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Libyen „Das ist der Sklavenhandel der Neuzeit“

Außenminister Sigmar Gabriel besucht ein Flüchtlingslager in Libyen und sagt 3,5 Millionen Euro zusätzlich für die Flüchtlingshilfe zu.

09.06.2017 07:18
Außenminister Gabriel reist nach Libyen
Außenminister Sigmar Gabriel im Flugzeug auf dem Weg nach Tripolis. Foto: dpa

Bei einem Überraschungsbesuch in Libyen hat Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) 3,5 Millionen Euro zusätzlich für die Flüchtlingshilfe zugesagt. Das Geld soll zur Verbesserung der teils katastrophalen Zustände in den Flüchtlingslagern des von jahrelangem Bürgerkrieg erschütterten Landes verwendet werden. Von Libyen aus gelangt derzeit der größte Teil der Flüchtlinge aus Afrika über das Mittelmeer nach Europa.

Gabriel besuchte am Donnerstag in Tripolis ein Internierungslager, das noch zu den besten in ganz Libyen gehört. Er sagte, andere Lager seien „finstere Gefängnisse“ in denen „fürchterliche Zustände“ herrschten. Über drei Milliarden Euro würden inzwischen mit Menschenhandel umgesetzt. „Das ist der Sklavenhandel der Neuzeit.“ Auch Menschenrechtsorganisationen beklagen Vergewaltigungen, Folter, Sklaverei und unhaltbare hygienische Zustände. Nach Schätzungen der Internationalen Organisation für Migration halten sich zwischen 700 000 und einer Million Flüchtlinge, überwiegend aus Syrien, Ägypten, Niger, Sudan und Mali, in Libyen auf.

Drei Regierungen

„Unser Ziel ist es, uns gemeinsam mit den Libyern gegen den Sog der Instabilität zu stemmen“, sagte Gabriel. Die Konfliktparteien rief er zu Kompromissbereitschaft auf. Seit dem Sturz von Muammar al-Gaddafi 2011 herrscht Bürgerkriegschaos. Drei Regierungen reklamieren die Macht für sich, ihr Einfluss ist jedoch lokal begrenzt. Die von den Vereinten Nationen unterstützte Regierung von Fajis al-Sarradsch hat kaum Kontrolle über die Hauptstadt Tripolis hinaus. Unzählige Milizen und Militärtruppen kontrollieren einzelne Regionen in Libyen.

Gabriel kritisierte die internationale Einmischung in den Konflikt mit Waffen oder Geld für einzelne Konfliktparteien. „Was aufhören muss, ist dass viele Teile der Welt in diesem Land ihre Interessen voranbringen“, sagte er. Wen er meinte, sagte er nicht. Nach dem Sturz von Gaddafi verhängte der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen ein Waffenembargo für Libyen. Unter anderem stehen Katar, die Türkei und Russland im Verdacht, einzelne Gruppen zu unterstützen. (dpa)

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