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Manöver „Anakonda“ Kreml kritisiert Nato-Großmanöver in Polen

An der Übung „Anakonda“ kurz vor dem Gipfel in Warschau nehmen 31.000 Soldaten teil. Kremlsprecher Peskow sagt, die Übung trage nicht dazu bei, Vertrauen zu schaffen.

Nato-Manöver „Anakonda“ in Polen: 31.000 Soldaten nehmen teil. Foto: dpa

Es ist das größte Manöver von Nato-Truppen, das jemals in Polen stattgefunden hat: Am Dienstag haben in Polen auf zehn Tage angelegte Übungen von Truppen aus 19 Nato-Staaten sowie fünf verbündeten Ländern begonnen – darunter auch der Ukraine. Mehr als 31 000 Soldaten, unter ihnen rund 14 000 US-Amerikaner, 12 000 Polen sowie auch ein rund 400 Mann starker deutscher Pionierverband werden an den Manövern teilnehmen. Bereits gestern haben 2000 Soldaten eine große Luftlandung bei Thorn geübt.

Zeitpunkt und Ort der Manöver sind nicht zufällig. Zwar laufen in Polen bereits seit 2006 alle zwei Jahre im September kleinere Übungen unter der Bezeichnung Anakonda ab. Doch in diesem Jahr wurden sie vorverlegt. Denn in vier Wochen findet in Warschau der Nato-Gipfel statt und die Manöver gelten als Abschreckung gegen eine mögliche russische Invasion in Polen sowie in den baltischen Staaten.

Prestige-Erfolg für PiS

„Ziel der Übungen ist die Überprüfung der Fähigkeit der Nato-Staaten, das Territorium der Ostflanke der Allianz zu verteidigen“, sagte Polens Verteidigungsminister Antoni Macierewicz. Die einzelnen Manöver zu Land, zu Wasser in der polnischen Ostsee sowie in der Luft werden von polnischen und US-amerikanischen Generälen geleitet und an zwölf Orten abgehalten. Zwar liegt keiner davon in Ostpolen oder in räumlicher Nähe von Polens Grenze zu Russland (Exklave Kaliningrad) und das Manöver ist offiziell eine polnische und keine Nato-Übung. Dennoch zeigt sich die russische Regierung brüskiert.

Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte, die Übung trage nicht dazu bei, eine Atmosphäre von Vertrauen und Sicherheit zu schaffen. Russland hatte an seinen Westgrenzen in den vergangenen Monaten jedoch ebenfalls Manöver abgehalten.

Doch auch innerhalb der Nato ist Anakonda nicht unumstritten. Nato-Vertreter hatten in inoffiziellen Stellungnahmen gegenüber Medien Bedenken geäußert, die Übungen seien „zu plump auf Russland gemünzt“, es werde „ohne Not der Ernstfall durchexerziert“.

Für die in Warschau regierende, nationalkonservative Recht und Gerechtigkeit (PiS) ist das Manöver indes ein Prestigeerfolg. Seit ihrem Machtantritt vor gut einem halben Jahr zeigt sich die Regierung deutlich russlandkritischer als ihre Vorgänger. Unter Verteidigungsminister Macierewicz wurde zuletzt eine Aufstockung der regulären Truppen beschlossen.

Die Beteiligung ukrainischer und georgischer Verbände am Manöver geht ebenfalls auf Warschau zurück. Die Regierung pocht zudem darauf, dauerhaft Nato-Truppen in Polen zu stationieren – eine Forderung, der Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg auch bei seinem Besuch in Warschau in der vergangenen Woche nicht nachgab und lediglich von „rotierenden Einheiten“ sprach.

Zivilist stirbt bei Autounfall

Am Rande des Nato-Militärmanövers ist ein Mensch bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Wie ein polnischer Militärsprecher am Mittwoch mitteilte, wurden der Fahrer eines zivilen Autos getötet und ein Beifahrer schwer verletzt, als ihr Wagen auf einer Autobahn im Westen Polens mit einem US-Militärtransporter kollidierte. Der Transporter war demnach Teil eines Konvois, der wegen des Manövers unterwegs war. (mit afp)

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