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Marihuana-Handel in Uruguay Cannabis in Uruguay nun legal

Uruguay hat den begrenzten Handel mit Marihuana legalisiert. Das Parlament hat am Dienstag ein Gesetz angenommen, das den Verkauf von begrenzten Mengen in Apotheken erlaubt. Auch der Anbau unter staatlicher Kontrolle soll nun gestattet werden - als erstes Land weltweit.

Menschen versammeln sich vor dem Kongressgebäude in Montevideo, während das Parlament ein neues Marihuana-Gesetz verabschiedet. Foto: rtr

Als erstes Land der Welt legalisiert Uruguay den Anbau und Verkauf von Marihuana unter staatlicher Kontrolle. Damit soll den Drogenkartellen die Basis entzogen werden. Der Senat stimmte nach zwölfstündiger Debatte mit 16 gegen 13 Stimmen dem Gesetzentwurf zu, der im Juli bereits von der Abgeordnetenkammer gebilligt worden war.

Es sei „keine schöne Entscheidung“, Rauschmittel zu legalisieren, räumte Staatschef José Mujica ein, aber sie sei nötig, „um die Menschen nicht dem Drogenhandel auszuliefern“. In Uruguay ist der Konsum von Marihuana seit Jahrzehnten erlaubt, nicht aber der Handel und der Anbau. Dieser Widerspruch wird nun getilgt.

Maximal 40 Gramm monatlich

Künftig können registrierte Konsumenten maximal 40 Gramm pro Monat in Apotheken kaufen. Auch der Anbau von bis zu sechs Pflanzen pro Person ist dann legal, ferner werden Züchter-Vereine zugelassen, die bestimmte Mengen gemeinsam anbauen dürfen. Ausländer und Minderjährige sind ausgeschlossen, Werbung soll es nicht geben. Das Gesetz tritt im April 2014 in Kraft. Bis dahin sollen die Behörden die letzten Details der Legalisierung und Kontrolle geklärt haben. In etwa einem Jahr dürften die ersten legalen Pflanzen erntebereit sein.

Den Befürwortern zufolge werden zehn bis zwanzig Hektar Marihuana-Plantagen in Treibhäusern ausreichen, um den Bedarf jenseits des Eigenanbaus zu decken. Uruguay hat nur 3,5 Millionen Einwohner. Das Volumen des illegalen Handels wird zurzeit auf rund 22 Millionen Euro geschätzt.

Dem einzigartigen „gesellschaftspolitischen Experiment“, wie der 78-jährige Mujica sagt, schlägt jede Menge Misstrauen entgegen. Umfragen zufolge lehnen knapp zwei Drittel der Uruguayer die Liberalisierung ab. Die Opposition befürchtet, ein Teil der Produktion werde auf dem Schwarzmarkt landen. Wie viel jeder Registrierte am Ende anbaue, sei kaum zu kontrollieren. Jugendliche kämen leichter als bisher in die Versuchung, Marihuana zu probieren und später auf Härteres umzusteigen. Der Verbrauch werde zunehmen, und ausländische Kiffer-Touristen würden nach Uruguay pilgern, weil sie über Inländer leicht an Marihuana kämen.

Patienten statt Kriminelle

Auch international hält sich der Beifall für die neuen Wege in Grenzen, die Uruguay beschreitet. Zwar tritt seit Jahren ein Gremium von früheren lateinamerikanischen Staatschefs energisch für eine Wende in der Drogenpolitik ein, weil die bisherige Repression seit Jahrzehnten immer von neuem scheitere und den ganzen Halbkontinent ins Unglück stürze.

Aber jenseits der Forderung, die Konsumenten nicht mehr als Kriminelle, sondern eher als Patienten zu behandeln – also etwa die europäische Position -, ist unklar, worin genau die Wende bestehen könnte.

Insofern ist Uruguays Schritt tatsächlich, wie Mujica sagt, ein gesellschaftspolitisches Experiment, das freilich von den Nachbarn misstrauisch beäugt wird. „Wir sagen ihnen ja nicht, dass sie uns das nachmachen sollen, aber wir wollen ihnen garantieren, dass das legal angebaute Marihuana nicht auf ihre Schwarzmärkte gelangt“, sagt Julio Calzada, Chef der uruguayischen Drogenbehörde, „das ist unsere Pflicht“.

Mexiko und Brasilien haben bereits besorgte Experten-Kommissionen geschickt. Als „Utopie“ hat Horacio Cartes, der Präsident von Paraguay, den Vorstoß Uruguays abgetan. Paraguay ist der größte Marihuana-Produzent der Region.

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