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Kriegsverbrechen US-Soldat muss für "Kill Team"-Mord 24 Jahre in Haft

Als Kronzeuge in einem Prozess um Morde an Zivilisten in Afghanistan hat ein US-Soldat vor dem Militärgericht im Gegenzug für eine mildere Strafe ein Geständnis abgelegt. Seiner Darstellung nach war er Teil eines "Kill Teams", das gezielt Jagd auf Zivilisten machte.

24.03.2011 12:55
Jeremy Morlock bei seiner Aussage vor Gericht am Mittwoch. Foto: dapd

"Der Plan war, Leute zu töten.“ Mit diesen Worten hat der US-Soldat Jeremy Morlock am Mittwoch vor einem Militärgericht den Mord an drei Zivilisten in Afghanistan gestanden. Dafür muss er für 24 Jahre hinter Gitter. Der 22-Jährige gehört zu einer Gruppe von fünf Infanteristen, die wegen Kriegsverbrechen, begangen zwischen Januar und Mai 2010, angeklagt sind.

Das sogenannte „Kill Team“ soll Zivilisten mit Gewehren und Granaten getötet haben, obwohl diese keinerlei Bedrohung für sie darstellten. Die Anklage geht davon aus, dass sie außerdem Körperteile als Trophäen mitnahmen. Zwei von ihnen ließen sich mit einem ihrer toten Opfer ablichten. Rund 70 solcher Bilder soll es geben.

Das US-Militär nannte die Handlungen auf den Bildern „widerwärtig für uns als Menschen“. Sie stünden im Widerspruch zu den Standards und Werten der US-Streitkräfte. „Wir entschuldigen uns für das Leid, das diese Fotos auslösen.“ Das deutsche Nachrichtenmagazin Spiegel hatte am Montag Fotos der Angeklagten mit ihren Opfern veröffentlicht.

Neben den fünf Soldaten sind noch sieben weitere angeklagt, unter anderem wegen Behinderung der Ermittlungen. Das Militärverfahren gegen Morlock auf dem Stützpunkt Fort Lewis ist das erste in diesen Mordfällen.

Morlocks Geständnis war erwartet worden. Er hatte bereits zu Beginn des Prozesses im September angekündigt, als Kronzeuge gegen seine früheren Kameraden aussagen zu wollen – auch gegen seinen einstigen Vorgesetzten, den Stabsunteroffizier Calvin Gibbs. Anklage und Verteidigung hatten sich im Gegenzug auf die mit 24 Jahren vergleichsweise milde Haftstrafe geeinigt. Der Militärrichter akzeptierte den Vergleich. Eigentlich drohte Morlock eine lebenslange Haftstrafe.

Morlocks Aussagen zufolge sollen sich die Soldaten regelmäßig an Drogen berauscht haben. Offenbar wusste eine ganze Einheit von den „Kill Teams“, mit denen Stabsunteroffizier Calvin Gibbs Jagd auf afghanische Zivilisten gemacht haben soll. Gibbs soll geprahlt haben, schon im Irak ungestraft Morde begangen zu haben. In Afghanistan sollen er und seine „Kill Teams“ Fingerknochen der Opfer als Souvenir behalten haben. „Gibbs hat die Afghanen gehasst, er nannte sie ständig Wilde“, sagte der Gefreite Morlock später den Ermittlern.

Nach Morlocks Darstellung versteckte er sich in einem Mordfall zusammen mit einem der Mitangeklagten hinter einer Mauer, als ein Afghane auf sie zukam. Morlock entsicherte einen Sprengsatz auf eine Weise, die glauben machen sollte, das Opfer habe ihn selbst entsichert. Sein Komplize habe daraufhin wie in Notwehr auf den Afghanen geschossen.

Verstörend an dem Fall ist auch, dass die US-Armee Hinweise und Warnungen über Monate ignorierte. So hatte der Gefreite Adam Winfield seinen Vater bereits nach dem ersten mutmaßlichen Mord im Januar informiert. Aus Angst vor Gibbs habe sich sein Sohn nicht offenbaren wollen, sagte der Vater dem Radiosender PBS. Ihm sei auf dem Heimatstützpunkt der Einheit mitgeteilt worden, wenn sein Sohn Vergeltung fürchte, solle er mit einer Meldung warten, bis die Einheit in die USA zurückkehre. (dpa/afp/ost)

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