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Kuba Wirtschaft Kuba braucht Milliarden

Der lange isolierte Karibikstaat benötigt dringend internationale Investitionen zum Überleben. 246 Projekte haben Wirtschaftsplaner in Havanna für ausländische Beteiligungen ausgeschrieben.

Ein Bauer auf seinem Feld außerhalb Havannas. Der Sozialismus hat seine Armut nicht beendet. Foto: REUTERS

Von der Schweinezuchtfarm bis zum Windpark. Wenn es nach Vorstellung der Regierung von Raúl Castro geht, dann soll die staatlich gelenkte kubanische Wirtschaft mit internationalen Investitionen aufgemöbelt werden. 246 Projekte haben die Wirtschaftsplaner in Havanna für ausländische Beteiligungen ausgeschrieben. Insgesamt acht Milliarden Dollar (6,4 Milliarden Euro) sollten damit eingeworben werden, erklärte der zuständige Minister für Auslandsinvestitionen, Rodrigo Malmierca, zu Beginn der jüngsten Handels- und Industriemesse FIHAV.

Die Messe ist Kubas wichtigstes Schaufenster. Unternehmen aus 60 Ländern sind mit Ständen auf dem Expocuba-Gelände vertreten, weil sie auf dem letzten kommunistischen Eiland Geschäfte machen wollen. Dazu gehören vor allem die alten und neuen Partner wie China, Russland, Venezuela und Spanien, aber auch Länder wie die Schweiz, Portugal und Ungarn.

Besonderes Interesse an einem Engagement auf der Insel haben offenbar Brasilien und Italien. Sie haben ihre Präsentationen auf der FIHAV dieses Jahr deutlich verstärkt. Im deutschen Pavillon stellen 29 Unternehmen aus. Es sind zumeist mittelständische Firmen aus den Bereichen Maschinenbau, Wasseraufbereitung, Farben und Lacke. Manche Unternehmen sind schon lange in Kuba aktiv, andere sind dieses Jahr zum ersten Mal dabei, um von der Öffnung der Wirtschaft zu profitieren.

„Das ausländische Kapital soll Kuba helfen"

Denn die Regierung von Castro II. treibt ihren marktwirtschaftlichen Reformkurs weiter voran. Ende März überarbeitete die Nationalversammlung das fast 20 Jahre alte Investitionsgesetz. Demnach können ausländische Geldgeber jetzt in praktisch alle Wirtschaftsbereiche der Insel investieren. Lediglich das Gesundheitswesen, der Bildungsbereich und der Militärsektor bleiben Ausländern verschlossen. Die Sektoren, für die jetzt 246 Projekte ausgeschrieben wurden, sind vor allem die Biotechnologie, Pharmazeutik, erneuerbare Energien, Bau und Landwirtschaft.

„Das ausländische Kapital soll Kuba helfen, große und notwendige Projekte anzuschieben, die zur Entwicklung unserer Wirtschaft notwendig sind“, begründete Minister Malmierca das neue Gesetz. Kuba brauche jedes Jahr „zwei bis zweieinhalb Milliarden Dollar“ an Auslandsinvestitionen. Denn nach Jahrzehnten des Staatsmonopols leidet der Karibikstaat unter maroder Infrastruktur, knappen Devisen und fehlendem Know-how in vielen Sektoren.

Zwar haben die wichtigsten Wirtschaftspartner China, Venezuela und neuerdings auch Brasilien in vielen Bereichen Verbesserungen bringen können. Aber vor allem bei Maschinen und Industrie-Lösungen greifen die Kubaner besonders gerne auf deutsche Partner zurück. Stromgeneratoren, Großantennen und Wasserpumpen gehören zu den Produkten, die Kuba schon seit Jahren vornehmlich aus der Bundesrepublik bezieht.

Das neue Investitionsgesetz, das jetzt den Einstieg internationaler Unternehmen möglich macht, ist Herzstück der Wirtschaftsreformen von Präsident Raúl Castro. Der 83 Jahre alte Staatschef arbeitet seit mehreren Jahren an dem Umbau der kubanischen Volksökonomie von einer Plan- zu einer Marktwirtschaft. Der klamme Karibikstaat braucht dringend Geld, denn er hängt an Nahrungsmittelimporten aus vielen Staaten und Ölimporten aus dem befreundeten Venezuela.

Unternehmen, die bereits vor Ort sind auf der Insel, mahnen immer wieder eine Verschlankung der Bürokratie an. Auslandsinvestoren beklagen hohe Steuern, komplizierte und zu teure Rekrutierungsbürokratie für Arbeitnehmer und verspätete Zahlungen seitens des kubanischen Staates.

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