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Linkspartei „Wir sind die Partei der globalen Gerechtigkeit“

Jörg Schindler, Kandidat für das Amt des Linken-Geschäftsführers, spricht im Interview über seine parteipolitischen Pläne.

Wahlplakate zur Bundestagswahl 2017 in Berlin
?Mich reizt die Aufgabe?, erklärt Jörg Schindler seine Bewerbung um den Spitzenposten. Foto: Juergen Blume (epd)

Herr Schindler, Sie wollen Bundesgeschäftsführer der Linken werden. Warum?
Als Vater sehe ich das, worüber sich viele Eltern gegenwärtig Gedanken machen: Die Geister der Vergangenheit – Krieg, Gewalt, soziale Spaltung – kehren wieder. In meiner Tätigkeit als Anwalt erlebe ich tagtäglich die Ungerechtigkeiten in dieser Gesellschaft. Diese Gesellschaft ist im Umbruch. Wir müssen da offensiver werden und Klartext reden. Die Menschen spüren doch, dass es so nicht weitergehen kann.

Was meinen Sie damit?
Wir brauchen Mehrheiten für Solidarität. Das gilt in der Betriebskantine genauso wie im Bundestag. Was mich hoffnungsvoll stimmt: Im vergangenen Jahr hatten wir so viele Neueintritte wie noch nie, gerade von jungen Menschen. Das zeigt doch: Es gibt einen Block der Solidarischen. Dazu zähle ich mich auch. Bezahlbares Wohnen, höhere Löhne und praktische Hilfe für Geflüchtete, das gehört für uns untrennbar zusammen.

Bisher haben Sie lediglich Erfahrung als stellvertretender Landesvorsitzender von Sachsen-Anhalt. Haben Sie nicht Sorge, dass das Amt eine Nummer zu groß für Sie wäre?
Keineswegs! Ich bin seit vielen Jahren stellvertretender Landesvorsitzender und Gründer einer Anwaltskanzlei in Berlin, Wittenberg und Dessau. Ich bin seit 1990 politisch aktiv und kenne mich wirklich gut mit politischen Organisationsfragen aus – von der Kommune bis zum Bund. Mich reizt die Aufgabe, und ich freue mich darauf. Denn alle müssen jetzt was tun. Wir dürfen die Welt nicht Leuten wie Donald Trump, Jens Spahn und Horst Seehofer überlassen. Wer die Welt fahrlässig in Kriegsabenteuer stürzt und zugleich die sozialen Spannungen verschärft, für den ist übrigens jedes politische Amt zu groß.

Sie kämen außerdem in das Minenfeld zwischen den zerstrittenen Partei- und Fraktionsvorsitzenden. Wie wollen Sie denn verhindern, darin in die Luft zu gehen?
Sehen Sie: Wir erleben einen Rechtsruck – in Deutschland und in Europa. In einer solchen Situation gibt es natürlich Kontroversen, wie wir diese Entwicklung stoppen und ändern können. Das sind keine personellen, sondern politische Kontroversen. Sie sind deshalb in der Sache und in den Gremien zu führen. Das ist auch spannend.

Ist das Ihr Ernst?
Ja, in meinem Landesverband haben wir zum Beispiel viel Raum für Diskussionen über Migrationspolitik geschaffen. Meine Haltung ist dabei klar: Wir müssen Menschen in Not helfen und brauchen darüber hinaus Regeln, die Einwanderung ermöglichen. Wir sind die Partei der globalen Gerechtigkeit – sie fragt nicht nach Landesgrenzen, Herkunft oder Pass. Außerdem stehe ich für eine demokratische Mitgliederpartei, und zwar aus meiner eigenen Beobachtung, die mein politisches Leben seit 1989 begleitet: Jeder Einzelne und auch ich selbst haben schon einmal in einer politischen Frage richtig derb danebengelegen. Das beste Mittel für gute Politik ist deshalb das Wissen der vielen, die gemeinsam handeln und voneinander lernen. Das reduziert die Irrtümer und macht uns stark.

In Ostdeutschland hat die AfD die Linke vielerorts überholt. Haben Sie ein Gegenmittel?
Zunächst mal erzielt die AfD auch im Westen viel zu gute Ergebnisse. Und sie wird aus unterschiedlichen Gründen gewählt: Manche wählen sie aus Überzeugung, weil sie deren rassistische Einstellungen teilen. Es gibt aber auch diejenigen, die der abgehobenen Politik einen Denkzettel verpassen wollen. Um die kämpfen wir, nicht durch Anbiederung, sondern durch Ehrlichkeit: Wer Denkzettel verteilen will, der muss sich mit den Reichen anlegen.

Und wie halten Sie es mit der linken Sammlungsbewegung?
Was meinen Sie? Die Linke ist doch schon eine Sammlungsbewegung! 2004 sind viele Menschen gegen die Agenda 2010 aufgestanden – darunter auch Prominente wie Oskar Lafontaine – und haben die WASG gegründet. Aus ihr und der PDS haben wir die neue Partei Die Linke geschaffen. Gerade stehen wir in den Umfragen stabil bei zehn Prozent und mehr. Wir müssen jetzt gemeinsam mehr werden – als Partei Die Linke und als gesellschaftliche Linke. Unsere Inhalte sind richtig, damit sollten wir im Alltag überzeugen.

Interview: Markus Decker

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