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Krieg im Jemen Das saudische Debakel im Jemen

Das saudische Militär kommt im Kampf um Sanaa gegen die Huthis nicht voran. Unterdessen wächst der Zorn über die Hungerkatastrophe.

Man stands at the site of an air strike in Sanaa, Yemen
Das saudische Bombardement von Wohnvierteln in Sanaa löste weltweit Empörung aus. Khaled Abdullah/rtr Foto: Khaled Abdullah (X03662)

Der im Jemen angezettelte Krieg entwickelt sich zu einem regionalpolitischen Desaster für Saudi-Arabien: Seit fast drei Jahren bombardiert die saudische Luftwaffe den südlichen Nachbarn in Grund und Boden, ohne dass Riad seinen strategischen Zielen näher gekommen ist. Im Gegenteil: Die weltweite Empörung über die humanitäre Katastrophe wächst.

Kürzlich gelang es den Huthis erstmals, die 800 Kilometer entfernte saudische Hauptstadt mit einer Langstreckenrakete zu beschießen, nachdem iranische Techniker offenbar die Zielgenauigkeit der Geschosse verbessert hatten. Die Rebellen aus Sanaa zu vertreiben, dieses Ziel haben die Militärplaner von Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten trotz ihrer beispiellosen Hochrüstung aufgegeben. Die in der Nachbarprovinz Marib aufgebaute Bodenfront gegen die Hauptstadt bewegt sich seit mehr als zwölf Monaten nicht mehr.

Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi steht unter Hausarrest

In der Anfangsphase der Offensive waren gleich mehrere Dutzend Golf-Soldaten ums Leben gekommen, die meisten irrtümlich getötet durch Raketen der eigenen Luftwaffe. Seitdem nehmen Riad und Abu Dhabi im Kampf gegen das iranische Machtstreben immer mehr die jemenitische Zivilbevölkerung als Geiseln. Selbst der ursprünglich vom Königshaus unterstützte Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi steht nun selbst in Saudi-Arabien unter Hausarrest, weil er sich mit seinen beiden arabischen Kriegspatronen überworfen hat.

Hadi warf den Vereinigten Arabischen Emiraten vor, sich im Südjemen und in der Hafenstadt Aden wie eine Besatzungsmacht aufzuführen. Unter anderem soll das sogenannte „Sparta vom Golf“ dort ein Dutzend geheimer Gefängnisse und Folterzentren unterhalten. Abu Dhabi wiederum missfällt, dass Hadi nach wie vor Kontakte pflegt zu den jemenitischen Muslimbrüdern, der Al-Islah-Partei, die ebenfalls zu den entschiedenen Gegnern der Huthis gehört.

Rückkehr an den Verhandlungstisch

Fast flehentlich bat der saudische Botschafter im Jemen kürzlich die Huthis, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Mitte Oktober genehmigte der Königspalast einem russischen Ärzteteam den Flug nach Sanaa, um den jemenitischen Ex-Präsidenten Ali Abdullah Saleh zu operieren. Nachdem der 75-Jährige zuvor erstmals öffentlich mit seinen Huthi-Alliierten aneinandergeraten war, hofft Riad offenbar, mit seiner Hilfe das blutige Drama beenden zu können.

Der UN-Menschenrechtsrat setzte Saudi-Arabien wegen der wahllosen Bombardierung von Schulen und Krankenhäusern auf die schwarze Liste für „schwere Übergriffe gegen Kinder in Konflikten“. Der UN-Sicherheitsrat verlangte, die wegen der Rakete auf Riad verhängte Totalblockade des Jemen wieder aufzuheben.

Am Montag kündigte Riad an, einige Flug- und Seehäfen wieder zu öffnen. Es würden alle Schritte unternommen, um das Leiden der jemenitischen Bevölkerung zu lindern, teilte die saudische Vertretung bei den Vereinten Nationen via Twitter mit. Als erster Schritt würden innerhalb von 24 Stunden die Häfen unter Kontrolle der jemenitischen Regierung wieder geöffnet, darunter der Hafen in der Stadt Aden. Wann der Flughafen von Sanaa sowie der Seehafen in Hudaida geöffnet werden, ging aus der Erklärung nicht hervor.

Rund 11.000 Jemeniten sind seit Kriegsbeginn gestorben, davon 2200 an Cholera. Nach Angaben internationaler Hilfsorganisationen sind sieben der 27 Millionen Einwohner vom Hungertod bedroht. Von diesem Fiasko profitieren vor allem Al Kaida und der „Islamische Staat“. Vor einer Woche griffen Dschihadisten in Aden das Polizeipräsidium an, nahmen Dutzende Beamte als Geiseln und befreiten 50 Gefangene, nachdem vier IS-Selbstmordattentäter den Weg freigebombt hatten. 24 Stunden später stürmten Sicherheitskräfte das besetzte Gebäude, 35 der Geiseln kamen dabei ums Leben. (mit dpa)

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