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Litauischer Politiker Lieber im Urlaub als im Parlament

Linas Karalius ist Rockstar und litauischer Abgeordneter. Nun gibt es Fotos von seinen Ausflügen ins Bangkoker Rotlichtmilieu, Arm in Arm mit Ladyboys. Zeitgleich hat er aber an elf Abstimmungen im Parlament teilgenommen.

Kann auch seriös aussehen: Linas Karalius, Rockstar und litauischer Abgeordneter, in seinem Blog. Foto: Screenshot

Dass sich ein Rockstar auf seiner Facebook-Seite mit spärlich bekleideten Damen ablichten lässt und sich bei Ausflügen ins Bangkoker Rotlichtmilieu Arm in Arm mit Ladyboys zeigt, ist selbst für das katholische Litauen nichts, was Aufsehen erregt. Anders ist das allerdings, wenn besagter Herr zeitgleich im Parlament in Vilnius bei wichtigen Abstimmungen votiert: Die Gabe, gleichzeitig an zwei Orten zu sein, ist selbst für einen Multitasker wie Linas Karalius des Guten zu viel. Jetzt kostet die Schwindelnummer den Parlamentarier und seinen Helfer die politische Karriere, denn das Verfassungsgericht hat sie der groben Verletzung des Grundgesetzes für schuldig gesprochen, und jetzt stehen sie nur noch vor der Wahl, ihre Mandate freiwillig aufzugeben oder geschasst zu werden.

Der 36-jährige Karalius ist in Litauen vor allem als Drummer der Band Zas bekannt. Als bei den letzten Wahlen der TV-Moderator Arunas Valinskas halb im Scherz, halb aus Protest gegen das politische Klima mit ein paar Promi-Freunden die „Partei der nationalen Wiedergeburt“ gründete, war Karalius dabei. Bei der Wahl bekam die Partei 15 Prozent, war auf einmal drittgrößte Fraktion und kurzfristig in der Regierung, ehe sie sich in alle Richtungen aufsplitterte und so schnell abstürzte, wie sie aufgestiegen war. Doch die Gewählten haben ihre Mandate und ihre Pflichten. Auch Karalius.

Den Winter aber verbrachte er lieber mit seiner Freundin im sonnigen Thailand statt im schmuddeligen Vilnius. So flog er ab, ohne das Parlament oder seine Fraktion zu informieren. Seinen Stimmausweis, der für die elektronischen Voten notwendig ist, überließ er dem Kollegen Aleksandr Sacharuk, der elfmal für ihn abstimmte, ehe die Kollegen stutzten: Karalius hatten sie lange nicht gesehen. Zunächst kursierten Gerüchte, er sei mit Drogenproblemen abgetaucht – ehe er braun gebrannt zurückkehrte. Da bestritt er zunächst, im Urlaub gewesen zu sein, wurde durch sein reich bebildertes Facebook-Reisetagebuch aber schnell überführt.

Reumütig zahlte er das während seines einmonatigen Asien-Trips widerrechtlich bezogene Abgeordnetengehalt zurück. Die beiden Übeltäter räumten ein, dass sie die „parlamentarischen Regeln“ verletzt hätten, nicht aber die Gesetze. Das sah das Parlamentskomitee anders: Die beiden hätten „ihren Eid und die Verfassung“ verletzt. Das Verfassungsgericht schloss sich dem an. Wenn die beiden nun nicht zurücktreten, müssen die Abgeordneten über den Rauswurf ihrer Kollegen votieren. Mit den nun berüchtigten Stimmkarten.

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