Lade Inhalte...

Lies mich Soldaten wissen es besser

Ein Buch über den Massenmord an bis zu einer Million Menschen in Ruanda, über den UN-Einsatz dort und warum er zu einer Schande der Vereinten Nationen wurde.

Ntarama Memorial Bugesera, Ruanda
Rund 5000 Opfer des ruandischen Genozids sollen in dem Massengrab des Ntrarama Memorials in Bugesera begraben sein. die Identität der meisten Opfer ist kaum zu ermitteln, weswegen die Gedenktafel nur 260 Namen umfasst. Foto: imago

Mehr als 60 Friedensmissionen zählen die UN in ihrer Geschichte, 17 davon sind derzeit aktiv. Und man würde sich wünschen, dass eine jede von einem so beredten, umsichtigen und moralischen Offizier wie Roméo Dallaire geführt und in sehr lesbarer Buchform analysiert würde. In der Natur der Dinge ist es aber, dass auch die erfolgreichsten Militärs oft Kommissköppe sind und also kaum mehr kommunizieren können denn ihre Dienstanweisungen.

Umso wertvoller der Bericht des heute 71-jährigen und pensionierten kanadischen Generalleutnants Dallaire, der 1994 in Ruanda die UN-Friedenstruppen kommandierte. Während des Genozids.

„Handschlag mit dem Teufel“ ist auf der einen Seite eine Beschreibung jenes so unverfroren offen organisierten Massenmords an bis zu einer Million Menschen, gegen das das komplette Horrorwerk von Stephen King wie eine Sammlung lahmer Illustriertenwitze wirkt. Und also Pflichtlektüre für einen jeden sein sollte, um zu wissen, was der Mensch dem Menschen antun kann.

Auf der anderen Seite analysiert Dallaire brillant die Genese, Routine und Krise eines UN-Einsatzes. Er greift jeden kritikwürdigen Punkt solcher Einsätze frontal an, er weiß, wie es richtig gemacht werden müsste und er weiß, dass es charakteristisch für jedes Militär sein muss, unentwegt improvisieren zu müssen. Denn bekanntermaßen überlebt kein auch noch so guter Plan den ersten Feindkontakt. Und selbst bei kritischster Lektüre wird einem klar: Hätte Dallaire nur gegenüber den Mördern improvisieren müssen – Ruanda wäre zu einem Ruhmesblatt der UN geworden und nicht zu dem Schandfleck, der Unamir ist. Aber die UN-Friedensmission musste auch gegen die mächtigen Mitglieder USA, Frankreich und Belgien und deren Agenda (in der der Genozid kein Problem war) kämpfen. Und dafür waren Dallaire und seine Blauhelme nicht ausgerüstet. Selbst heute noch fehlt Militärs jede Handhabe gegen politische Süppchenkocher. Da ist es schön, in „Handschlag mit dem Teufel“ Dallaires nicht ausrottbare idealistische Professionalität nachlesen zu können. Ein Hoffnungsschimmer.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen