Und weiter: „Ich fürchte eben nur, dass sich da gerne Politiker der Menschen in Not bedienen, um sich selbst zu profilieren und bedienen.“ Dies, so der katholische Sozialdemokrat, sei „verlogen wie meine heilige Mutter Kirche. Also, bitte nicht übertreiben mit der deutschen Fürsorge!“

Homepage weitgehend abgeschaltet

Am wenigsten Aufmerksamkeit und Zuwendungen, beklagte der heute 68-Jährige, bekämen dagegen die Männer ab 60. „Ohne uns bräche der Laden zusammen. Wir kümmern uns um alles in Familie, Verein und Politik, aber in welcher Begegnungsstätte, in welchem Altersheim gibt es denn einen Billardtisch, einen Fußballkicker und eine Dart-Scheibe? In Bremen in keiner. Die Frauen sind im Focus und denen genügt ein Kännchen Kaffee mit einem Stück Kuchen dabei, um mit anderen Frauen über das Leben und die allfälligen Krankheiten zu reden.“

Zuletzt hatte der Parlamentsnachrücker in einem Text über den Roma-Zuzug aus Südosteuropa behauptet, Sinti und Roma lebten „sozial und intellektuell noch im Mittelalter“; ihre Männer hätten keine Hemmungen, „die Kinder zum Anschaffen statt zur Schule zu schicken, ihren Frauen die Zähne auszuschlagen und sich selber Stahlzähne zu gönnen“. In einem anderen Homepage-Text hatte er den „Massenmord der Abtreibungen“ und den „Wahn der sog. ‚Selbstverwirklichung der Frau’“ beklagt.

Nach Kritik der Bremer SPD-Führung überarbeitet der pensionierte Deutsch- und Geschichtslehrer jetzt seine Homepage. Dort ist zurzeit nur noch der Hinweis zu lesen, er überprüfe, ob seine früheren „Gedankenspiele“ noch „zu meinem neuen Amt passen“.

Der SPD-Landesvorstand will in einigen Tagen über etwaige Schritte gegen Korol beraten. 

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