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Mandela-Gedenkfeier Obama attackiert Trump

Bei der Gedenkfeier von Nelson Mandela kritisiert der ehemalige US-Präsident seinen Nachfolger.

Obama
Tanzeinlage: Graça Machel (v. l.), Witwe von Nelson Mandela, Barack Obama, Sängerin Thandiswa Mazwai und Cyril Ramaphosa. Foto: afp

Ohne auch nur einmal den Namen seines Nachfolgers zu nennen, ist der ehemalige US-Präsident Barack Obama mit dem gegenwärtigen Staatschef der Vereinigten Staaten, Donald Trump, scharf ins Gericht gegangen. „Menschen, die sich selber aufblasen, um andere niederzumachen, haben ein kleines Herz“, sagte Obama am Mittwoch anlässlich der Feier des 100. Geburtstags Nelson Mandelas in Johannesburg in einer unmissverständlichen Anspielung auf seinen Nachfolger. 

Obama fuhr fort: „Einige Menschen glauben offenbar nicht an Fakten, sie erfinden Zeugs.“ Politiker würden immer wieder lügen, sagte der 44. Präsident der USA: „Aber in der Vergangenheit haben sie wenigstens mit dem Lügen aufgehört, wenn sie erwischt worden sind, das scheint heute nicht mehr der Fall zu sein.“

In seiner ersten Grundsatzrede nach seinem Amtsende vor eineinhalb Jahren zeichnete Obama das Bild einer von zwei unterschiedlichen Kräften aufgeriebenen Welt. Während sich die Menschheit noch bis vor wenigen Jahren auf dem Weg zu mehr Demokratie, mehr Toleranz und größerem Wohlstand befunden habe, sei inzwischen deutlich geworden, dass die alten Strukturen von Machtmissbrauch, Ausbeutung, Rassismus und religiöser Intoleranz niemals wirklich überwunden worden seien: „Die Politik der starken Männer, der Furcht und des Ressentiments ist wieder auf dem Vormarsch“, sagte Obama.

Heute stießen zwei „sehr unterschiedliche Visionen und Weltverständnisse“ aufeinander, erläuterte der ehemalige US-Präsident: Die Vision von der Gleichheit und der Würde des Menschen, die Nelson Mandela verkörperte, und die zynische Hervorhebung der angeblichen Unterschiede der Menschen. Obama forderte die rund 15.000 Zuhörer auf, für Mandelas Vision einzutreten: „Zu sagen, dass unsere Vision von der Zukunft der Menschen besser ist, bedeutet nicht, dass sie auch gewinnen wird, wir müssen härter daran arbeiten.“ 

Grundsätzlich aber gelte: „Right makes might“, wer Recht habe, werde schließlich auch die Macht erringen. „Ich glaube an die Vision Nelson Mandelas, an die Vision Gandhis und Martin Luther Kings. Ich glaube an Gerechtigkeit und dass die Menschen gleich geschaffen sind.“ 

Der rund 45-minütige Vortrag Obamas wurde immer wieder von starkem Beifall der Zuhörer unterbrochen: Es handelte sich um die 16. Nelson-Mandela-Vorlesung, die jährlich in Südafrika von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens gehalten wird. 

Bei seiner Einführung wurde Obama sowohl von der Mandela-Witwe Graça Machel wie vom amtierenden südafrikanischen Präsidenten Cyril Ramaphosa mit Nelson Mandela verglichen: Beide erhielten den Friedensnobelpreis, waren die ersten dunkelhäutigen Präsidenten ihres Landes und wurden von denselben Idealen inspiriert. „Nur tanzen konnte Nelson Mandela wesentlich besser“, fügte Ramaphosa hinzu, nachdem Obama bei einem Lied auf der Bühne mittänzelte. 

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