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Malaysia Das Ende einer Luxuskarriere

Malaysias ehemaligem Regierungschef wird wegen Vorteilsnahme im Amt der Prozess gemacht. Zu dreist hat Najib Razak sich den Verlockungen der Macht hingegeben.

Former Malaysian prime minister Najib Razak walks to a courtroom, after his arrival in court in Kuala Lumpur
Najib Razak (im Anzug) erscheint vor Gericht. Foto: rtr

Das freundliche Lächeln, mit dem Malaysias im Mai abgewählter Premierminister Najib Razak einst auf jede Kritik reagierte, wirkte reichlich aufgesetzt, als er am Mittwoch in dezentem Anzug mit Krawatte aus einer Gefängniszelle zu einem Gerichtssaal in Kuala Lumpur geführt wurde. Dutzende Polizeibeamte, die ihm einst dienstfertig jeden Wunsch von den Lippen lasen, packten den prominenten Gefangenen an den Oberarmen, um mit Najib durch einen aufgeregten Pulk von Fotografen zu drängen.

Im Gerichtssaal wurde es noch ungemütlicher. Generalstaatsanwalt Tommy Thomas – vor seiner Ernennung nach der Wahl oft und lange Objekt der Einschüchterung durch Najibs Leute – warf dem Ex-Regierungschef Korruption in drei Fällen vor, darunter die Unterschlagung von rund 680 Millionen US-Dollar, die auf seinem Privatkonto landeten. Während seiner Regierungszeit hatte Najib die Summe als ein Geschenk der saudischen Königsfamilie schöngeredet. Nun aber diesen Fall wieder aufs Tapet zu bringen, geriet zur ersten öffentlichen Demütigung des Mannes, der in seiner Amtszeit seit 2009 vor keiner Finte, keinem Trick und keiner Drohung zurückgeschreckt hat, um Vorwürfe der Unterschlagung von Milliarden des von ihm aufgelegten „1MDB (Malaysia Development Berhad) Fonds“ abzuwehren.

„Ich bin nicht schuldig“, behauptete der abgewählte Premierminister vor Gericht. Dann zahlten seine Anwälte, die die strafrechtliche Verfolgung Najibs als „politische Rache“ bezeichneten, umgerechnet eine Viertelmillion US-Dollar Kaution, um ihn bis zum Beginn seines Prozesses nächsten Februar von weiterer Haft zu verschonen.

Vergangene Woche schon hatte Najib ein Video von sich verbreiten lassen, in dem er sagt: „Ich hatte bislang keine Gelegenheit, mich zu verteidigen.“ Das Lamento erinnert seine Landsleute an ebensolche Aussagen von Najib-Gegnern während der vergangenen Jahre bei ihren Problemen mit der Justiz. Einer der prominentesten war Oppositionsführer Anwar Ibrahim, der wegen angeblicher homosexueller Akte im Gefängnis landete und erst kurz nach der Mai-Wahl wieder entlassen wurde. Najib, der Dienstagnachmittag festgenommen worden war und am Mittwoch seinen zivilen wie seinen diplomatischen Pass abgeben musste, hat in den Augen vieler Malaysier längst schon ein Schuldgeständnis abgelegt, als er kurz nach Wahl versuchte, in einem gecharterten Flugzeug außer Landes zu fliehen.

Najib – und seiner Frau Rosmah – wird auch die Liebe zum Teuren zum Verhängnis. Bei Hausdurchsuchungen in mehreren Wohnungen beschlagnahmte die Polizei Schmuck und Luxusgüter im Wert von 272 Millionen Dollar. „Das ist eine Frage der Schätzung des Werts“, versuchte Najib die enorme Summe zu relativieren. Derweil lasten US-Behörden ihm eine Schlüsselrolle beim Verschwinden von 4,5 Milliarden US-Dollar aus seinem „1MDB Fonds“ an. Mehrere andere Länder, darunter die Schweiz und Singapur, strengen ebenfalls Untersuchungen wegen möglicher Veruntreuung an.

In Malaysia wollen die neuen Mächtigen sich schon einen großen Schritt weiter sehen: „Wir haben einen fast perfekten Fall“, verkündete der neue Premier Mahathir Mohammed bereits vor einigen Tagen. Der jetzt 92-Jährige, der schon von 1981 bis 2003 mit eiserner Hand über Malaysia herrschte, war angesichts der vielen Verfehlungen Najibs zum Hoffnungsträger der demokratischen Opposition geraten. Mit dem Greis an der Spitze seiner Gegner nutzten Najib nicht mal mehr die Wahlkreismanipulationen, mit denen er sich an der Macht halten wollte.

Mahathir sinnt freilich auch ganz egoistisch auf Vergeltung. Er will Malaysia die Neuauflage einer seiner Lieblingsideen bescheren, der Najib den Garaus gemacht hat – er verscherbelte den Autokonzern Proton, den Mahathir einst gründen ließ. Und jetzt will Mahathir einen neuen Autokonzern „Made in Malaysia“ aufbauen. Wie viel Sinn so etwas macht, spielt für die Menschen in Malaysia eine geringe Rolle – Hauptsache ist, dass Najib der Prozess gemacht wird. Er ist einer der wenigen Mächtigen in diesem Teil der Welt, die sich für ihre Verfehlungen verantworten müssen.

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