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Laurent Stefanini Vatikan lehnt schwulen Botschafter ab

"Wer bin ich, darüber zu urteilen", sagt Papst Franziskus über Homosexuelle. Offenbar lehnt der Vatikan aber trotzdem den neuen Botschafter Frankreichs ab, weil er schwul ist.

Laurent Stefanini bekennt sich offen zu seiner Homosexualität und soll Frankreichs neuer Botschafter im Vatikan werden. Doch der Kirchenstaat weigert sich, die Personalie zu bestätigen. Foto: AFP

Wie äußerte sich noch Papst Franziskus zum Thema Homosexualität? „Wenn jemand homosexuell ist und guten Willens nach Gott sucht, wer bin ich, darüber zu urteilen.“ Es waren schöne Worte, ihre praktische Umsetzung steht noch aus. Das scheint auch die jüngste diplomatische Affäre im Vatikan zu belegen.

In deren Mittelpunkt steht Laurent Stefanini, bisher Protokollführer im Pariser Élysée-Palast. Im Januar war der 55-Jährige vom französischen Ministerrat zum neuen Vatikan-Botschafter ernannt worden. Seit mehr als drei Monaten wartet Paris nun darauf, dass der Kirchenstaat die Personalie bestätigt – obwohl der Posten seit 1. März unbesetzt ist. Mittlerweile wird die Nicht-Reaktion als Zeichen gewertet, dass der Vatikan Stefanini ablehnt. Der Grund, so mutmaßen französische und italienische Medien: Er bekennt sich offen zu seiner Homosexualität. Die katholische Zeitung „La Croix“ schreibt, viele in der Kurie sähen seine Ernennung als Provokation.

Informelles Treffen

Angeblich soll der Diplomat gar bei einem informellen Treffen zum Verzicht aufgefordert worden sein. Der Apostolische Nuntius in Paris, Erzbischof Luigi Ventura, habe ihm nahegelegt, wegen seiner sexuellen Orientierung vom Amt zurückzutreten, berichtet Vatikan-Experte Andrea Tornielli von „La Stampa“.

Stefanini habe darauf verwiesen, dass er von der Regierung ernannt ist. Offiziell äußert sich der Vatikan nicht, wie bei solchen Angelegenheiten üblich. Bleibt die Akkreditierung eines Diplomaten aus, muss der betroffene Staat eben seine Schlüsse ziehen und einen anderen vorschlagen.

Als Regel gilt, dass ausländische Vatikan-Botschafter kein Verhalten zeigen dürfen, das der kirchlichen Lehre widerspricht. Wiederverheiratete Geschiedene etwa finden ebenso wenig Gnade wie Schwule, die mit dem Partner zusammenleben.

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