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Landtagswahl Gottesdienst und Zollverein

Wahlkampfauftakt in Nordrhein-Westfalen: Bundeskanzlerin Angela Merkel doziert in Münster, SPD-Spitzenkandidat Martin Schulz heizt in Essen ein.

Angela Merkel
Auch die doppelte Merkel vermag die Nordrhein-Westfalen-CDU kaum vom Hocker zu reißen. Foto: dpa

Es ist das Wochenende der roten Jacketts in Nordrhein-Westfalen. Bei könnte glatt durcheinanderkommen: Eine CDU-Kanzlerin, eine SPD-Ministerpräsidentin, beide halblange Haare, welches ist welche? Die Unterschiede sind zunächst akustisch. In Münster beginnt die Veranstaltung in einer Messehalle mit einem Gottesdienst, die Anwesenden singen: „Lobet den Herren“ und die Frau im roten Blazer stößt irgendwann fast heimlich dazu. In Essen, in der Zeche Zollverein trägt einen Tag später eine junge Dichterin inbrünstig eine Liebeserklärung an ihr Bundesland vor, junge Männer und Frauen tanzen zu stampfender Musik über die Bühne. Und die Frau in Rot wird wie eine Preisboxerin angekündigt.

In Münster tagt die CDU mit Angela Merkel und Spitzenkandidat Armin Laschet. In Essen kommt zu SPD-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft Kanzlerkandidat Martin Schulz. Im konservativen Herzland die einen, am Arbeitersymbolort die anderen.

Signalwirkung für den Bund

Die Parteien eröffnen den Wahlkampf in NRW: Am 14. Mai wird gewählt, letzte und  wohl wichtigste Wahl vorm Bundestagstermin 24. September. Wegen des Termins und weil NRW das bevölkerungsreichste Bundesland ist, ist die Symbolkraft besonders hoch. Angela Merkel kommt allein acht Mal her. Spitzenkandidat Laschet will versuchen, die SPD in der Regierung abzulösen. Ein Mal in den letzten Jahrzehnten gelang der CDU das in NRW – 2005 – und das war dann auch nach einer Wahlperiode wieder vorbei. Die Staatskanzlei scheint fast unverrückbar von der SPD besetzt. Den Umfragen nach bleibt das auch nach dem 14. Mai so.

In Sachen Choreographie hat die SPD zum Wahlkampfstart die CDU zumindest schon mal geschlagen. Jubel bei der SPD – dagegen muss Laschet bei der CDU entschuldigend vom „Stoizismus des Landstrichs“ und  von „westfälischer Begeisterung“ sprechen.

Aber es ist auch einigermaßen entspannt bei der CDU: „Wir waren in einem Stimmungstief“, bekennt ein führender nordrheinischer CDU-Mann. Der Sieg im Saarland habe da geholfen. Die Kanzlerin versucht, zusätzlich zu motivieren – und erstmal muss sie erklären, warum der Amtsbonus, der im Saarland für die CDU zog, in NRW ein Malus sein soll. Im Saarland habe eine Ministerpräsidentin gute Arbeit geleistet, die Kollegin in NRW nicht – „deshalb muss diese Regierung ausgetauscht werden“. Merkel übernimmt die Themen der NRW-CDU, spricht von ewig langen Staus, wirft der SPD Zentralismus und dem SPD-Landesinnenminister Ralph Jäger Versagen vor, vom Fall Anis Amri über die Kölner Silvesternacht bis zu den Wohnungseinbrüchen. Martin Schulz hält sie noch vor, es reiche nicht von Gerechtigkeit zu reden. „Innovation“ gehöre noch dazu.

Zauberwort Innovation

NRW, soll das heißen, das ist die Bundesrepublik. Die Bundestagswahl, das zeigt sich, ist nicht von der NRW-Wahl zu trennen.

Schulz liefert am Sonntag direkt das Echo: Wenn die SPD hier gewinne, heißt das: „Die SPD wird die stärkste Partei in Deutschland und ich werde Bundeskanzler.“ Begeisterung im Zollverein. Die SPD hämmert Schlagwörter und Merksätze ein: „Wir als Sozialdemokraten“, sagt Schulz immer wieder, „die hart arbeitende Mitte“ ist auch wieder dabei. Er beschwört die Parteihistorie, und er antwortet auf Merkels Innovations-Hinweis, mit dem Spruch „Gerechtigkeit und Innovation“ habe man 1998 Helmut Kohl abgelöst. Klarer als die CDU grenzt sich die SPD gegen die AfD ab: „Sie sind eine Schande“, ruft Schulz – der Applaus ist groß. Kraft wirft der CDU Konzeptlosigkeit und Angst vor: „So eine Wackeldackeltruppe darf unser Land nicht regieren.“ Auch ein Unterschied: Die SPD ruft, die CDU-Redner sind eine Spur verhaltener.

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