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Kuba 17 Kubaner fliehen in die USA

17 Studenten aus Kuba fliehen in die USA. Sie hoffen darauf, nach ihrer Rückkehr nicht verfolgt zu werden. Sie sind gewissermaßen Teil eines Experiments.

Der kubanische Präsident Raul Castro. Foto: dpa

Danilo Maldonado sagt, seine kleine Tochter solle einmal stolz auf ihren Vater sein. Er will viel lernen in den kommenden sechs Monaten, die er in Miami im Süden Floridas an einer Universität zubringt – Englisch sowieso, dann noch Kenntnis über die Wirtschaft in den USA. Das gesammelte Wissen will er dann nach Hause tragen auf seine Insel, wo den Menschen immer noch erzählt werde, in Miami säßen die Feinde des Volkes. „Wenn das wirklich so ist, warum wollen dann immer noch so viele Kubaner über das Meer nach Amerika fliehen?“, fragt er sich.

Der kraushaarige, hochgewachsene Mann ist Teil einer Gruppe junger Kubaner, die vor einigen Tagen im Miami-Dade-College ein Kurzzeit-Studium aufgenommen hat. Das ist bemerkenswert, weil die kubanische Regierung damit ihr Versprechen erfüllt und die Reisebeschränkungen ins Land der Erzfeinde gelockert hat. 17 junge Leute im Alter von 18 bis 37 Jahren haben ein Visum für die USA bekommen, bezahlt hat dafür eine Stiftung von US-Kubaner. Noch vor einem Jahr wäre so etwas undenkbar gewesen.

Keine Angst vor Repressionen

Maldonado ist in seiner Heimat bekannt als Graffiti-Künstler, den die Menschen, aber nicht die Behörden mögen. Er sagt, er habe sich inzwischen daran gewöhnt, dass er Repressionen ausgesetzt sei. „Man muss lernen, die Angst zu überwinden. Ich mache das mit Graffiti.“ Auch seine Mitstudenten zeigen keine Furcht, sondern beklagen an diesem Tag, dass die Regierungen der freien Welt ihre Augen vor den Menschenrechtsverletzungen auf Kuba verschlössen.

Die 17 Kubaner sind gewissermaßen Teil eines Experiments. Werden sie nach ihrer Rückkehr nach Kuba nicht verfolgt, wäre das ein Beleg dafür, dass sich die Zeiten auf der Karibik-Insel tatsächlich ändern. Maldonado sagt, er werde auf jeden Fall wieder nach Hause gehen. „Zur Not nehme ich ein Boot nach Kuba“. Normalerweise fliehen Kubaner in die entgegengesetzte Richtung. Nur 160 Kilometer trennen Florida von der Karibik-Insel, deren Regierung seit mehr als 50 Jahren mit US-Sanktionen belegt ist.

Maldonado ist 30 Jahre alt und noch voller Hoffnung. Juan Blanco Gil ist 66 Jahre alt. Der Professor am Miami-Dade-College war früher einmal Teil des kubanischen Regierungsapparats und verließ die Insel im Jahr 1997. Heute betreut er die 17 jungen Frauen und Männer aus seiner Heimat. Für Hoffnung sei es nie zu spät, sagt Blanco Gil: „Ich bin zwar alt geworden beim Warten auf den kubanischen Frühling. Aber ich hoffe immer noch, dass er sich irgendwann einmal einstellen wird.“

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