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Krieg im Jemen Die schwierige Suche nach Frieden

Nach dreieinhalb Jahren Bürgerkrieg herrscht im Jemen militärisch ein Patt. Nun wagen die UN einen neuen Anlauf, zwischen den Gegnern zu vermitteln.

Zehntausende Tote und Verletzte, zwei Millionen Flüchtlinge, Hungersnot und Cholera, Städte in Trümmern und Al-Kaida stärker denn je: Der dreieinhalbjährige Bürgerkrieg im Jemen hat aus dem Land an der Südspitze der Arabischen Halbinsel ein Katastrophengebiet gemacht.

Militärisch herrscht ein Patt. Die vom Iran unterstützten Houthis kontrollieren die Hauptstadt Sanaa und wichtige Teile des Nordens. Ihre Gegner, verbündet mit Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), haben vor allen den Süden mit den Hafenstädten Aden und Mukalla in ihrer Gewalt. Der Versuch der Alliierten, den Huthis den wichtigsten Einfuhrhafen Al-Hudeida am Roten Meer zu entreißen, steckt bisher vor den Toren der Stadt fest.

Nun wollen sich am Donnerstag die Unterhändler beider Seiten zum ersten Mal seit August 2016 wieder zu Gesprächen treffen. Damals saßen sie sich 108 Tage lang in Kuwait gegenüber, bevor am Ende alles platzte. Zwei Jahre danach will der neue UN-Vermittler Martin Griffiths die Gesprächsfäden wieder aufnehmen – diesmal in Genf. Welche monumentale Aufgabe vor dem 67-Jährigen liegt, ist in der jüngsten UN-Analyse zu Jemen nachzulesen. „Der Staat hat praktisch aufgehört zu existieren“, heißt es in dem Text. „Er ist zerfallen in zahlreiche verfeindete Territorien, die sich nur sehr schwer wieder zu einer gemeinsamen Nation werden zusammenflicken lassen.“

Denn der Krieg ist beides, ein Kampf der Regionalmächte Saudi-Arabien und Iran sowie ein Konflikt, der tiefe Wurzeln im Jemen selbst hat. Bereits sechs Mal führten die Huthis zwischen 2004 und 2010 Krieg gegen Sanaa, weil sie sich von der Machtzentrale diskriminiert fühlten.

Nach dem Arabischen Frühling 2011 kam positive Bewegung in den Konflikt, und es sah zunächst gut aus für die Anliegen der Aufständischen. Langzeitpräsident Ali Abdullah Saleh war vom Volk zum Rücktritt gezwungen worden. Nachfolger Abed Rabbo Mansur Hadi berief eine „Konferenz des Nationalen Dialogs“ ein, um eine neue Verfassung auszuarbeiten. Diese sollte eine föderale Struktur schaffen und für mehr Gerechtigkeit zwischen den Provinzen sorgen. Doch wieder konnten sich die Beteiligten nicht auf eine faire Aufteilung der Staatsfinanzen einigen.

Im September 2014 platzte der Huthi-Führung der Kragen, deren Stammesgruppe ein Drittel der Bevölkerung ausmacht. Sie befahl ihren Kriegern, in Sanaa einzumarschieren – und trat damit den jüngsten Bürgerkrieg los, bei dem sich nach UN-Erkenntnissen beide Seiten immer krassere Menschenrechtsverstöße zuschulden kommen lassen.

Zuerst Vertrauen schaffen

Und so startet die erste Vermittlungsrunde in Genf mit sehr geringen Erwartungen. Ziel sei es, auszuloten, wie ernst es die Kriegsparteien mit der Aufnahme echter Verhandlungen meinten, erklärte UN-Sprecher Stephane Dujarric. Seine Mission beginnen will Griffiths mit Themen wie Gefangenenaustausch und Status der Hafenstadt Al-Hudeida, über die Lebensmittel ins Land kommt.

Die Huthis haben 3000 Gefangene in ihrer Gewalt, die saudische Koalition etwa 5000. „Ein Gefangenenaustausch könnte helfen, ein wenig Vertrauen zu schaffen“, erklärte Randa Slim, Expertin am „Middle East Institute“ in Washington und Mitglied des UN-Verhandlungsteams von 2016. Das Interesse an einem echten Frieden jedoch schätzt sie als gering ein. „Die Führer beider Lager haben sich mittlerweile mit dem Krieg eingerichtet. Sie alle profitieren bestens von der Kriegsökonomie.“

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Jemen

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