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Mängel bei US-Behörden Und täglich grüßt die Fahndungspanne

Fast wäre Faisal Shahzad den US-Behörden entwischt - ihm wird das Attentat in New York zur Last gelegt. Die fehlgeschlagene Aktion zeigt wieder Mängel bei der Flugverbotsliste auf. Von Dietmar Ostermann

06.05.2010 00:05
Von Dietmar Ostermann

Washington. Nach der Festnahme des mutmaßlichen Bombenlegers von New York sind Hintergründe und Motiv weiter unklar. Derweil wurde in den USA am Mittwoch vor allem eine Fahndungspanne diskutiert: Der inzwischen angeklagte US-Bürger Faisal Shahzad hätte womöglich beinahe das Land unbehelligt verlassen.

Am Dienstag hatte US-Justizminister Eric Holder noch "beispielhafte Ermittlungen" gerühmt, weil zwischen Anschlagsversuch auf dem Times Square und Verhaftung nur 53 Stunden und 20 Minuten lagen. Am Tag darauf freilich hagelte es Kritik.

US-Medien zufolge war der gebürtige Pakistaner bereits in seinem Wohnort bei Bridgeport im Gliedstaat Connecticut observiert worden, nachdem die Ermittler ihn zügig als Käufer des am Samstag auf dem Times Square mit einem primitiven Sprengsatz abgestellten Geländewagens identifiziert hatten.

Die Bombe explodierte nicht und konnte entschärft werden. Am Montag hätten die Beschatter Shahzads Spur dann jedoch verloren, zitierte die Washington Post einen Beamten. Montagmittag um 12.30 Uhr wurde er in die Liste der Terrorverdächtigen des nationalen Anti-Terror-Zentrums aufgenommen. Von diesem Zeitpunkt an hätte er in den USA kein Flugzeug mehr besteigen dürfen.

Doch Stunden später saß er in einer Boeing 777 auf dem JFK-Flughafen in New York.

Gegen 18.30 Uhr hatte Shahzad offenbar problemlos bei der Emirate-Airline einen One-Way-Flug nach Pakistan über Dubai gebucht. Später passierte er unbehelligt die Sicherheitskontrollen und wurde gegen 23 Uhr an Bord der Maschine gelassen. Erst Minuten vor dem Start ging ein Grenzbeamter noch einmal die Passagierliste durch - und schlug Alarm.

Beamte hätten das Flugzeug erst erreicht, als die Türen schon geschlossen waren, hieß es. Zwar versicherte Justizminister Holder, er habe nie befürchtet, Shahzad könne entkommen. Heimatschutzministerin Janet Napolitano erklärte, man hätte das Flugzeug auch umkehren lassen können, wenn es bereits gestartet wäre.

"Wenn er auf der Flugverbotsliste war, bevor er zum Flughafen kam, hätte er die Maschine nie betreten dürfen", kritisierte hingegen die republikanische Senatorin Susan Collins. Peinlich ist die Panne, weil nach dem knapp gescheiterten Flugzeuganschlag Weihnachten 2009 die Flugverbots-Listen eigentlich auf Vordermann gebracht werden sollten. Obwohl der Vater des damaligen Attentäters Omar Farouk Abdulmutallab US-Behörden vor seinem Sohn gewarnt hatte, war dieser im Dezember mit US-Visa nach Detroit gereist.

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