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LinkedIn Verfassungsschutz enttarnt chinesische Fake-Profile

Chinesische Agenten unterhalten in Deutschland gefälschte Profile in Sozialen Netzwerken. Oberstes Ziel ist offenbar die Rekrutierung von Informanten.

10.12.2017 12:46
LinkedIn
Wurden Zielpersonen früher von chinesischen Geheimen klassischerweise auf Symposien oder Empfängen angesprochen, ist nun die Kontaktaufnahme via sozialem Medium in den Fokus gerückt. Foto: Imago

Lily Wu nennt sich Assistentin des Generalsekretärs eines Zentrums für chinesisch-europäische Entwicklungsstudien. Auf dem LinkedIn-Profilbild ist eine akkurate junge Frau zu sehen, die beflissen Notizen per Bleistift macht. Als Referenz gibt sie eine der renommiertesten Hochschulen des Landes an. Laeticia Chen weist sich in dem mit weit mehr als 400 Millionen registrierten Nutzern weltweit größten Karrierenetzwerk als Projektmanagerin eines chinesischen Thinktanks aus. Und Jason Wang stellt sich als Manager eines Verbandes vor, der die Beziehungen zu China verbessern will.

Alle drei Profile haben mindestens zwei Dinge gemeinsam: Sie sind mit angeblich mehr als 500 Kontakten für Experten, Politiker und Wissenschaftler mit China-Faible potenziell interessante Ansprechpartner. Und alle drei sind Fake-Profile. Das jedenfalls hat eine Projektgruppe des Bundesamts für Verfassungsschutz (BfV) herausgefunden, die sich von Januar bis Ende September intensiv mit einer der aktuell wichtigsten Spielart der chinesischen Spionage beschäftigt hat: Der Kontaktaufnahme über soziale Medien.

Die Erkenntnisse sind alarmierend. Wurden Zielpersonen früher von chinesischen Geheimen klassischerweise auf Symposien oder Empfängen angesprochen, ist nun die Kontaktaufnahme via sozialem Medium in den Fokus gerückt. „Soziale Netzwerke, insbesondere LinkedIn, werden im großen Stil zur Abschöpfung und Quellenwerbung genutzt“, fasst BfV-Präsident Hans-Georg Maaßen die Ergebnisse seiner Spionageabwehr zusammen. „Es handelt sich um den breit angelegten Versuch der Infiltration von Parlamenten, Ministerien und Behörden.“

Hohe Dunkelziffer befürchtet

Bei mehr als 10 000 deutschen Staatsangehörigen ist es nach Angaben der Verfassungsschützer zu Kontaktversuchen gekommen. Ziel der chinesischen Geheimdienste sei es gewesen, Informationen abzuschöpfen und nachrichtendienstliche Quellen zu werben. Befürchtet wird eine hohe Dunkelziffer.

Das Vorgehen ist oft ähnlich. Die Personen aus Fernost geben sich im Netz als Mitarbeiter von Headhunting- und Beratungsagenturen aus, von Thinktanks oder als Wissenschaftler. Die Profile von Lily Wu, Laeticia Chen oder Jason Wang haben die Verfassungsschützer dabei als einige der aktivsten Fake-Profile der Chinesen enttarnt.

Nimmt ein Interessent Kontakt auf, signalisieren die hinter den Profilen stehenden Spione Interesse am fachlichen Austausch. Erst werden Probearbeiten verlangt, Einladungen nach China zu Symposien oder anderen Treffen folgen. Dort kann dann auch persönlicher Kontakt hergestellt werden. Erwartet werden meist Berichte über sensible Informationen, bei besonders hochwertigen Zielpersonen können mehrere zehntausend Euro als Lohn fließen.

Für die chinesischen Geheimdienste hat die Anbahnung via Internet vor allem einen Vorteil: Sie ist gefahrlos. Außerdem lassen sich bei LinkedIn & Co. rasch eine Reihe von interessanten Details über den beruflichen Werdegang, das soziale Umfeld oder Infos über Gewohnheiten, Hobbys oder politische Interessen per Mausklick herausfiltern. Und anders als viele andere Netzwerke ist LinkedIn auch in China voll erreichbar und nicht blockiert.

Besonders ins Visier genommen haben die Chinesen Abgeordnete von Bundestag oder EU-Parlament, aber auch Angehörige von Bundeswehr, Stiftungen oder Bankenverbänden sowie Politikberater oder hochrangige Wirtschaftsvertreter. Aber auch gut ausgebildete, aber unerfahrene und noch relativ schlecht bezahlte Berufsanfänger könnten ins Netz der chinesischen Spionage geraten. Werden Betroffene dann von deutschen Sicherheitsbehörden angesprochen, reagieren sie häufig überrascht - sie hätten doch nur etwas für die Verbesserung der deutsch-chinesischen Beziehungen tun wollen, sagen manche.

Doch Anbahnungsversuche via sozialem Netzwerk sind nicht die einzigen Aktivitäten chinesischer Geheimdienste, die den deutschen Behörden zu schaffen machen. So seien Deutschland und Europa 2017 verstärkt in den Fokus chinesischer Cyber-Angriffe geraten. Auch dabei habe man neue Angriffsmethoden festgestellt, sagt BfV-Präsident Maaßen. Statt wie früher das Zielobjekt direkt zu attackieren, werde nun zunächst beispielsweise der IT-Dienstleister angegriffen, der für die auszuspähende Organisation tätig ist.

Der Vorteil liegt auf der Hand: Die Spione können direkt auf das Computernetz zugreifen und im Zweifel infizierte Software installieren, mit deren Hilfe geheime Daten abgesaugt werden. Weil Netzwerkverbindungen zwischen Dienstleister und Kunde meist nicht auffällig sind, ist die Tarnung noch besser. Auch deswegen setze das BfV als Cyber-Sicherheitsbehörde auf noch mehr Sensibilisierung von Behörden und Wirtschaft, sagt Maaßen. (dpa) 

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