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„Les Patriotes“ Rechte Bewegung gegen FN und Macron

Florian Philippot will mit seiner neuen Bewegung „Les Patriotes“ für ein „zu 360 Grad unabhängiges“ Frankreich einstehen. Damit könnte er Präsident Emmanuel Macron sogar helfen.

16.02.2018 13:52
Florian Philippot
Foto: imago

Er will Frankreich aus dem Euro und aus der Europäischen Union führen und eine neue politische Kraft rechts von der Front National aufstellen: Florian Philippot, früherer Chefstratege der Rechtspopulistin Marine Le Pen, mit der er vor fünf Monaten in aller Öffentlichkeit gebrochen hat. Alle „wahren Patrioten“ lädt der 36-Jährige am Sonntag zum Gründungstreffen seiner Formation Les Patriotes. Dem pro-europäischen Präsidenten Emmanuel Macron könnte der smarte Rechtspopulist aber letztlich sogar nützen.

Für das Gründungstreffen im nordfranzösischen Arras läuft Philippot sich schon seit Wochen warm. In Interviews wirbt er mit gewinnendem Lächeln für einen „Frexit“, einen Austritt Frankreichs aus der EU. Stattdessen will er ein „zu 360 Grad unabhängiges“ Frankreich, dessen Gesetze „nicht mehr den Launen Brüsseler Technokraten oder einer Frau Merkel unterworfen werden“.

„Der Patriotismus hat eine Mehrheit in Frankreich, aber er wird durch keine glaubwürdige politische Kraft vertreten“, sagt Philippot. Seine neue „Bewegung“ zählt nach seinen Angaben 6000 Anhänger und ähnelt in vielen Punkten der Alternative für Deutschland (AfD) und der britischen UK Independence Party (Ukip), die erfolgreich für das Brexit-Votum trommelte.

Unterstützung aus Großbritannien

Der frühere Ukip-Chef Nigel Farage will das Gründungstreffen der „Patrioten“ mit einer Videobotschaft unterstützen. Wie viele erklärte EU-Gegner kennen er und Philippot sich aus dem Europaparlament, von dessen Diäten sie zehren: Dort gehört der Franzose zu Farages rechtspopulistischer Fraktion Europa der Freiheit und der direkten Demokratie.

Von dem Treffen in Arras sind weitere Tiraden gegen Präsident Macron zu erwarten. Dessen Arbeitsmarktreformen nennt Philippot einen „Horror“, zudem wirft er dem Staatschef eine „herablassende Haltung“ gegenüber Arbeitslosen vor. Macron gehe zudem nicht ausreichend gegen „die massive Einwanderung“ in Frankreich und den Islamismus vor.

Eigentliches Angriffsziel für den Rechtspopulisten ist aber Marine Le Pen: Mit seiner früheren Chefin hat der ehemalige Chefstratege der Front National gebrochen, seit sie in der Präsidentschaftswahl deutlicher als erwartet gegen Macron gescheitert ist.

Ihr wirft Philippot vor, den „Kampf gegen die Europäische Union aufgegeben“ zu haben. Denn ihre Forderung nach einem Ausstieg aus dem Euro weichte Le Pen nach mehreren negativen Umfragen kurzerhand vor der Präsidentschaftswahl auf - was Macron in einem Fernsehduell vor der entscheidenden Wahlrunde genüsslich nutzte, um ihr Unkenntnis der Währungspolitik nachzuweisen.

Philippot könnte Macron ungewollt helfen

Wie Macron ist auch Philippot ein Geschöpf der Elitehochschulen, er hat die renommierte Pariser Wirtschaftsuni HEC und danach die Kader-Schmiede ENA absolviert. Von dort schaffte er den Sprung ins Innenministerium, bevor er 2008 der Front National beitrat. Dieser verordnete er zusammen mit Le Pen einen Kurs der „Entteufelung“ und eine Abkehr von der rechtsextremen Hetze ihres Vaters Jean-Marie Le Pen.

Ungewollt könnte Philippot Macron nun sogar in die Hände spielen - falls er es schafft, die Front National zu schwächen, die er einen „toten Stern“ nennt. Marine Le Pen gilt seit dem Wahldebakel auch innerparteilich als angezählt.

Ein Front-National-Kongress am 10. und 11. März soll frischen Wind bringen, selbst ein neuer Parteiname ist im Gespräch. Am Donnerstag schloss Marine Le Pen sogar erstmals nicht aus, bei der nächsten Präsidentschaftswahl 2022 einem anderen Spitzenkandidaten Platz zu machen, wenn er denn „bessere Chancen“ habe als sie selbst.

Den ersten großen Stimmungstest wird die Europawahl 2019 bringen, zu der Philippot als Spitzenkandidat seiner „Patrioten“ antreten will. Le Pen verzichtet dagegen auf den ersten Listenplatz - nachdem sie die Front National bei der EU-Wahl 2014 noch triumphal zur stärksten Kraft Frankreichs machte. (afp)

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