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Mängelliste Die Pannen-Serie

Die Liste der Mängel in der Bundeswehr ist lang. Die FR gibt einen Überblick.

G36
G36 im Manöver. Foto: afp

Die Liste der Mängel beim Gerät der Bundeswehr ist lang. Die FR gibt einen Überblick.

Temperamentvolles Gewehr

Es ist die Standardwaffe der Bundeswehr: das Sturmgewehr G36. In Labortests zeigt die Waffe vom Hersteller Heckler & Koch jedoch Mängel in der Präzision. Wenn das G36 bei hohen Außentemperaturen oder in hoher Frequenz feuert, ist es nicht mehr treffsicher. Daher ordnete Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen 2015 an, das G36 auszumustern. Sicherheitsexperte Torben Schütz sieht für die Probleme eine einfache Ursache: „Es wurde nicht für den Einsatzzweck gebaut, für den es jetzt genutzt wird.“ Die klimatischen Bedingungen in Afghanistan und Mali – wo es zuletzt eingesetzt wurde –, unterschieden sich deutlich vom mitteleuropäischen Klima, für das es in den 90er Jahren entwickelt wurde. Die Suche nach einem Nachfolger dauert an. Schütz hält es für wahrscheinlich, dass er auch von Heckler & Koch stammen und 2019 das G36 ablösen wird.

Der neue Transportflieger A400M

Auch beim A400M gibt es Probleme. Dabei gilt er eigentlich als das modernste militärische Transportflugzeug der Welt. Bekannt ist er aber als „Pannenflieger“, der etwa im Februar 2017 schlappmachte. Damals ausgerechnet an Bord: Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU). Sie erlebte mit, wie der Militärtransporter bei seinem ersten Flug mit einem Triebwerkschaden im litauischen Kaunas liegenblieb.

Bisher hat die Bundeswehr 16 Maschinen dieses Flugzeugtyps erhalten. Insgesamt hat sie 53 Maschinen bei Airbus bestellt, um die alten Transportflugzeuge vom Typ Transall zu ersetzen. Selten kann die Luftwaffe den Airbus benutzen. „Zum Ende des Berichtsjahrs stand zeitweise keine der in Dienst gestellten 14 Maschinen für den Einsatz bereit“, heißt es im Bundeswehr-Jahresbericht.

U-Boote auf dem Trockenen

Das Problem mangelhaften Gerätes zeigt sich auch bei den U-Booten. Insgesamt sechs Exemplare hat die Deutsche Marine. Seit das Unterseeboot U35 nach einer Havarie im Oktober vergangenen Jahres mit einem Ruderschaden in die Werft musste, fährt kein einziges mehr. Es fehlen die Ersatzteile, die Truppe hat keine vorrätig. Die Deutsche Marine muss darauf warten, bis die Industrie die Ersatzteile nachliefert.

Die nicht startbereiten U-Boote sind laut Torben Schütz ein Nachteil für die Crew und ihr Training. „Die Ausbildung im Boot ist schon etwas anderes“, sagt er. Es sei vorstellbar, dass Ende dieses Jahres drei U-Boote wieder einsatzbereit seien. Der Sicherheitsexperte rechnet damit, dass die Deutsche Marine bereits Mitte des Jahres auf ein Exemplar zurückgreifen kann.

Der Paradepanzer

Der Leopard-2-Kampfpanzer ist Deutschlands Paradewaffe. 244 Exemplare hat die Bundeswehr selbst davon, nur 95 sind aber einsatzbereit. Das geht aus dem Bundeswehr-Jahresbericht 2017 hervor. Darin heißt es, dass die Einsatzbereitschaft des Leopard 2 „eine kritische Marke erreicht habe“.  Werkstattaufenthalte wegen Umrüstungen und Reparaturen seien ein Grund für die niedrige Einsatzquote. DGAP-Sicherheitsexperte Schütz hat eine andere Erklärung für die Probleme des Panzers.

„In der Prioritätenliste der Bundeswehr stand er in den vergangenen 20 Jahren nicht weit oben“, sagt er. Deutschland habe bei den Auslandseinsätzen – außer im Kosovo 1999 – keine Leo-2-Panzer eingesetzt. Andere Waffensysteme wie minengeschützte Fahrzeuge rückten dafür in den Vordergrund – zum Nachteil des Kampfpanzers. „Man hat wohl in der Zeit zu wenig Ersatzteile für den Leopard 2 gekauft“, vermutet Schütz. „Diese Ersatzteile kauft man nicht im nächsten Baumarkt.“

Fregatte, digital blockiert

Pannen und Verzögerungen zeigen sich auch beim neuen Fregattentyp F125. Die Schiffe der „Baden-Württemberg-Klasse“ sollten eigentlich Vorzeigestücke werden: fast 150 Meter lang, etwa 7000 Tonnen schwer, Kosten von jeweils rund 650 Millionen Euro. Aber auch sie haben Mängel: Nachdem sich beim Funktionstest der „Baden-Württemberg“, dem ersten und namensgebenden Schiff der Reihe, Probleme mit Hard- und Software zeigten, muss das Herstellerkonsortium unter Thyssen-Krupp nachbessern.

Dazu wurde die „Baden-Württemberg“ Mitte Januar zur Reparatur in eine Hamburger Werft gebracht. Aber auch bei der Nummer zwei, der „Nordrhein-Westfalen“, soll es laut „Spiegel“ Probleme geben. Wenn alles glattläuft, sollten die beiden Schiffe im Verlauf des Jahres 2018 einsatzbereit sein. Ursprünglich hätte die neue Fregatte bereits 2016 eingesetzt werden sollen.

Textile Mangelware

Ein weiteres Problemfeld der Bundeswehr: Es fehlt an Ausstattung wie Schutzwesten, Winterbekleidung und Zelten. Das geht aus einem Papier des Verteidigungsministeriums hervor, das unter anderem der „Rheinischen Post“ vorliegt. So heißt es dort, dass für den Zeitraum von 2018 bis 2020 etwa 10 000 „Unterbringungseinheiten“ – also Zelte – gebraucht werden. 2500 stünden zurzeit zur Verfügung. Die seien für den Nato-Einsatz, bei dem sie genutzt werden sollen, aber ungeeignet. Die Bundeswehr stellt 2019 die „schnelle Speerspitze“ der Nato. Jens Flosdorf, Sprecher des Verteidigungsministeriums, wiegelte auf der Bundespressekonferenz am Montag jedoch ab: Es sei üblich, in der Vorbereitung auf solche Aufgaben festzuhalten, was gebraucht werde. „Das heißt nicht, dass die benötigte Ausrüstung in der Bundeswehr grundsätzlich nicht verfügbar oder in dem gebotenen Zeitraum nicht beschaffbar ist.“

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