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Macron bei Trump Wie Macron Trump umzustimmen versucht

Nach pompösem Empfang in Washington wird die Iran-Politik zum Lackmustest für Macron.

Trump, Macron und Gattinnen
Präsidenten und First Ladys auf dem Weg zum Fototermin. Foto: rtr

Ganz so viel Nähe hätte sich wohl selbst Emmanuel Macron nicht gewünscht. US-Präsident Donald Trump hatte im Oval Office gerade überschwänglich die guten Beziehungen zwischen den USA und Frankreich gelobt, als er auf dem Anzug-Revers seines Gastes einen kleinen Fremdkörper entdeckte. „Wir haben ein ganz besonderes Verhältnis“, brüstete sich Trump: „Ich mache die Schuppe jetzt weg.“ Stoisch ließ der französische Präsident die ebenso indiskrete wie paternalistische Geste über sich ergehen. 

Ansonsten scheint es dem Franzosen bei seinem Washington-Besuch nicht schwer zu fallen, den Narzissten im Weißen Haus mit Schmeicheleien und Freundlichkeiten zu hofieren. Eifrig twittert er seit seiner Landung am Montag Lobhudeleien. Bei den Begegnungen der Ehepaare wurden leidenschaftlich Hände geschüttelt und Wangenküsse ausgetauscht. Immer wieder legte Macron seine Hand auf Trumps Schulter. Der Amerikaner revanchierte sich für die Ehrerbietung und willkommene Ablenkung von seinem innenpolitischen Chaos mit einem prunkvollen Empfang.

Zur Begrüßung ließ er 21 Kanonenböller abfeuern. Gemeinsam pflanzten beide Politiker eine Eiche im Garten des Weißen Hauses. Am Abend lud Trump zum ersten förmlichen Staatsbankett mit 120 handverlesenen Gästen, güldenen Tellern und kalifornischem Chardonnay von französischen Reben. 

Bereits seit der Einladung Trumps zur Militärparade in Paris fährt Macron eine Charmeoffensive, die in scharfem Kontrast zur nüchternen Distanz der deutschen Kanzlerin steht. Bislang freilich hat die Umarmungsstrategie des französischen Präsidenten wenig Früchte getragen. Das könnte sich nun ändern.

Bei einer Pressekonferenz am Dienstagnachmittag legte der Franzose einen bemerkenswerten Auftritt hin: Während er Trump immer wieder freundschaftlich am Arm tätschelte, benannte er klar die unterschiedlichen Auffassungen vor allem zum Iran-Abkommen und in der Handelspolitik. Den Vertrag will Trump am 12. Mai verlassen, und schon am 1. Mai die Europäer mit Stahl-Strafzöllen bedenken. 

„Wir haben nicht dieselbe Ausgangsposition“, sagte Macron. Aber in der Iran-Politik könne man doch zusammenkommen, wenn man das bestehende Abkommen zur Verhinderung des Atombombenbaus um weitere Vereinbarungen gegen Raketentests und die Destabilisierung der Region erweitere. Zwar blieb offen, wie Teheran dazu bewegt werden sollte. Aber das Interesse des Geschäftsmanns Trumps war geweckt. Das Iran-Abkommen sei „krank und lächerlich“, hatte er morgens noch gepoltert. Nun sagte er: „Ich will einen Deal mit soliden Strukturen.“

In der Handelspolitik schlug Macron ein gemeinsames Vorgehen von Europäern und Amerikanern gegen Überkapazitäten auf dem Stahlmarkt vor. Verbündete sollten sich aber nicht mit Strafzöllen überziehen, mahnte er: „Die Wirtschaft braucht Verlässlichkeit.“ Trump beschwerte sich zwar erneut über unfaire Handels-Ungleichgewichte, sprach aber keine direkten Drohungen aus. 

Das war zumindest ein bemerkenswerter atmosphärischer Wandel. Wie lange die milde Gemütslage anhält, lässt sich bei Trump nie voraussagen. „Keiner von uns wechselt leichtfertig seine Position“, sagte Macron am Ende. Trump hingegen erklärte überraschend: „Man muss im Leben flexibel sein.“

 

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