Lade Inhalte...

Krieg in Syrien Frankreichs Präsident als Global Player

Emmanuel Macron punktet in Washington und in Moskau. Moral und Menschlichkeit waren indes nicht die einzigen Beweggründe für die Beteiligung am Militärschlag.

Macron
Staatspräsident Macron berät sich mit Kabinettsmitgliedern zur offensive in Syrien. Foto: afp

Gefragt, warum Frankreich sich am Militärschlag gegen das syrische Regime beteiligt hat, führt die Pariser Verteidigungsministerin Moral und Menschlichkeit ins Feld. Florence Parly spricht von übereinstimmenden Zeugenaussagen, wonach Damaskus das monströse Verbrechen begangen habe, trotz absoluten Verbots Chemiewaffen einzusetzen. Die Ministerin erinnert daran, dass die Franzosen im Ersten Weltkrieg Opfer von Senfgasattacken waren und sich seitdem an vorderster Front für ein Chemiewaffenverbot einsetzen.

Moral und Menschlichkeit waren indes nicht die einzigen Beweggründe. Als Staatschef Emmanuel Macron in der Nacht zum Samstag im Jupiter genannten Bunker unter dem Elysée-Palast den Befehl zum Raketenbeschuss zweier mutmaßlicher Chemiewaffenfabriken nahe Homs gab, ging es ihm auch um die eigene Glaubwürdigkeit. Zu Beginn seines Mandats hatte der Präsident dem syrischen Regime „eine rote Linie“ gezogen. Frankreich werde den Einsatz von Chemiewaffen „mit sofortigen Repressalien“ beantworten, hatte er seinerzeit gesagt.
Und sicherlich ist Macron auch zur Tat geschritten, um international Gewicht auf die Waagschale zu bringen, um bei einer allfälligen Neuordnung des Nahen Ostens maßgeblich mitreden zu können. Mit dem Militäreinsatz in Syrien punktet Frankreichs Staatschef sowohl in Washington als auch in Moskau.

Bündnispartner und Mittler

Dem US-Präsidenten, der Macron Ende April im Weißen Haus empfangen wird, hat sich der Franzose als verlässlicher Bündnispartner empfohlen. Dem Kremlherrscher Wladimir Putin, der Europa im internationalen Kräftemessen als irrelevante Größe zu betrachten pflegt, hat Macron signalisiert, dass mit Frankreich zu rechnen ist. Zugleich hat er sich Putin gegenüber aber auch als potenzieller Vermittler profiliert.

Während London und Washington gegenüber Moskau auf Konfrontationskurs gegangen sind, hat Macron offenbar im Kreis der Alliierten erfolgreich darauf gedrungen, beim kollektiven Militärschlag russische und iranische Interessen nicht zu verletzen. Kurz vor dem Angriff hatte Macron Russland telefonisch über eine bevorstehende Attacke der Alliierten informiert und zugleich die Hand zu anschließenden Friedensverhandlungen gereicht.
Konkret geht es Macron darum, den zum Rückzug aus Syrien tendierenden US-Präsidenten dafür zu gewinnen, sich dort weiterhin zu engagieren. Mit dem Selbstverständnis eines Global Players, der sowohl in Washington als auch in Moskau Gehör findet, hat der Staatschef eine Friedensinitiative angekündigt.

Ziel des Vorstoßes ist es zunächst, im Sinne zweier bereits verabschiedeter, aber nicht befolgter Resolutionen der Vereinten Nationen die Genfer Friedensgespräche neu zu beleben und Kriegsopfern durch sichere Korridore humanitäre Hilfe zukommen zu lassen. Im Anschluss soll das Thema einer neuen syrischen Verfassung und freier Wahlen auf die Agenda kommen.

 

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum