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Kurdengebiete Türkei bombardiert Ziele im Irak

Türkische Truppen rücken auf der Jagd nach kurdischen Terroristen in den Nordirak vor. Zuvor sollen sie bei einem Angriff der PKK die schwersten Verluste seit 1984 erlitten haben.

19.10.2011 09:34
Eine türkische Patrouille in der südöstlichen Provinz Hakkâri, in der mehrheitlich Kurden leben (19.10.2011). Foto: afp

In Vergeltung für einen blutigen Angriff kurdischer Terroristen der PKK auf türkische Sicherheitskräfte hat die türkische Luftwaffe in der Nacht zum Mittwoch Ziele im irakischen Kurdengebiet bombardiert. Die irakische Nachrichtenagentur AK News berichtete, vier türkische Kampfflugzeuge hätten eine Ortschaft in der nordirakischen Provinz Erbil angegriffen. Der türkische Sender NTV meldete, die Flugzeuge seien von einem Fliegerhorst in der Provinz Biyarbarkir aufgestiegen.

Die der kurdischen PKK nahestehende Nachrichtenagentur Firat berichtete zudem, nach der PKK-Attacke in der Türkei hätten türkische Soldaten einer Kommandoeinheit an zwei Orten die Grenze zum Irak überquert. Einzelheiten zu diesem Einsatz wurden zunächst nicht bekannt.

Zuvor hatten kurdische Terroristen bei Angriffen auf türkische Militärposten an der Grenze zum Irak nach Angaben von Sicherheitsbehörden 24 Soldaten getötet, berichteten örtliche Medien. Die Rebellen hätten die Sicherheitskräfte am frühen Mittwochmorgen bei Cukurca angegriffen. In dem etwa 30 Minuten dauernden Feuergefecht wurden auch 18 Soldaten verwundet, hieß es in einem Bericht des Nachrichtensenders „NTV“.

Die abgestimmten Angriffe sollen von mehreren bewaffneten Gruppen der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) ausgeführt worden sein. Beobachtern zufolge handelte es sich bei den Angriffen um die schwersten Verluste für die türkische Arme, seitdem die PKK im Jahr 1984 den bewaffneten Kampf gegen den türkischen Staat aufnahm.

Kurdenpartei sagt „Stopp!“

Der ungewöhnlich blutige Angriff kurdischer Kämpfer hat in der Türkei Entsetzen ausgelöst. Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan blies eine geplante Reise nach Kasachstan ab und rief das Kernkabinett zu einer Krisensitzung zusammen.

„Die Türkei wird vom Terrorismus nicht erschüttert werden“, sagte Präsident Abdullah Gül. Die Streitkräfte würden die Angreifer „bis zum Ende“ verfolgen. Nach unbestätigten türkischen TV-Berichten verfolgen 600 türkische Soldaten die geflohenen Angreifer auf irakischem Gebiet.

Die kurdisch-nationalistische Partei für Frieden und Demokratie (BDP) verurteilte die PKK-Anschläge mit ungewöhnlicher Schärfe. „Diese Angriffe brechen uns das Herz“, erklärte die Partei. „Wir sagen: Stopp! Es hat schon genug Tote gegeben.“ Die noch junge BDP hatte bei der Wahl im Juni 36 Sitze gewonnen und damit einen Überraschungserfolg errungen.

Parlamentspräsident Cemil Cicek mahnte, die Angriffe dürften die Bemühungen um eine Verfassungsreform noch in dieser Legislaturperiode nicht beeinträchtigen. Die Kurden kritisieren die alte Verfassung, weil sie ihre Sprache und Kultur nicht achte. „Diese traurigen Vorkommnisse werden unsere Arbeit an der neuen Verfassung nicht aufhalten“, sagte Cicek.

In dem Konflikt starben bislang rund 45.000 Menschen. Die türkische Regierung hat in den vergangenen Wochen wiederholt mit einem Einmarsch der Armee in den Nordirak gedroht, um dort gegen kurdische Stützpunkte vorzugehen. Zuletzt war die türkische Armee im Februar 2008 mit mehreren tausend Soldaten im Nordirak einmarschiert.

Die PKK wird von der Türkei, der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft. Sie kämpft seit Anfang der 1980er Jahre für Unabhängigkeit oder größere Autonomie der Kurdengebiete in der Türkei. Kurdische Organisationen beklagen eine systematische Diskriminierung ihrer Volksgruppe durch den türkischen Staat. (dpa/afp)

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