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Linke in Hamburg Linke lassen Frontfrau durchfallen

Nach parteiinterner Kritik wird die Fraktionschefin Dora Heyenn nicht wiedergewählt. Bernd Riexinger bezeichnet das als „unglücklich gelaufen“. Es ist nicht das erste Mal, dass sich die westdeutsche Linke selbst torpediert.

Von den Hamburgern gewählt, in der eigenen Partei durchgefallen: Dora Heyenn. Foto: dpa

Es ist gerade mal zwei Wochen her, dass die Linksparteivorsitzenden Katja Kipping und Bernd Riexinger recht stolz im Karl-Liebknecht-Haus saßen. Sie konnten eine echte Siegerin präsentieren – und zwar, was selten ist, eine Siegerin aus dem Westen. Während die vorangegangenen Wahlen dort meist krachend verloren wurden, holte Hamburgs Linke unter Führung der Fraktionsvorsitzenden Dora Heyenn 8,5 Prozent und damit 2,1 Prozentpunkte mehr als beim letzten Mal. Die West-Linke hat freilich ein Talent, eigene Erfolge wieder kaputt zu machen. Bei der Neuwahl der Fraktionsführung verfehlte die Frau, die den Wählern gerade noch als spitze verkauft worden war, die erforderliche Mehrheit. Frustriert verließ die 65-jährige einstige Sozialdemokratin danach die Fraktion.

Riexinger übte am Dienstag Kritik an den Genossen in der Hansestadt, versuchte das Ganze indes als Unfall darzustellen. „Das ist insgesamt sehr unglücklich gelaufen“, sagte er der Frankfurter Rundschau. „Die Fraktion wollte offenbar einen Denkzettel verteilen. Und dann kam das falsche Ergebnis heraus. So etwas darf eigentlich nicht passieren.“ Riexinger fügte hinzu: „Ich find’s schade. Und ich verstehe, dass Dora Heyenn verletzt ist.“ Sie habe „eine gute Arbeit gemacht“.

Westausdehnung gefährdet

Tatsächlich hatte es innerparteiliche Kritik gegeben. Der Pragmatikerin Heyenn wird ein allzu enger Draht zur an der Universität aktiven „Liste Links“ zur Last gelegt; die gilt als ziemlich radikal. Zudem heißt es, sie habe „die Zügel straff in der Hand“ gehalten – für den Geschmack mancher Mitstreiter augenscheinlich zu straff. Bei der entscheidenden Abstimmung unterlag sie knapp der neuen Doppelspitze aus Cansu Özdemir und Sabine Boeddinghaus. Özdemir erklärte selbst, die Sache sei „gründlich danebengegangen“.

Allerdings passieren Unfälle in der Hamburger Linken häufiger. Parteichef Rainer Benecke erhielt bei seiner Wahl nur 39,3 Prozent der Stimmen – ein Ergebnis, bei dem andere Kandidaten die Amtsübernahme verweigert hätten. Ein Drittel der Berechtigten hatte die Abstimmung torpediert. Hamburg ist nicht der einzige Landesverband, in dem es brodelt. In Niedersachsen hat Manfred Sohn, einst Vorsitzender, die Partei soeben verlassen. Als Grund nannte er Streitigkeiten mit dem Bundestagsabgeordneten Diether Dehm.

Das Projekt Westausdehnung bleibt unter diesen Umständen jedenfalls gefährdet – auch wenn Riexinger hofft, dass sich in Hamburg doch noch alles zum Guten wendet.

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