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Krieg im Jemen Saudi-Arabien bittet Pakistan zum Krieg

Jahrelang profitierte Pakistan als eine Art Krisenexporteur von seiner geographischen Lage. Nun fordert mit Saudi-Arabien einer der größten Sponsoren Unterstützung von Pakistan für den Krieg im Jemen: Riad will von Islamabad Truppen, Flieger und Schiffe.

Erfahren in Auslandseinsätzen und dementsprechend beliebt, auch bei den UN: pakistanische Soldaten. Foto: REUTERS

In der Garage seines Hauses in Pakistans Hauptstadt Islamabad steht neben einer Luxuslimousine ein Jeep, in dem Leibwächter den 70-jährigen Aftab Sherpao auf Schritt und Tritt begleiten. Drei extremistische Mordanschläge überlebte der ehemalige Innenminister des früheren Diktators Pervez Musharraf aus Charsadda nahe der Grenzstadt Peshawar. „Wir sind alle müde und erschöpft nach so viel Krieg“, sagte der heutige Parlamentsabgeordnete Sherpao Anfang vergangener Woche, „es ist Zeit für Frieden.“

Zwei Wochen später sind solche Hoffnungen schon wieder zerstoben. „Saudi-Arabien hat uns um Truppen, Kampfflugzeuge und Kriegsschiffe gebeten“, erklärte Verteidigungsminister Khawaja Asif bei einer Parlamentssondersitzung in Islamabad. Die Öffentlichkeit ist gegen eine Beteiligung am Jemen-Krieg. „Aber die Frage ist nicht, ob wir wollen“, hieß es in der Tageszeitung „Express Tribune“, „sondern ob wir es vermeiden können.“

Eine gewaltige Herausforderung

Eine Beteiligung am Jemen-Konflikt könnte Pakistan in schlimmere interne Spannungen als der US-geführte „Krieg gegen den Terror“ seit 2001 stürzen. Nach pakistanischen Angaben starben in diesem Konflikt bisher 60.000 Zivilisten und Soldaten. Die Organisation „Ärzte zur Verhinderung des Atomkriegs“ (IPPNW), die getötete Extremisten mitzählt, bezifferte die Zahl der Toten sogar auf 80.000 in den Jahren 2004 bis 2014.

Zudem ist Pakistans Luftwaffe wegen einer Militäroffensive gegen Al-Kaida-Reste und pakistanische Taliban in Waziristan und dem Grenzgebiet zu Afghanistan so stark eingespannt, dass sogar die Flugüberwachung entlang der Grenze zum Feind Indien massiv eingeschränkt wurde. Die im Juni des vergangenen Jahres begonnene Offensive, die teilweise erhebliche Verluste verursachte, stellt auch für die Bodentruppen der rund 500.000 Soldaten umfassenden Streitkräfte eine gewaltige Herausforderung dar.

Sunnitische Gruppen wie Jamaat-ud-Dawa, deren Unterorganisation Lashkar-e-Toiba für den Terrorangriff auf Indiens Wirtschaftsmetropole Mumbai im Jahr 2008 verantwortlich war, riefen bereits zu Solidaritätskundgebungen mit Saudi-Arabien auf. Organisationen der Schiiten, die etwa 20 Prozent der pakistanischen Bevölkerung stellen und während der vergangenen Jahre Ziel einer systematischen Terrorkampagne waren, wollen in mehreren Städten gegen die Kriegsbeteiligung demonstrieren.

Islamabad fürchtet, in den Mühlen des Konflikts zwischen seinem schiitischen Nachbarn Iran und seinem sunnitischen Gönner Saudi-Arabiens zermalmt zu werden. Ein entspanntes Verhältnis mit Teheran im Westen ist wichtig, weil Islamabads Militär an keiner Entspannung im Osten mit dem ewigen Rivalen Indien interessiert sind. Teherans Außenminister Javad Zarif ist für ein Treffen in Pakistan angemeldet, um – so die offizielle Sprachregelung – über die humanitäre Lage im Jemen zu beraten. Pakistan Regierungschef Sharif erklärte vor dem Besuch: „Der Iran muss an Gesprächen beteiligt werden und prüfen, ob er sich im Jemen richtig verhält.“

Öl zum Niedrigpreis

Pakistans Räder würden sofort stillstehen, wenn Saudi-Arabien Öl nicht mehr zum Niedrigpreis liefert. Erst im vergangenen Jahr erhielt Islamabad eine saudische Barspende von 1,5 Milliarden US-Dollar, nachdem Premier Sharif einen Unterstützungspakt mit Riad abgeschlossen hat. Laut pakistanischen Politikern will Saudi-Arabien – das bereits mit Südkorea einen zwei Milliarden US-Dollar teuren Vertrag zum Kauf von Atomkraftwerken vereinbarte – auch auf pakistanisches Wissen über den Bau von Atomwaffen setzen. „Was immer bei den Atomverhandlungen mit dem Iran herauskommt“; hatte Riads früherer Geheimdienstchef Prinz Turki al Faisal Mitte März erklärt, „wir wollen das Gleiche“.

„Haben wir nichts gelernt?“, warnte bereits der Oppositionspolitiker Imran Khan, ein ehemaliger Kricket-Star. Aber Pakistan benötigt auch die fünf Milliarden US-Dollar, die die etwa zwei Millionen Gastarbeiter in Saudi-Arabien jährlich nach Hause schicken.

Jahrelang profitierte Pakistan als eine Art Krisenexporteur von seiner geographischen Lage. Aus China bezieht die Atommacht mehr als die Hälfte seiner Waffen. Aus den USA und Europa lässt Islamabad sich mit Milliarden von Hilfsmitteln alimentieren. Der Fall Jemen zeigt nun, dass Sponsoren wie Saudi-Arabien die Rechnung für den geopolitischen Seiltanz präsentieren.

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