Lade Inhalte...

María Elósegui beim EuGH Homophobe Richterin

María Elósegui urteilt bald am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Sie fällt immer wieder mit kruden Ansichten auf - ein Porträt.

María Elósegui
María Elósegui ist in Spanien umstritten. Foto: Picasa

María Elósegui ist die Beste, findet sie selbst. „Ich habe gewöhnlich einen besseren Lebenslauf als meine konkurrierenden männlichen Kollegen“, sagte sie in einem Interview, das die spanische Zeitung „El País“ am Freitag veröffentlichte. Nein, sie sei keine Quotenfrau, aber wenn man sie so nennen wolle, habe sie auch nichts dagegen.

Elósegui ist in dieser Woche von der Parlamentarischen Versammlung des Europarats zur Richterin am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg gewählt worden. Wobei sie zwei Männer ausstach. Eine Frau am männerdominierten Menschenrechtsgerichtshof: Das kam in Spanien als gute Nachricht an. Bis die linke Netzzeitung eldiario.es den Lebenslauf von Elósegui mal genauer unter die Lupe nahm. Und überraschende Dinge zum Vorschein brachte. 

Die 60-jährige Elósegui ist Professorin für Rechtsphilosophie an der Universität Zaragoza. Aus Gründen, die nur ihr bekannt sind, hat sie sich immer wieder mit der menschlichen Sexualität befasst. Und ist dabei zu einem bemerkenswerten Schluss gekommen: „Wer sein sexuelles Verhalten im Einklang mit seinem biologischen Geschlecht aufbaut und verwirklicht, entwickelt einen ausgewogenen und gesunden Lebenswandel. Und wer darauf beharrt, gegen seine Biologie anzugehen, wird verschiedene Pathologien entwickeln. Das ist klar.“ So lässt es sich auf der Opus-Dei-nahen Website almudi.org nachlesen.

Die Reporter von eldiario.es wollten mit Elósegui gerne über diese und andere Perlen aus ihrem Munde reden, aber bis zum Freitag antwortete sie der Zeitung nicht. Dafür sprach sie mit „El País“: „Ich glaube nicht, dass ich die Sätze, die mir zugeschrieben werden, gesagt habe“, erklärt sie da. „Sie werden sie verdreht haben.“

Im Netz lässt sich nun aber vieles nachlesen und auch nachhören, was die künftige Menschenrechtsrichterin im Laufe der vergangenen Jahre gesagt hat. Etwa, dass die Transsexualität „eine Krankheit, ein Leiden, eine Pathologie, eine Tragödie“ sei. Vielleicht meint sie das tatsächlich nicht böse, vielleicht denkt sie an das individuelle Drama des Menschen, der entdeckt, im falschen Körper zu stecken. Dass es Betroffenen nicht hilft, zum „Kranken“ erklärt zu werden, ist der Juristin offenbar nicht durch den Kopf gegangen.

Auf die Frage, ob auch die Homosexualität aus ihrer Sicht eine Pathologie sei, antwortet Elósegui im „El-País“-Interview ausweichend: „Nein, ich glaube nicht, dass die Homosexualität Pathologien verursacht.“ Aber an die homosexuelle Treue glaube sie nicht, das schreibt sie in einem Buch aus dem Jahr 2002: Das „homosexuelle Verhalten“ sei, „wie man weiß, viel zwanghafter und führt dazu, eine große Zahl von Partnern zu haben“. Skeptisch äußert sie sich auch über den Gebrauch von Kondomen, die nicht die Übertragung aller Geschlechtskrankheiten verhinderten und außerdem Vergewaltigungen begünstigten. Und Sexualkunde für Jugendliche solle es nur mit dem Einverständnis der Eltern geben.

Elósegui ist mutmaßlich Mitglied der erzkonservativen katholischen Laienorganisation Opus Dei, das sei aber eine Frage, „die zum Privatleben gehört“, sagt sie im „El-País“-Interview. Sie glaubt trotzdem, eine gute Richterin sein zu können, sie werde sich an die geltenden Normen halten, „unabhängig davon, was ich denke“. Etliche spanische Politiker und Aktivisten denken anders und haben sie am Freitag zum Rückzug aufgefordert. Alberto Garzón von der Vereinten Linken fasste das Unbehagen so zusammen: „Sie spiegelt nicht wider, was Spanien ist.“

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen